WM-Schattenseiten: Menschenhandel und Zwangsprostitution

Kapstadt - Sie lauern auf ihre Opfer vor Schulen, in Einkaufszentren oder bei Popkonzerten: Finstere Geschäftemacher, die in Südafrika mit der Jagd nach jungen Mädchen auf die erwartete Nachfrage nach Prostituierten während der Fußball-WM reagieren.

Kirchen und Behörden fürchten für 2010 wegen des größten Festes in der Geschichte Afrikas einen Boom bei Menschenhandel, Entführungen und Kinder-Prostitution. “Die WM trägt ohne Zweifel dazu bei, dass der Handel mit Frauen und Kindern beachtlich ansteigt“, meint die Leiterin des Büros zur Bekämpfung von Menschenhandel der katholischen Bischofskonferenz, Schwester Melanie O'Condor.

Tipps vom Auswärtigen Amt für Sicherheit der WM-Besucher

Wie sicher wird die Fußball-WM in Südafrika? Darüber wird seit Monaten diskutiert. Das Land am Kap der guten Hoffnung gilt als Hochburg des Verbrechens. © dpa
Fußballfans, die im Sommer einen Besuch in Südafrika planen, sollten sich vorab über Gefahren informieren - und darüber, wie man sie vermeidet. © dpa
Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) finden sich zahlreiche Reisewarnungen für Südafrika. © dpa
Nachfolgend zeigen wir einige dieser Warnungen: © dpa
Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten. © dpa
Dies schließt auch Straftaten unter Anwendung von körperlicher Gewalt ein. © dpa
Auch wenn der überwiegende Teil der Gewaltkriminalität in Gegenden und unter Umständen erfolgt, von denen üblicherweise deutsche Urlaubs- oder Geschäftsreisende nicht betroffen sind... © dpa
..., ist es nicht ausgeschlossen, dass deutsche Reisende Ziel und Opfer von Diebstählen, Einbrüchen und Raub und ähnlicher Delikte werden. © dpa
Die großen Städte werden zum Teil von scharfen Gegensätzen geprägt. © dpa
Während bessere Wohngebiete oft großzügig angelegt und gepflegt sind, bestehen die "Townships", in denen nach wie vor der Großteil der nicht-weißen Bevölkerungsgruppen lebt, aus überwiegend einfachen Häusern, Baracken oder slumartigen Hütten. © dpa
Townships sind nicht gleichzusetzen mit Slums, es gibt auch in Townships Wohngegenden der Mittelklasse bis hin zu Millionärsvillen. © dpa
Vor allem die Townships, aber auch die Innenstädte der großen Städte wie Johannesburg, Pretoria, Kapstadt und Durban (alles WM-Spielorte; Anm. d. Red.), leiden unter der hohen Kriminalität im Land. © dpa
Gerade Touristen sind ein beliebtes Opfer von Räubern, die meist vor Gewalt nicht zurückschrecken. © dpa
Man sollte im Falle eines Überfalls daher unbedingt auf Gegenwehr verzichten! © dpa
Die Innenstädte von Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt (alles WM-Spielorte; Anm. d. Red.) und anderer großer Städte sollten nach Geschäftsschluss gemieden werden. © dpa
An Sonn- und Feiertagen sollte man nur in Gruppen in die Innenstädte gehen. Ebenso wird tagsüber zu erhöhter Vorsicht geraten. © dpa
Bei Besuchen in Townships ist erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht angeraten. © dpa
Sowohl Stadtbesichtigungen als auch Township-Besuche sollten in organisierter Form und nur mit ortskundiger Führung stattfinden. © dpa
Bei Ausflügen in öffentlich zugängliche Naturflächen und Nationalparks ( z. B. am Tafelberg in Kapstadt) und zu bekannten Sehenswürdigkeiten Südafrikas ( z.B. Rhodes Memorial, Kapstadt ) sollte man keine einsam gelegenen Wanderwege benutzen und unbelebte Gegenden meiden. © dpa
Für Einzelreisende empfiehlt es sich, generell Anschluss bei den meist vor Ort vorhandenen größeren Reisegruppen zu suchen. © dpa
Abgeraten wird vom Benutzen der Vorortzüge in Johannesburg, Pretoria, Durban und z.T. in Kapstadt. © dpa
Falls die Züge gleichwohl genutzt werden, empfiehlt es sich, in der 1. Klasse und nur zu Hauptverkehrszeiten am Tage zu reisen. © dpa
Taxis sollte man möglichst bei zuverlässigen, bekannten Unternehmen reservieren. In der Regel sind bei der Reservierung Hotels und Gasthäuser behilflich. © dpa
Rucksacktouristen sollten auf sichere Unterkünfte und sicheren Transport achten. Einschlägige Reiseführer geben Empfehlungen für Backpacker Hostels ab; trotzdem ist Vorsicht geboten. © dpa
Von Fahrten per Anhalter und mit sog. Minibus-Taxis wird dringend abgeraten. © dpa
Von Fremden angebotene Getränke in Bars oder Restaurants sollte man nicht annehmen. Fälle, in denen „K.O.-Tropfen“ beigemischt werden, werden auch in Südafrika berichtet. © dpa
Wegen der Gefahr von Fahrzeugentführungen (das so genannte „car-jackiing“) und so genannter „smash-and-grab“-Überfälle sollten die Autofenster immer geschlossen und die Türen stets von innen verriegelt sein. © dpa
Handtaschen, Photoapparate usw. sollten nicht sichtbar im Auto liegen. Bei Wartezeiten an großen Kreuzungen in den größeren Städten sollte man aufmerksam sein und seine Umgebung beobachten. © dpa
Es empfiehlt sich, beim Anhalten hinreichend Abstand zu anderen Fahrzeugen zu halten, um ggf. wegfahren zu können. © dpa
Angesichts des schlechten Zustands vieler Nebenstraßen im ganzen Land, besonders in zentralen ländlichen Teilen der Provinz Kwazulu-Natal und durch die sog. Transkei in der Provinz Eastern Cape... © dpa
...wird empfohlen, möglichst Hauptverkehrsstraßen zu nutzen. © dpa
Dort wie in den übrigen Landesteilen sollten Überlandfahrten nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr unternommen werden... © dpa
...da Autopannen, schlechte Straßen mit Schlaglöchern, nicht hinreichend ausgeschilderte und gesicherte Baustellen sowie Tiere auf der Fahrbahn nach Einbruch der Dunkelheit ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. © dpa
Es wird davon abgeraten, an Aussichtspunkten oder Rastplätzen Halt zu machen, wenn dort keine anderen Touristen in Sichtweite sind. © dpa
An Geldautomaten ist erhöhte Vorsicht geboten. Neben einfachem Raub und Trickdiebstahl nehmen Manipulationen der Geldautomaten und Missbrauch der Kartendaten zu. © dpa
Es wird empfohlen, Kreditkarten bei anstehenden Zahlungen nicht aus dem Auge zu verlieren. © dpa
In vielen Restaurants ist es üblich, portable Kreditkarten-Lesegeräte zu nutzen. Gibt es das nicht, so sollte die Kreditkarte zum Zahlungssystem begleitet werden. © dpa
Auch wenn Einheimische auf dem Land mitunter ungeschoren Marihuana (hier „Dagga“ genannt) konsumieren, führt dies bei Ausländern meist zu Strafverfolgung. © dpa
Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, für die Dauer des Aufenthaltes ein Mobiltelefon mitzuführen. © dpa
Deutsche Mobiltelefone mit Roaming-Funktion können landesweit verwendet werden. © dpa

Vor allem Minderjährige seien im Visier der Kriminellen. Vor manchen Schulen lockten seit geraumer Zeit dubiose Figuren mit angeblichen Ferienjobs. “Mädchen werden in Einkaufszentren angesprochen und für Schönheitswettbewerbe eingeladen. Wir wissen von mehreren Fällen, in denen Kindern danach spurlos verschwanden“, sagt O'Condor.

“Es gibt sicher einen Anstieg versuchter Entführungen“, berichtet auch der Polizeisprecher von Port Elizabeth, André Beetge. Vor Schulen hätten Männer Fotos von Kindern geschossen: “Wir schließen nicht aus, dass da Kataloge zusammengestellt werden“, sagt er. Vor allem in den Armenvierteln in der Region Kwazulu-Natal würden in der Nähe der Klassenräume “Bilder der Waren“ geschossen - also von Kindern, die dann zum Verkauf angeboten würden, zitiert die englischsprachige Sonntagszeitung “City Press“ den Ex-Polizeioffizier und Missbrauchsexperten Mark Hardwick.

Südafrika gilt international als wichtiger Umschlagplatz für den “modernen Sklavenhandel“, wie Papst Benedikt XVI. die schmutzigen Geschäfte mit Menschen geißelte. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Forschungszentrums für Humanwissenschaften (HSRC) in Pretoria kommt zu dem Ergebnis, dass Menschenhandel im südlichen Afrika - neben Südafrika wurden auch Lesotho, Swasiland und Simbabwe miteinbezogen - ein “ernstes Problem“ sei. Aus vielen Teilen Afrikas, aber auch aus Asien und Osteuropa würden Menschen illegal ins Land geschleust. Das Leben dieser Frauen, Mädchen und Jungen ende meist in Prostitution, Pornoindustrie, Zwangsarbeit oder Kriminalität.

Die katholische Kirche schätzt, dass allein aus Mosambik jährlich etwa 1000 Mädchen nach Südafrika geschmuggelt werden, um sie als “Sex-Sklavinnen“ oder als “Ehefrauen für Minenarbeiter“ zu verkaufen. Kinder werden laut der HSRC-Studie aber auch aus primitivem Aberglauben entführt: Noch immer nutzten manche der etwa 500 000 Sangomas, der Wunderheiler und Zauberer in Südafrika, menschliche Körperteile für schwarze Magie und dubiose Heilmittel.

In erster Linie geht es aber um das Sex-Geschäft. Skrupellose Banden locken nach Erkenntnissen der Kirche auch in Slums und bitterarmen Landstrichen junge Frauen mit falschen Versprechungen in ihre Fänge oder erwerben Minderjährige für ein bisschen Geld. “Selbst Angehörige verkaufen die hilflosen Opfer in ein schreckliches Leben der Sklaverei“, berichtet die katholische Schwester Monica Shanley im Kirchenblatt “The Southern Cross“.

Während der Weltmeisterschaft im Juni und Juli werden die Schulen geschlossen sein. Shanley befürchtet, dass in dieser Zeit Millionen Kinder “unbeaufsichtigt und besonders verletzlich“ sind und Opfer von Kriminellen werden können. “Die Kinder sind in den dicht gedrängten Fan-Zonen der Innenstädte besonders gefährdet“, berichtet auch Schwester O'Condor.

Im ganzen Land würden deshalb nun Schulkinder in Kursen über die Gefahren informiert. Allein in Johannesburg sollen über 1000 speziell geschulte Kräfte für mehr Sicherheit von Minderjährigen während des WM-Rummels sorgen.

Sogar die US-Regierung, seit dem Ende der Apartheid Südafrika besonders wohlgesonnen, rügt beim Thema Menschenhandel Pretoria. Grund dafür: Südafrika ignorierte bis vor kurzem die im “Palermo- Protokoll“ vereinbarten internationalen Minimalstandards im Kampf gegen Menschenhandel. Nun soll auch ein neues Gesetz juristische Lücken füllen, damit diese Verbrechen effizient verfolgt werden können.

Über das Ausmaß des Menschenhandels gebe es in Südafrika aber noch immer keine verlässlichen Zahlen, kritisierte HSRC-Institutsleiterin Carol Allais. Oft würde das Problem von Behörden nicht ernst genug genommen.

dpa

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