Fußball-Entzugserscheinungen

Als Loddar sich wie ein Mädchen vom Acker machte: WM-Finale 1990 - Deutschland gegen Argentinien - in der TV-Kritik

Geniales Duo: Gerd Rubenbauer und Karl-Heinz Rummenigge beim WM-Finale 1990 in Rom
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Geniales Duo: Gerd Rubenbauer und Karl-Heinz Rummenigge beim WM-Finale 1990 in Rom.

Im Sommer 1990 fand in Rom eine Sternstunde des deutschen Fußballs statt. Aufgrund fehlender aktueller TV-Sportereignisse begaben wir uns in die Geschichtsbücher der WM in Italien.

  • Auf Profifußball müssen wir wegen der Corona-Pause noch verzichten.
  • Stattdessen hat sich Kolumnist Jörg Heinrich einen Klassiker zu Gemüte geführt.
  • Das WM-Finale 1990 zwischen Deutschland und Argentinien - mit Teamchef Franz Beckenbauer.
  • TV-Kritik des legendären DFB-Triumphes - mit geschichtsträchtigen Vorkommnissen.

Rom - Ach Fußball, du fehlst! Momentan würde man sich sogar über ein 1:1 zwischen Mainz und dem FCA freuen, analysiert von Lothar Matthäus: „Der Augsburcher Dobbdorjächer Sigurvinsson, äh, Finnbogason.“ Wir haben uns wegen schwerer Entzugserscheinungen noch einmal das WM-Finale 1990 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Argentinien angeschaut (bit.ly/finale90). Mit dabei: Gerd Rubenbauer und Kalle Rummenigge als wundersames Kommentatoren-Duo Rubinigge. Motto unserer Retro-Kritik: Rubi, Rubi, noch einmal!

Deutschland - Argentinien: WM-Finale 1990 in der Retro-TV-Kritik

Der Moderator: Maximal entspannt steht Grandseigneur Werner Zimmer vor dem Anpfiff auf der Tribüne, neben Rubinigge und dem hoffnungsvollen BR-Nesthäkchen Fritz von Thurn und Taxis. Heutzutage veranstalten moderne Moderatoren ja sogar vor dem Drittligaspiel Sonnenhof Großaspach gegen Viktoria Köln ein Mords-Bohei. Nach aktuellen Maßstäben hätte Zimmer plärren müssen: „Das WM-Finale am Sonntag der Champions sehen Sie nur hier bei uns im Ersten, im Allerersten!“ 

Doch der Mann hat höchstens Puls 65 und raunt seelenruhig: „Unser Bundespräsident, Herr von Weizsäcker, ist eben auch hier eingetroffen, da sehen wir ihn.“ Sehr schön auch die Audienz, die Jörg Wontorra nach dem bundesdeutschen Sieg (so viel dürfen wir vorwegnehmen) bei Herrn von Beckenbauer bekommt. Der junge Wonti würde den Kaiser am liebsten aus dem Stand wegheiraten und jubelt: „Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Teamchef!“ Aber der Bundesfranzler lächelt nur lässig: „Zufälle gibt’s im Leben.“

TV-Team beim WM-Finale ´90: Vorschriftsmäßig wurde sich gesiezt

Der Kommentator: Das waren noch Zeiten, als BR-Reporter im Ersten Länderspiele kommentieren durften. Der Rrrrrrubi rollt das „r“ zwei Stunden lang unermüdlich durch Rrrrrom. Das klingt dann so: „Augenthalers bayerische Urgewalt obsiegt gegen Burrrrruchaga!“ Oder auch: „Ah, Völler! Um eine Locke!“ Erst kurz vor Schluss und nach einem Platzverweis für die Argentinier wird Gerd Rubenbauer langsam nervös: „Da waren’s nur noch zehn – nicht nur Argentinier, sondern auch Minuten.“ Er siezt sich vorschriftsmäßig mit seinem Adlatus Rummenigge, sehr zum Missfallen des ebenfalls anwesenden Kollegen Waldemar Hartmann. Und am Ende feiert der Gerd mit dem Kalle: „Da gibt’s ein herrrrrliches Lied, Arrrrrivederci Rrrrroma. Das haben wir noch nie so gern gesungen!“

Lothar Matthäus machte sich beim entscheidenden Elfmeter mädchenhaft vom Acker

Der Experte: Gar so schlecht, wie es die Geschichtsschreibung meint, war Karl-Heinz Rummenigge als Co-Kommentator gar nicht. Noch vor dem Anpfiff erfindet er den wunderbaren Hybrid-Fußballer „Guido Maradona“ alias Diego Buchwald. Und während des Spiels grantelt Schimpf-Kalle engagiert herum und legt mit viel Fachkenntnis den Finger in Wunden. Seine Lieblingsopfer sind der spätere Berufs-Golfspieler Thomas Berthold, argentinische Holzhackerbuam und die scheußlichen senfgelben Schuhe von Gaucho-Trainer Carlos Bilardo. 

Und wer erspäht als Erster, dass sich Lothar Matthäus beim entscheidenden Elfmeter mädchenhaft vom Acker macht? Der Kalle! Während Rubi noch rätselt, wer schießt, verrät Rummenigge der Nation bereits: „Ich sage Andy Brehme!“ Dann schießt Brehme, und trifft, und Gerd Rubenbauer lässt den Mantel der Geschichte wehen: „Der Kaiser hat die Krone, die deutsche Mannschaft den Pokal, und wir hatten Spaß!“ Und ob!

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