Kommentar

WM mit 48 Teams? Immerhin gut für Österreich ...

Bernd Brudermanns.

München - tz-Redakteur Bernd Brudermanns gibt in seinem Kommentar seine Einschätzungen zu den Plänen der FIFA, die Fußball-WM auf 48 Teilnehmer zu erhöhen.

Heute werden bei der FIFA-Sitzung in Zürich die Weichen in Richtung Mega-WM gestellt. Dass das bisherige 32-Teilnehmer-Format für Endrunden abgeschafft wird, gilt als sicher. Denn FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte in seinem Wahlkampf für eine größere WM ­geworben und muss dieses Versprechen natürlich gegenüber seinen Unterstützern in Asien und Afrika einlösen. Bleibt also nur die Frage: Wird das Teilnehmerfeld auf 40 oder auf 48 aufgestockt? 

Für die 40er-Variante gibt es zwei Modelle (8 x 5, 10 x 4) zur Auswahl, für die 48er-­Variante ebenfalls zwei (Playoff-System, 16 x 3). Vereinfacht ausgedrückt gibt es drei Kritikpunkte: Bei dem 8-x-5-Modell gäbe es in der Gruppenphase 80 Spiele, 16 mehr als bislang insgesamt. Bei den Varianten 10 x 4 und 16 x 3 könnte es in den Gruppen zu Mauscheleien kommen, und im Playoff-System wäre für viele Teams schon nach einem Spiel Feierabend. Das alles – so mögen Kritiker einwenden – sind doch nur vorgeschobene Argumente, um die sogenannten kleinen Nationen von der WM fernzuhalten und vom Verteilungsstrom der internationalen Fernsehgelder auszuschließen. Und natürlich wird dann mit einem verklärend romantisierenden Rückblick auf die EURO 2016 auf die sympathischen Isländer und die wackeren Waliser verwiesen. 

Österreich - der Geh-Heim-Favorit

Gerne wird dabei vergessen, dass bei dieser ebenfalls vergrößerten EM-Endrunde nur 2,12 Tore fielen und einige Teams die Fans mit defensivem Folterfußball quälten. Die Ukraine brachte in der Vorrunde ein Torverhältnis von 0:5 zustande, und Österreich – der „Geh-Heim­Favorit“ – schoss beispielsweise beim 0:0 gegen Portugal nur dreimal aufs Tor. Zwei Aspekte sollten nicht unerwähnt bleiben: Karl-Heinz Rummenigge, Chef der European Club Association, verweist zu Recht darauf, dass Megaturniere „todmüde Stars“ – gerade in den entscheidenden Spielen am Ende – zur Folge hätten. 

FIFA-Papier: Mega-WM bringt über 600 Millionen Euro mehr

Aber nicht mal die UEFA ist komplett gegen die WM-Ausweitung. Spanien soll den Widerstand aufgegeben und die englische FA sich für die 48er-Variante ausgesprochen haben. Sie favorisiert das Modell 16 x 3, bei dem in der Vorrunde bei Remis per Elfmeterschießen ein Sieger ermittelt werden soll. Good luck, England! 

Und dann wäre noch der Faktor Geld. Die ­FIFA – nach diversen Skandalen finanziell klamm – würde bei einem größeren Turnier rund eine Milliarde Euro mehr einnehmen. Und bei allen Argumenten, die man pro Aufstockung ins Feld führen kann, bleibt dann eben doch der Beigeschmack, dass einfach nur noch mehr Geldquellen erschlossen werden sollen. So funktioniert der Weltverband – und das selten im Sinne des Fußballs. Aber nachdem die Mega-WM ohnehin kommen wird und wir dem etwas Positives abgewinnen wollen: Für Österreich (seit 1998 nicht mehr bei einer WM) und die Niederlande (zuletzt bei der EURO nur Zuschauer) steigen die Chancen auf eine Endrunden-Qualifikation…

Warum will der Fußball eine Mammut-WM?

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