Übertragung in der ARD

TV-Kritik zum WM-Finale: Was sollte Dellings greislige Krawatte?

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Schöne Krawatte, Herr Delling!

München - Das Wunder vom Stern! Vier sind Weltmeister! Die ARD übertrug am Sonntag unseren vierten WM-Titel. Von tz-Autor Jörg Heinrich kommt die TV-Kritik zum WM-Finale.

Aber dafür heißt es ja auch Das Erste, und nicht Das Zweite. Im ZDF hätte es höchstens zum Vizeweltmeister gereicht. Opdenhövel und Scholl hyperventilierten angemessen, als hätte Helene Fischer einen neuen Hit: „Schnappatemlos durch die Nacht.“ Hier die TV-Einzelkritik zum „Game of Throne“, das Tom Bartels mit Unfug wie „Christus, der Erlöser. Wer erlöst Deutschland in diesem Finale?“ wenig weltmeisterlich kommentierte. Von Bartels erlöste uns keiner.

Matthias Opdenhövel: War zu Beginn deprimiert, weil er nicht mehr Deutschlands Busfahr-Kommentator Nummer eins ist. Denn das ZDF übertrug am Samstag sogar das Busfahren zum Abschlusstraining. „Der Bus kriegt gerade so die Kurve“, japste Béla Réthy, das war eine völlig neue Dimension von Busfahrübertragungen. Opdi, von der Dachterrasse gestern ins Maracaña umgezogen, versuchte mit viel Engagement dagegenzuhalten: „Christoph Kramer kam rein, völlig aus der kalten Hose.“ Netter Stichwortgeber für Scholl. Aber wenn Welke der Fernseh-Neuer ist, ist Opdi halt nur der TV-Weidenfeller. Note 3

Mehmet Scholl: Wir mussten gestern ein letztes Mal Fernanda Brandao aushalten, und Boris Becker im WM-Club. Das ist der Preis, den man für ein so großes Spiel zahlen muss – genau wie die Ferres, die die Argentinier auf Twitter „zureiten“ wollte. Da ist man dankbar für einen Scholl. Mehmet spottete über Opdenhövels Busfahren: „Ist der Tank voll, schaffen wir’s?“ Schade: Der Thomas Müller des Analysierens berauscht sich gern an seinen immergleichen Sprüchen, zum Beispiel zum Thema Teambuilding. Der Gänsehautentzündete ist toll, und wenn er sich nicht ständig selbst zitieren würde, wäre er noch töller. Aber es fällt ihm immer wieder auch Neues ein, zum Beispiel über Miro Klose, der gerne mal Laufwege blockiert – „typisch für ältere Leute“. Als Experte eh auf Jahre hinaus unschlagbar. Note 2

Gerhard Delling: Hatte die Krawatte des Grauens um den Hals, ein spektakulär scheußliches Teil aus den 90ern im Fußball-Design. Verlorene Wette mit Hirschhausen, angeblich Dellings Glücksbringerkrawatte von der EM 1996. Er sprach mit Bierhoff, den er mit Komplimenten umgarnte. Schleimer. Auf den Inhalt des Interviews konnten wir leider nicht achten, wir hatten nur Augen und Ohren für die Krawatte. Wahrscheinlich hat die Wade von Sami Khedira die Delling-Krawatte gesehen, und schon machte sie zu. Pfui, Delle! Note 4

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Tom Bartels: Wollte das gelobte Schland als vierter Mensch zum WM-Titel kommentieren. Das funktionierte. Aber an Bartels lag’s weiß Gott nicht. Er jammerte, klagte, flehte, und buk fleißig Allgemeinplätzchen wie: „Beide spielen auf Sieg!“ Zum Schürrle-Wechsel wusste Bartels: „Das kann der goldene Wechsel sein – oder einer, der nicht funktioniert.“ Frei nach dem Motto: Morgen kann die Sonne scheinen, es kann aber auch schneien. Bereits nach 35 Minuten schwatzte er über Kloses Heimatverein Blaubach-Diedelkopf, immer ein Zeichen für die Verzweiflung eines Reporters. Erfand unseren neuen Torwart „Mario Neuer“. Wenn Tom Bartels eine Frau wäre, würden alle sagen: Hat sich hochgeschlafen. Aber am Ende hieß es: „Cry for me, Argentina.“ Alles andere war ohnehin egal. Note 4

Jörg Heinrich

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