Die Rekordnacht im Fernsehen

WM-Finale: Wie viele Zuschauer wann dabei waren

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Jogi Löw beim Interview mit Gerhard Delling.

München - 34,65 Millionen Fans vor den Fernsehern - diese Zahl hat im deutschen TV jetzt Geschichte geschrieben. Ob dieser Wert jemals überboten werden kann, steht für Experten in den Sternen.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat auch dem guten alten Medium Fernsehen zu einer historischen Bestleistung verholfen. 34,65 Millionen Zuschauer jubelten beim 1:0-Finalsieg bei der WM in Brasilien vor den Bildschirmen mit, nicht eingerechnet diejenigen, die trotz des bundesweit weitgehend verregneten Sonntagabends beim Public Viewing auf öffentlichen Plätzen und Fanmeilen standen und diejenigen, die in Gaststätten mitfieberten.

Ob dieser Wert jemals überboten werden kann? Darüber streiten nun auch die Experten, denn angesichts neuer Nutzungsmöglichkeiten auf mobilen Geräten ist das klassische Fernsehen mit seinem Monitor im Wohnzimmer auf dem Rückzug. Bei Spitzenereignissen wie in Brasilien kämpft sich das analoge Fernsehen aber immer wieder nach vorn. Einigkeit besteht darin, dass nur die Nationalmannschaft imstande ist, ihren Rekord erneut zu brechen,

„Bei so einem Ereignis wie dem Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft zeigt das Fernsehen seine Kraft, aus einem Ereignis ein Erlebnis zu machen“, sagte der Medienexperte Bernd Gäbler, ehemaliger Leiter des Grimme-Instituts am Montag. „Es dient nicht nur der Zerstreuung der Menschen, sondern auch der Versammlung. Auf welchen Kanälen das Live-Bewegtbild dabei ausgespielt wird, ist letztlich egal.“ Die „reinen“ TV-Quoten werden seiner Ansicht nach aber nie wieder so hoch sein. Wohl aber würden die Nutzungszahlen eines „gemischten Medienensembles aus TV und Internet“ weiter zunehmen.

Dass das Spiel gleichzeitig im Netz eine große Rolle spielte, beweisen auch hier die Zahlen: Der Kurznachrichtendienst Twitter verbuchte mit 618 725 Tweets pro Minute zum Abpfiff den höchsten Wert seiner Geschichte. Facebook verzeichnete mit 280 Millionen Interaktionen (Posts, Kommentare und „Gefällt mir“-Angaben) während des Spiels die höchsten Nutzungszahlen bei einem einzelnen Sportereignis seit Bestehen der Plattform.

Um im TV noch mal die Kraft wie am Sonntag zu erreichen, müsste die deutsche Elf beim nächsten WM-Turnier in Russland wieder mindestens bis zum Halbfinale gelangen. „Es müssten dann aber viele Kriterien zusammenspielen“, sagte Stefan Geese von der ARD-Medienforschung am Montag. Dazu gehörten neben sportlicher Attraktivität auch schlechtes Wetter, damit die Fans zu Hause sitzen. Auch hänge einiges an der Gesamtbevölkerungszahl und an der Zuwanderung. Bislang werden Nicht-EU-Staatsbürger in Deutschland (unter denen zum Beispiel viele Türken sind) bei der Messung nicht berücksichtigt.

Zufrieden zeigte sich die Werbewirtschaft mit dem Verlauf des Turniers. „Die WM und jetzt auch der Titel flankieren den Werbeaufschwung, auf den wir seit zwei Jahren warten“, sagte Manfred Parteina, Hauptgeschäftsführer des Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), am Montag. „Das Fußballereignis hat Sondereffekte ausgelöst: Vom Bäcker, der WM-Brötchen backt und inseriert bis zu den Werbespots der Sportartikelhersteller.“

Ob der Titelgewinn und die damit verbundene Dramaturgie den kreativen Köpfen im deutschen Fernsehen Ansporn für neue Ideen verleihen kann, ist aus Gäblers Sicht zu bezweifeln. „An den Rekordquoten zur Fußball-Weltmeisterschaft sieht man vor allem, dass das Fernsehen dann stark und mächtig ist, wenn es über das Fernsehen selbst hinausweist“, sagte er. „Darum sind direkte Lehren - etwa für Fernsehshows - nur schwer zu ziehen. Nimmt man das Fernsehen aber als eine normale Industrie, dann ist auffällig, dass hier die Kosten für Forschung und Entwicklung geradezu katastrophal niedrig sind. Nachhaltigkeit sieht anders aus.“

dpa

20.15 Uhr: 14,55 Mio.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD: Matthias ­Opdenhövel und Mehmet Scholl stimmen die Zuschauer auf einen großen TV-Abend ein – 14,55 Millionen sind dabei

21.00 Uhr: 31,73 Mio.

Um 21 Uhr, beim Anstoß, saßen dann schon über 30 Millionen Fans vor den Bildschirmen

21.50 Uhr: 30,62 Mio.

Um 21.50 Uhr war Halbzeit. Thomas Roth meldete sich mit einer Kurzausgabe der „Tagesthemen“, die Quote ging runter auf 30,62 Millionen

23.36 Uhr: 35,78 Mio.

23.36 Uhr, Götze trifft. Die Quote beim Tor: 35,78 Millionen. Der Höchstwert des Spiels lag bei 36,04 Millionen zwischen 23.30 und 23.35 Uhr.

00.04 Uhr: 31,58 Mio.

Um vier Minuten nach Mitternacht wurde der Pokal überreicht. Zumindest die Frauen unter den 31,58 Millionen verdrückten dabei ein Tranchen

1.12 Uhr: 10,65 Mio.

Um 1.12 Uhr kam Jogi Löw zum Interview mit Gerhard Delling. Über zehn Millionen waren da immer noch dabei. Was für ein Abend!

Bilder: Pressestimmen zum WM-Finale Deutschland - Argentinien

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"Deutschland feiert WM-Titel nach Sieg über Artgentinein. Angela Merkel gratuliert dem Held des Landes Mario Götze" dailymail.co.uk © 
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Extra (Brasilien): "Zur Feier des Weltmeistertitels im Maracana bekommt Podolski ein Küsschen von Schweinsteiger." © 
O Globo (Brasilien): "Maradona glaubt, dass Elfmeterschießen zu einem fairen Ergebnis bei der Entscheidung der Weltmeisterschaft geführt hätte." (...) „Die Welt wird das Tor von Götze in der Verlängerung nicht vergessen. Es wäre gut, wenn die Brasilianer sich für immer an den 13. Juli 2014 erinnerten. An dem Tag, an dem das Maracanã wieder Zeuge wurde, wie ein Fußball mit technischer Qualität, Passwechseln, Spieldurchsetzung und Offensive geweiht wurde.“ © 
Globo Esporte (Brasilien): "Mariocanazo (Anm. d. Redaktion: Wortspiel bezieht sich auf die Niederlage Brasiliens im Finale gegen Uruguay 1950 im Maracana-Stadion: "Maracanazo" genannt) - mit dem Treffer von Götze besiegt Deutschland Argentinien in der Verlängerung und holt den 4. Titel." © 
Globo Esporte (Brasilien): "Vier Titel! Vier Titel! Vier Titel! Der junge Götze trifft in der Verlängerung und Deutschland besiegt Argentinien im Maracana." © 
Globo Esporte (Brasilien): "4. Titel für Deutschland, Kommentator Junior spricht für Brasilien: 'Wir haben uns vieles abzuschauen.'" © 
A Bola (Portugal): "Der goldene Ball bedeutet mir sehr wenig", sagt Messi. © 
La Marca (Spanien): Löw: "Ich habe Götze gesagt, geh raus und zeig, dass du besser bist als Messi." © 
ABC (Spanien): "Deutschland erobert Amerika." © 
El País (Spanien): "Deutsche Glorie im Maracana." © 
„Folha de São Paulo“: „Der WM-Titel für Deutschland ist verdient. Das Land, das am meisten dafür getan hat, Spieler zu entdecken und sie in seiner Liga zu halten, gewinnt Titel mit Vereinen und der Nationalmannschaft.“ © dpa
Sportzeitung „Lance!“: „Obrigado, Götze. Du hast Brasilien zum WM-Schluss eine große Freude gemacht. Ein gerechter und verdienter Titel. In der Stunde der Wahrheit war es Deutschland, das überlegen war und gezeigt hat, dass man aus Charisma und Vorbereitung Champions macht.“ © dpa
„O Dia“: „Der Vierfach-Weltmeister Deutschland hat den Schmerz der Brasilianer gelindert, die (dafür) ewig dankbar sein werden. Zum Schluss ein Trost. Die Wunde bleibt weiter offen, aber jetzt, tut das Herz jeden Brasilianers weniger weh. Argentinien wurde nicht Weltmeister im Maracanã und Messi wie auch Maradona bleiben Lichtjahre entfernt von Pelé - 1000 Tore nur er.“ © AFP
„Estado de São Paulo“: „Deutschland schreibt Geschichte mit Talent und Effizienz. Die Deutschen kamen nach Brasilien um Fußball-Geschichte zu schreiben. Es gibt nicht die geringste Chance, Deutschland nicht zum Hausherrn des Weltfußballs zu proklamieren, zumindest für die nächsten vier Jahre. Die schlechte Nachricht für Brasilien: Die 'Alemães' werden 2018 (WM Russland) stark auf Kurs Fünffachweltmeister gehen.“ © dpa
Yahoo Notícias (Spanien): "'Der Schmerz Argentiniens wird 'für's Leben' andauern', sagt Mascherano." © 
La Gazzetta (Italien): "Schweinsteiger von den deutschen Weltmeistern sagt: 'Ich habe mein Blut für den Pokal gegeben.'" © 
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Und das schrieb die Presse vor dem Spiel: Die Welt am Sonntag titelte "Das Spiel ihres Lebens". © Twitter
WM Finale, Deutschland, Bild am Sonntag
Die Bild am Sonntag ließ verlauten: "Heute schlagen für Euch 80,8 Millionen Herzen". © Twitter
WM Finale, Deutschland, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Statt einer Titelseite hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ein überdimensionales DFB-Logo mit vier Sternen darüber abgedruckt (bisher hat Deutschland nur drei Sterne für drei WM-Titel). © fkn
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Die BZ zeigte sich bescheiden vor dem Finale: Ihr seid Papst - Aber wir sind Götter". © Twitter
WM Finale, Deutschland, Express
Der Express spricht vom "Mega-Finale". © Twitter
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Und das österreichische Portal oe24.at titelt: "Mega-Duell um den Weltmeister-Titel". © Twitter
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Die Hamburger Morgenpost freut sich auf einen Leckerbissen heute Abend. © Twitter

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