WM-Kolumne

tz-Reporter: Mach das Ding aus, Mädel!

Santo André - tz-Reporter Michael Knippenkötter berichtet in seiner Kolumne von persönlichen Erlebnissen bei der WM in Brasilien. Heute geht es um seine Putzfrau, die gern  - und laut! - Telenovelas schaut.

Dass die Brasilianer so ihre eigene, entspannte Umgangsart haben, ist ja nicht unbedingt was Neues – auch nicht für uns Deutsche. Wenn die Eskimos angeblich 40 verschiedene Worte für Schnee haben, gibt es im Brasilianisch-Portugiesischen wahrscheinlich doppelt so viele für das, was wir unter stoischer Gelassenheit verstehen. Sonntag ist mir da wieder so ein Beispiel begegnet.

Ich kam nach einem Termin am frühen Nachmittag zurück zu unserem Bungalow und sah schon durch die große Fensterfront, dass der Fernseher lief. Im ersten Moment war ich doch einigermaßen erschrocken – zum einen weiß ich, dass mein Mitbewohner, ein Kollege von Sport 1, kein brasilianisches Fernsehen verfolgt, zum anderen wusste ich, dass er gar nicht da sein kann!

Reporter & Reinigungskraft: Der Fernseher ist aus!

Ich schob also leicht skeptisch die Schiebetür auf und erschrak erneut: Der Fernseher war nicht nur an, er war auch extrem laut eingestellt. Ich stellte meinen Rucksack auf einen Stuhl an unserem Esstisch, ließ einmal den Blick durchs Zimmer wandern und sah dann plötzlich unsere Putzfrau fröhlich gelassen die Treppe herunterschlendern. Sie hatte zur Arbeit ganz offensichtlich ihre Lieblings-Telenovela eingeschaltet. Und damit sie auch in den Schlafräumen im ersten Stock etwas mitbekommt, dröhnte „la Television“ durch den kompletten Bungalow. Als ich das begriff und erst mal erleichtert war, dass wir keinen fernsehsüchtigen Einbrecher in unseren vier Wänden hatten, nickte ich ihr nur freundlich zu, packte meine Tasche aus und legte den Laptop auf den Tisch. Ohne große Worte zu verlieren. Denn bei uns in Deutschland heißt so was ja meistens: Mach die Kiste aus, hier wird gearbeitet!

Die gute Frau aber blieb ganz gelassen, selbst als ich schon Platz nahm am Tisch. Sie schnappte sich ihren Wischer und putzte um die Stühle, den Tisch und meine Füße herum. Der Fernseher lief weiter. Da muss man erst mal gelassen bleiben.

Von Michael Knippenkötter

Rubriklistenbild: © fkn

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