WM-Kolumne

tz-Reporter: Task Force für die Waschmaschine

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tz-Reporter Knippenkötter bei etwas, was er nicht so gut kann wie schreiben.

tz-Reporter Michael Knippenkötter berichtet in seiner Kolumne von persönlichen Erlebnissen bei der WM in Brasilien. Heute geht es um unvergessliche Momente mit der Waschmaschine.

Wir wussten alle, dass es irgendwann so kommt. Der Moment kam sicherlich schleichend, aber dann war er eben da: Wir mussten Wäsche waschen. Man kann noch so optimistisch durch den Koffer kramen, es hilft ja nichts. Dementsprechend wirft man also einen ersten bangen Blick in unsere kleine Abstellkammer, in der auch ein Wasch­gerät steht. Und was man da so sieht, lässt einen erst mal komplett verzweifeln. Auf der Anzeige sind beispielsweise keinerlei Zahlen angebracht. Eine vertraute 30, eine angenehme 40, eine selbstbewusste 60, eine überhebliche 90 – das sind doch alle Hausnummern, mit denen wir in Deutschland was anfangen können. Aber an diesen Maschinen setzt man leider hauptsächlich auf Buchstaben, in Portugiesisch aneinander gereiht.

Da steht dann „Turbo“ oder „centrifugacao“. Oder noch besser: „molho dinamico“. Das macht erst mal Angst. Uns allen. Wir hielten es daher für am besten, eine Task-Force zu gründen, die sich mit dem Thema Wäsche intensiv auseinandersetzt, sozusagen im Schleudergang. Beim ersten Treffen der vierköpfigen Wäschewasch-Fraktion (WWF) bestimmten wir zunächst einen, der im Supermarkt nach dem richtigen Waschmittel recherchierte. Ein anderer wiederum kümmerte sich um die Begrifflichkeiten an der Maschine und übersetzte die Fachsprache. Die anderen zwei überprüften Füllmenge und beschäftigten sich schon mal mit Schritt zwei: trocknen der Objekte.

Das lief alles ziemlich flüssig, wir waren guter Dinge. Um uns gänzlich abzusichern, hatte ein Kollege via Videotelefonie sogar seine Frau dazugeschaltet, also eine Fachkraft.

Dann war der Moment gekommen, das Ding ratterte in seinen letzten Zügen, und wir klappten die Klappe auf. Ein Moment extremer Anspannung, nichts für Weichgespülte. Ich hob das erste T-Shirt heraus, es hatte die gleiche Farbe wie zuvor, roch nach Waschmittel. Ich hielt es hoch wie einst ­Matthäus den WM-Pokal. Ich bin sicher: Das sind die Momente in Brasilien, die wir nie vergessen werden.

Von Michael Knippenkötter

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