Slomka redet Bayern stark

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Mirko Slomka

Freiburg - Hannover 96 ist durch das 3:1 beim SC Freiburg in der Tabelle an Bayern München vorbeigezogen. Jetzt freut sich 96-Coach Mirko Slomka auf einen entspannten Fernsehnachmittag am Samstag.

Nachdem seine Schützlinge die Aufgabe am Gründonnerstag ohne Probleme gelöst hatten, freute sich Mirko Slomka bereits auf einen entspannten freien Ostersamstag. „Ich werde mir das Spiel natürlich anschauen“, sagte der Trainer von Fußball-Bundesligist Hannover 96 im Anschluss an das 3:1 (2:0) zum Auftakt des 31. Spieltags beim SC Freiburg. Auf Slomkas Fernsehgerät wird die Partie von Bayern München zu sehen sein. Schließlich muss der Rekordmeister bei Eintracht Frankfurt gewinnen, um den Tabellendritten vom Qualifikationsplatz zur Champions League zu verdrängen.

Die bizarren Rituale der Fußballstars

Mario Gomez singt bei Länderspielen nie bei der Nationalhymne mit. Der Grund: Einst hatte er vor einer U-15-Partie nicht mitgesungen und prompt ein Tor erzielt. Seither verzichtet er auf Gesang.  © dpa
Der argentinische Torhüter Sergio Goycochea (Elfmeter-Killer bei der WM 1990) hatte eine besonders bizarre Marotte: Vor wichtigen Elfmeterschießen urinierte der Schlussmann auf den Platz. Seine Mitspieler bildeten dann einen Kreis um ihn als Sichtschutz. Er wollte damit den Gegner verunsichern. © getty
Gerd Müller trug immer Schuhgröße 41. Und das, obwohl der „Bomber der Nation“ eigentlich Größe 38 hatte. Er könne sich so besser drehen, gab er als Begründung an. © dpa
Der Däne Preben Elkjaer-Larsen war schon während seiner Profizeit Kettenraucher. Zu seinen Ritualen gehörte die Zigarette in der Halbzeitpause. © getty
Michael Ballack besteht bei seinen Clubs immer auf die Trikotnummer 13. Beim Dienstantritt in London sorgte dies für Ärger mit Teamkollege William Gallas, der die „13“ zuvor getragen hatte. Ballack setzte sich durch. © dpa
Die englische Fußball-Legende Gary Lineker schoss beim Aufwärmen niemals aufs Tor. Er wollte „die Treffer aufsparen“. Wenn er in der ersten Hälfte nicht einnetzte, wechselte er in der Pause sein Trikot. © getty
Der Ex-Nationalspieler Carsten Jancker küsste nach jeder Bude seinen Ring. Damit drückte er die Liebe zu seiner damaligen Freundin aus. © dpa
Giovanni Trapattoni (Was erlauben Struuuunz?/Gespielt wie eine Flasche leer...) vetraute bei der WM 2002 auf geweihtes Wasser. Damit besprühte er vor den Partien Teile des Platzes. Seine Schwester, die Ordensfrau ist, hatte ihm die Flüssigkeit besorgt. Gebracht hat es nichts. Italien schied früh aus.  © dpa
Der legendäre Dr. Socrates (Brasilien), der bei der WM 1986 einen Elfmeter aus dem Stand geschossen hatte (und vergab), betrat immer als letzter Akteur das Spielfeld. Der Grund: Aberglaube. © getty
Bei der WM 1986 gab es für die argentinische Nationalelf fünf Wochen lang kein Hühnerfleisch. Trainer Carlos Bilardo war der festen Überzeugung: Hühnerfleisch bringt Unglück. © Getty
Bei der WM 1998 küsste der französische Nationalspieler Laurent Blanc (2.v.r.) vor Beginn jeder Partie den kahlen Kopf seines Torhüters Fabien Barthez (2.v.l.). © dpa
Der Brasilianer Jorginho, der früher für den FC Bayern seine Kickstifel schnürte, ist streng gläubig. Vor den Partien überreichte er den gegnerischen Kapitänen stets eine Bibel. © dpa
Skandalkicker Eric Cantona nahm an jedem Spieltag morgens um Punkt acht Uhr ein fünfminütiges, heißes Wannenbad. © dpa
Frankreichs Ex-Nationalcoach Raymond Domenech soll bei der Aufstellung des Teams ganz genau auf die Strenzeichen der Spieler achten. Offenbar befragt er vor Kader-Nominierungen zudem das Horoskop. © dpa
Der Brasilianer Mario Zagallo, Weltmeister als Spieler sowie als Trainer, liebt die Zahl 13. Das rührt von der Verehrung des Heiligen Antonius her. Dessen Gedenktag wird am 13. Juni gefeiert. Zagallo lebt in einem 13. Stockwerk, heiratete am 13. Januar und verlangte als Spieler immer die Nummer 13. © dpa
Adrian Mutu trägt bei Spielen immer dieselbe Unterwäsche-Marke. © dpa
Auch der frühere kolumbianische Nationaltürhüter Rene Higuita schwörte auf Konstanz bei seiner Unterwäsche. Bei ihm mussten die Hosen blau sein. Eine Wahrsagerin hatte ihm dies empfohlen. © Getty
Miroslav Klose bekreuzigt sich vor jedem Einsatz. © dpa
Udo Lattek trug als Manager des 1. FC Köln in der Saison 1987/88 einen blauen Strickpulli. Und das 14 Spieltage lang. Immer denselben. Bis zur ersten Niederlage.  © dpa
Auch der frühere englische Nationalspieler Paul Ince hat stets darauf bestanden, das Spielfeld als letzter Akteur zu betreten. © dpa
Kölns Ex-Keeper Faryd Mondragon ist streng gläubig. Er ließ sich ein FC-Handtuch weihen. Vor den Spielen betet er, er soll sogar eine Marienfigur in der Kabine haben. © dpa
Der italienische Nationalkicker Gennaro Gattuso trug bei der WM in Deutschland die ganze Zeit über den gleichen Pullover. Außerdem packte er vor allen Partien ab dem Viertelfinale den Koffer für die Heimreise. Die Rituale waren von Erfolg geprägt, Italien wurde Weltmeister. © dpa
Der Engländer John Terry pflegt eine ganz besondere Beziehung zu seinen Schienbeinschützern. Jahrelang verwendete er immer dieselben. Als er sie nach einem Champions-League-Spiel in Barcelona verlor, war er am Erdboden zerstört. Außerdem setzt er sich im Mannschaftsbus immer auf den gleichen Platz. © dpa
Felix Magath hat während seiner ersten Zeit in Wolfsburg monatelang eine grüne Krawatte getragen. So lange, wie sein Club ungeschlagen war. © dpa
BVB-Verteidiger Neven Subotic trägt zwei Armbänder, die er von seiner bosnischen Oma Milena bekommen hat. Zu seinem Ärger muss er die Bänder vor den Spielen ablegen. Das gebieten DFL-Auflagen. © dpa
Der argentinische Superstar Juan Sebastian Veron wickelte immer eine Bandage um sein rechtes Knie. 1997 hatter er sich an dieser Stelle verletzt und den Verband von da an als Glücksbringer beibehalten. © dpa
1860-Verteidiger Moritz Volz geht vor Spielen regelmäßig in die Küche und backt Kuchen. Und nicht nur einen: „ Drei müssen es schon sein“, hat der Kicker in einem Interview gesagt. © dpa
Der englische Kult-Kicker und Trainer Jack Charlton („Die Giraffe“) wechselte als Spieler immer kurz vor dem Anpfiff die Stollen aus. Nach dem Aufwärmen marschierte er erst in die Kabine, wenn er einen Torschuss erfolgreich abgeschlossen hatte.   © getty
Louis Aragonés hasst die Farbe gelb. Der ehemalige Trainer der spanischen Nationalmannschaft soll während der WM 2006 in Dortmund einen gelben Blumenstrauß zur Begrüßung abgelehnt haben. Einst bat er sogar Mannschaftskapitän Raul, ein gelbes Jersey im Training auszuziehen. © dpa
Jörg Berger (†) wechselte vor seinem Dienstantritt bei der Frankfurter Eintracht im Jahr 1998 die Trainerbank aus. Das Möbelstück seiner Amtsvorgänger Horst Ehrmanntraut und Reinhold Fanz war ihm suspekt.  © dpa
Luca Toni schraubt nach Torerfolgen immer symbolisch an seinem Ohr. Das soll heißen:  „Avete capito“ (Habt Ihr das verstanden/Habt Ihr das gesehen?)! Böse Zungen behaupten hingegen, er würde den Regler seines Hörgerätes zurückdrehen, wenn es im Stadion zu laut wird. © dpa

Allzu spannend dürfte das TV-Vergnügen für Slomka allerdings nicht werden, denn der Coach scheint das Ergebnis bereits zu kennen. „Ich denke, die Bayern werden in Frankfurt nachlegen“, erklärte der 43-Jährige. Doch selbst wenn die Prophezeiung des Trainers stimmen und München am Samstagabend einen Punkt vor Hannover liegen sollte, steht die Kampfansage Slomkas im Fernduell mit den Bayern: „Ich befürchte, wir müssen schon alle ausstehenden Spiele gewinnen, um vor ihnen zu bleiben. Aber wir wollen diese Chance nutzen.“ Wenn die Niedersachsen in den Partien gegen Borussia Mönchengladbach, den VfB Stuttgart und den 1. FC Nürnberg so auftreten wie im Breisgau, dann sind drei Siege machbar.

Vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Freiburger Stadion glänzten die Gäste, die sich in der vergangenen Saison erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt gesichert hatten, einmal mehr mit ihrer gnadenlosen Effektivität. Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw ließ das Slomka-Team in der Defensive - außer beim Gegentreffer des früheren 96-Profis Jan Rosenthal (79.) - so gut wie nichts zu. Und in der Offensive reichten den Niedersachsen, die nach der besten Saison der Klubgeschichte die Teilnahme an der Europa League so gut wie sicher haben, vier Chancen für drei Tore.

Obwohl der gesperrte Torjäger Didier Ya Konan fehlte, sorgten Mohammed Abdellaoue (24.), Jan Schlaudraff (31.) und Konstantin Rausch (58.) dafür, dass Hannover voraussichtlich erstmals seit 19 Jahren wieder auf der internationalen Bühne spielen wird. „Wir haben schon jetzt eine sehr gute Saison gespielt, aber wir wollen mehr“, sagte der frühere Bayern-Profi Schlaudraff, der mit seinen Teamkollegen an drei freien Tagen bis zum Ostermontag Kraft für den Endspurt tanken kann: „Es wird bis zum Ende spannend bleiben. Wir haben jetzt ein bisschen Druck auf die Bayern aufgebaut und möchten selbst die maximale Anzahl an Punkten holen.“ Auch Sportdirektor Jörg Schmadtke peilt drei Siege an. „Wir wollen das Maximum an Punkten einfahren.

Wir brauchen mehr Punkte als die Bayern - das ist klar“, erklärte der früherer Freiburger Torwart. Als Druck auf die Mannschaft will Schmadtke dieses Ziel aber nicht verstanden wissen: „Wenn es am Ende nicht ganz reichen sollte, dann ist es auch nicht ganz so wild.“ Im Gegensatz zu Schmadtke denken Slomka und die Spieler aber gar nicht erst an eine Niederlage im Fernduell mit den Münchnern. „Wir wollen unseren Lauf fortsetzen. Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen nicht vom Druck der Bayern beirren lassen und sie ist auch am Saisonende noch in guter Verfassung, so dass ich sehr zuversichtlich sein kann“, erklärte der Coach. Ähnlich sieht es Torwart-Senkrechtstarter Ron-Robert Zieler. „Es war wichtig, dass wir wieder an den Bayern vorbeigezogen sind und Druck aufgebaut haben. Es wäre natürlich am besten, wenn wir die drei restlichen Spiele gewinnen würden“, ergänzte Zieler, der laut Slomka trotz der Gerüchte um einen möglichen Wechsel „definitiv“ in Hannover bleiben wird.

SID

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