Fernseher an Taxi-Ständen

WM-Kolumne: Kein Entkommen vor der TV-WM

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Ein brasilianischer Fan.

Rio de Janeiro - Die WM-Spiel laufen in Brasilien einfach überall. Die Fluggesellschaften zeigen statt Sicherheitsvideos lieber Fußball-Spiele, berichtet Michael Knippenkötter in seiner tz-Kolumne.

Wahrscheinlich muss man es nicht mehr erwähnen, ich will es an dieser Stelle trotzdem noch einmal tun: Die Brasilianer stehen total auf Fußball. Deswegen wollen die meisten auch nichts verpassen von diesem Turnier. Wenn das Teilnehmerfeld bei der WM nicht aus 32, sondern satten 128 Mannschaften bestünde, dann würden die Leute hier wahrscheinlich wie gebannt dem Klassiker Usbekistan – ­Färöer folgen, oder auch Lesotho gegen Österreich. Ja, die würden sich einfach alles anschauen. Und warum? Weil es kein Entrinnen gibt! Die Spiele laufen einfach überall.

Fluggesellschaften treiben es auf Spitze

Von Restaurants, Strandbars, Tankstellen, Hotellobbys oder so etwas will ich dabei gar nicht sprechen. Es ist viel verrückter. In Salvador war zum Beispiel ein Fernseher an einem Taxi-Stand aufgehängt. Die Taxifahrer schauten dort gemeinsam mit den wartenden Fahrgästen – was blieb Letzteren auch übrig, wenn Erstere nicht losfuhren? Wobei Kollegen sogar schon berichteten, wie sie mit Taxen fuhren, in denen die Spiele ebenfalls live auf einem kleinen Monitor liefen. Beim Sicherheitsgedanken musste man da leider ein paar Abstriche machen, der jeweilige Taxifahrer kommentierte das Geschehen auf dem Spielfeld auch noch. Vielleicht nennt man das hier auch „Service“.

Auf die Spitze des Überall-und-jederzeit-Fernsehens treiben es im Übrigen die Fluggesellschaften. Sie zeigen statt langweiliger Sicherheitsvideos lieber Südkorea gegen Algerien. Ist ja auch wichtiger. Man ist jedenfalls schon nach dem Einsteigen ganz gebannt. Und wenn es beim Start mal etwas ruckelt, auf der Rollbahn wie auf dem Bildschirm, dann nimmt man gleich ein deutliches Murren aus den Reihen wahr. Und man selbst denkt: Hoffentlich sitzt dort vorn nicht ein kommentierender Pilot.

Michael Knippenkötter

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