Experten bei ARD und ZDF

WM-TV-Kritik: Scholl - der Analyse-Pirlo mit Löwen-Biss

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Mehmet Scholl im Duett mit Matthias Opdenhövel (r.) in der ARD.

München - Deutschland kann: dichten, denken, Rodelschlitten lenken. Deutschland kann nicht: anständige Kommentatoren zur Fußball-WM schicken. Meint zumindest tz-Kolumnist Jörg Heinrich in seiner aktuellen TV-Kritik

Während sich Mehmet Scholl zum ­Analyse-Pirlo aufschwingt, irren Schmidt, Bartels, Simon & Co. planlos durch die Spiele wie Casillas durch seinen Strafraum. Kann man sie nicht 90 Tage provisorisch sperren, wie den Kaiser? Und stattdessen Fuss, Reif, Hagemann und den Fürsten von TuT in den Flieger setzen? Warum kommentieren die Schlechtesten, wenn die Besten spielen? Man kann vermuten: Schuld war nur der Bossa Nova.

Die Gewinner und Verlierer des TV-Wochenendes

Sieger – die Zuschauer: Wenn gerade kein Live-Fußball ist, ist der Fußball in ARD und ZDF vom Feinsten. Muss man sagen. Toll vor allem Scholl im Duett mit Opdenhövel. Mehmet fühlt sich pudelwohl im lässigen Brasilien, und man merkt es. Er lobt die „Genialität“ von Louis van Gaal, und schiebt hinterher: „Ich bleib trotzdem dabei, dass er menschlich ’ne Tragödie ist.“ En passant disst er pflichtgemäß 60, wegen der Fehler von Griechen-Holebas: „Er war bei den Löwen, jetzt weiß man, warum.“ Mit ­Welke und Opdi hat bei den WM-Moderatoren eine neue, sehr unterhaltsame Ära begonnen – doch sie müssen aufpassen, nicht zu viel Comedy zu veranstalten. Ein bisserl weniger ­Heute-Show und ein paar Fakten mehr zum Fall Beckenbauer hätten es gerne sein dürfen bei Olli und Olli im ZDF.

Verlierer – auch die Zuschauer: Nach dem Anpfiff ist der Spaß vorbei, zumindest akustisch. Die einen Kommentatoren kämpfen mit der deutschen Sprache, wie ZDF-Mann Oliver Schmidt, der über den mutmaßlichen Niedergang der Spanier meint: „Ich mag mich noch dagegen ­scheuen.“ Die anderen kämpfen mit den Fakten, wie ARD-­Bartels, der eine 90-minütige romantische Liebeserklärung an Schiri Brych quasselt und der im Strafraum völlig neue Sexualpraktiken entdeckt, bei denen sich Spieler „mit beiden Beinen um den Bauch“ fassen. Steffen Simon kämpft mit allem, vor allem mit sich selbst. Er taufte Italien-Trainer Prandelli konsequent in Pandrelli um und machte sich die Welt widdewiddewie sie ihm gefällt. Cooler Trick der ARD: Die Frankfurter Pastoralreferentin Verena Maria Kitz legte im Wort zum Sonntag so einen ulkigen Fußball-Text zum Seitenwechsel hin („Huch, die spielen ja jetzt auf das falsche Tor!“), dass Simon beinahe schon wieder kompetent wirkte.

Siegerin – KMH: Poldi ließ sich beim Planschen mit Madame überraschend die historische Chance entgehen, die Käte im Pool zu versenken. Sein Gespräch mit der badenden Venus bot in 4:10 Minuten den Inhalt einer entsafteten Kokosnuss. ­Delling planscht nicht mit seinen Interviewpartnern, vernahm Lahm im Stehen. Grund: Wasser 1,45 Meter tief, Sicherheitsbedenken beim DFB.

Verliererin – Alice Schwarzer: Wenn Tante Emma die WM sieht, lässt sie sich freiwillig ins Frauengefängnis Aichach einliefern. Damen wie die ARD-Hupfdohle Fernanda Brandao werfen bei der WM die Emanzipation um Jahrzehnte zurück. Die Lach-Else mit Karrierestationen wie der Doof-Kapelle Hot Banditoz und DSDS-Jury ratscht mit ihrem Opa, was nicht schlimm ist, aber warum müssen Kameras dabei sein? Schnatternde Hühner wie Brandao und die artverwandte Cathy Fischer lassen einen als denkenden Mann an der Sinnhaftigkeit der Heterosexualität zweifeln.

Jörg Heinrich

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