Wolfgang Feiersinger im tz-Interview

Klopp FCB-Trainer? "Vielleicht schon recht bald"

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Wolfgang Feiersinger und Partnerin Karin Rass auf ihrer Hochwildal.

München - Zwischen 1996 und 2000 hat er vier Spielzeiten für Borussia Dortmund gespielt, 1997 gewann der Libero die Champions League in München. Im tz-Interview spricht er über sein neues Leben, Fußballgehälter und Jürgen Klopp als möglichen FCB-Trainer.

Zwischen 1996 und 2000 hat er vier Spielzeiten für Borussia Dortmund gespielt, 1997 gewann der Libero die Champions League in München. Nach dem Ende seiner Fußballkarriere zog es Wolfgang Feiersinger in die Berge. Heute betreibt der 50-jährige Salzburger gemeinsam mit seiner Partnerin Karin Rass die 1557 Meter hoch gelegene Hochwildalm in Tirol. Im tz-Interview spricht Feiersinger über Fußballgehälter, sein Leben auf der Alm und was wohl Matthias Sammer über ihn denkt.

10. Dezember 2013. Bruno-Pezzey-Gedenkturnier. Wolfgang Feiersinger bricht zusammen und schwebt angeblich aufgrund von Herzrhythmusstörungen in Lebensgefahr. Herr Feiersinger, wie ernst war die Lage?

Feiersinger: Leider sehr dramatisch. Ich meinte beim Auflaufen noch einer der Fittesten zu sein. Es kam von jetzt auf gleich. Mir wurde schwindelig, ich brach zusammen. Mein Puls spielte zwischen 50 und 270 verrückt. Ich war aber bei vollem Bewusstsein. Es handelte sich wohl um eine extreme Herzrhythmusstörung, deren Ursache man nie genau festmachen konnte. Mein Herz ist gesund, aber man sagte mir, so ein Vorfall könnte einmalig sein, sich aber auch wiederholen. Psychisch hat dieser Vorfall Spuren hinterlassen. Dieses Unerwartete, das macht einem schon zu schaffen.

Früher bedeutet Volle Hütte für Sie vor 60.000 Fans zu spielen. Auf der Hochwildalm sind die Kapazitäten deutlich geringer. 

Feiersinger (lacht): Heute ist die Hütte voll, wenn drinnen und draußen alle 70 Plätze – im besten Fall im Wechsel – besetzt sind.

Was ist Ihnen als Wirtsleute wichtig? 

Feiersinger: Da unsere Lagermöglichkeiten begrenzt sind, gibt’s bei uns keine großen Gerichte. Wir haben Brot vom Bauernhof, beziehen Speck und Würste von einem kleinen Metzger im Tal. Unsere Spezialität ist unser Gerstl­eintopf. Strom beziehen wir vom Bauern nebenan, der hat ein kleines Wasserkraftwerk, das insgesamt 20 kW liefert. Geschirr wird mit der Hand gewaschen.

Als Profifußballer waren Sie es gewohnt, bedient zu werden. Heute bedienen Sie Ihre Gäste auf der Hütte. Harter Rollenwechsel?

Feiersinger: Ich habe mit dem Fußball-Leben, der Scheinwelt abgeschlossen. Bei aller Idylle hier oben, das Gastgewerbe ist phasenweise anstrengend. (lacht) Die Gäste werden ja nicht einfacher. Wobei: Wanderer und Mountainbiker sind in der Regel angenehme Zeitgenossen.

Was gibt Ihnen das Leben auf der Alm? 

Feiersinger: Wenn du früh morgens in aller Ruhe vor der Hütte frühstückst oder abends nach dem Geschäft etwas Zeit für dich hast, vielleicht noch ein paar Freunde da sind, dann sind das unbezahlbar schöne Momente.

Ein Champions-League- Sieger kann sorgenfrei in Fußball-Rente gehen. Warum tut man sich die Arbeit als Hüttenwirt an? 

Feiersinger: Der Mensch braucht eine Beschäftigung. Ohne Aufgabe versumpft man doch total. Wir haben seinerzeit zwar sehr gutes Geld, aber noch keine Unsummen wie heute verdient.

Was denken Ex-Kollegen wohl über dich? Meinetwegen ein Kalle Riedle oder Matthias Sammer? 

Feiersinger (lacht): Die sagen sicher: Der Feiersinger spinnt!

Waren schon Ex-Kollegen zu Besuch?

Feiersinger: Andy Möller, das war super, stand eines Tages unangemeldet vor der Hütte. Knut Reinhardt war schon bei mir. Ralph Hasenhüttl ebenfalls. Vor zwei Tagen waren meine Salzburger Kollegen aus der 94-Generation da.

Haben Sie einen Fernseher, verfolgen Sie die Bundesliga? 

Feiersinger: Sportschau ist Pflicht. Deutsche Bundesliga verfolge ich regelmäßig, die österreichische eher am Rande. Jetzt erstarkt Gott sei Dank Rapid wieder. Große Stadtklubs wie Innsbruck, GAK, Lask Linz usw. gehen in der Liga einfach ab. Wir haben nur noch Dorfvereine.

28. Mai 1997. Münchner Olympiastadion. Finale ohne Sie. Schmerzt das noch? 

Feiersinger: Nach wie vor werde ich oft darauf angesprochen. Und ja, es nagt immer noch an mir. Obwohl ich ein gutes Verhältnis zu Hitzfeld habe und er sich bei mir entschuldigt hat, hat er mir die bittersten Stunden meiner Karriere beschert. Mich wurmt das immer noch. Du reist drei Tage vorher nach München, trainierst gut. Dass Sammer spielt, war nie ein Thema. Am Finaltag holt dich der Trainer mittags zu einem Gespräch. Dann bekommst du die Nachricht, dass du nicht einmal auf der Ersatzbank, sondern auf der Tribüne sitzt. Das war niederschmetternd.

Aber fühlen Sie sich als CL-Sieger? 

Feiersinger: Am Final-Abend jedenfalls nicht. Heute, mit etwas Abstand, schon. Ich war Teil der Mannschaft und habe bis zum Finale meinen Beitrag zum Titel geleistet. Aber abgehakt, vergessen, vorbei.

Ihre Tochter Laura spielt seit 2011 für den FCB. Stolz, wenn die Tochter gemeinsam mit Robben & Co am Münchner Rathausbalkon steht?

Feiersinger: Freilich. Das sind auch für mich als Vater emotionale Momente. Laura war schon als Kind ballverrückt. Sie wollte eigentlich immer nur Fußball spielen. Ich freue mich für Laura. Der FCB ist auch im Frauenfußball ein paar Schritte weiter. Außerdem muss ich mal anmerken: Zu meiner aktiven Zeit war – bei aller Konkurrenz zum FCB – das Verhältnis zum Verein immer ein gutes.

Halten Sie es für möglich, dass Jürgen Klopp mal Trainer beim FCB wird? 

Feiersinger: Ja, das glaube ich. (Lacht) Vielleicht schon recht bald.

Interview: Johanna Stöckl

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