Zwanziger vor Amerell-Verhandlung: "Ergebnis kann uns egal sein"

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DFB-Präsident Theo Zwanziger

Frankfurt/Main - Der Fall Amerell bleibt für den Deutschen Fußball-Bund abgeschlossen, der Verhandlung vor dem Münchner Landgericht sieht DFB-Chef Theo Zwanziger gelassen entgegen.

“Das Ergebnis kann uns egal sein“, sagte Zwanziger am Mittwoch bei einem Mediengespräch in Frankfurt/Main. Von dem Termin habe der Verband aus der Presse erfahren. “Offiziell geladen sind wir nicht“, sagte Zwanziger. Verhandelt wird am 4. März ein Verfügungsantrag gegen den DFB auf zukünftige Unterlassung einzelner Behauptungen, die der Verband in einer Pressemitteilung zum Rücktritt des ehemaligen Schiedsrichter-Funktionärs Manfred Amerell aufgestellt hatte.

Der DFB wird bei dem Termin durch einen Anwalt vertreten sein. Zwanziger sagte die Herausgabe der DFB-Akten auf Weisung des Gerichts zu. Amerell, der die Vorwürfe der sexuellen Belästigung von mindestens einem Schiedsrichter bestreitet, und dessen juristischer Beistand Jürgen Langer hatten keine Einsicht in die Ergebnisse der internen Ermittlungen erhalten.

“Unsere Ermittlungen waren kein Werturteil über Amerell“, betonte Zwanziger. Nach dem Bekanntwerden der Anschuldigungen am 1. Februar habe niemand gewusst, “wer Täter und wer Opfer“ ist. “Es gab dann Hinweise, dass sich die Verbindung nicht nur auf diese beiden Personen beschränkte“, erklärte er. Weitere Schiedsrichter meldeten sich, wie viele es sind, wollte der DFB-Präsident nicht preisgeben. “Wir haben eine Schutzpflicht.“ Amerell habe eine besondere Vorbildfunktion gehabt. “Wer sich auf solche Beziehungen einlässt, ist für diese Aufgabe nicht zu gebrauchen.“

Rückzug war "notwendig und richtig"

“Wir hatten zu entscheiden, ob Amerell nach den Vorwürfen sein Amt weiter ausüben kann“, so der DFB-Chef. Einem abschließenden Urteil des Verbandes nach den Aussagen von Schiedsrichter Michael Kempter und Befragungen von weiteren Unparteiischen hatte sich Amerell mit dem Rücktritt entzogen. Zwanziger erklärte noch einmal, dass Amerells Rückzug “notwendig und richtig“ gewesen sei.

Bestärkt in ihrer Auffassung hat die DFB-Gremien ein Brief des bayerischen Unparteiischen Udo Konstantopoulos, in dem er eine Szene in der Sportschule Duisburg-Wedau aus dem Jahr 2005 beschrieb. “Das deckt sich mit unseren Akten. Diese Schilderung macht deutlich, dass es nicht weiter gehen konnte“, sagte der DFB-Chef.

“Wenn sich Amerell ungerecht behandelt fühlt, dann nicht vom DFB. Sondern von den Menschen, mit denen er zusammen war“, meinte Zwanziger. Juristische Schritte ständen ihm offen. “Dann muss er Strafanzeige wegen Verleumdung oder übler Nachrede stellen.“

Der Präsident lobte Kempter für seinen Mut, an die Öffentlichkeit zu geben. “Ich hatte einen Vorabdruck von einem Zeitungsinterview. Und ich habe mit ihm telefoniert“, berichtete der DFB-Chef, der hofft, dass “Kempter schnell wieder in der Bundesliga pfeift“.

Anfang der kommenden Woche erwartet der DFB ein Gutachten, in der die Affäre rechtlich beurteilt wird. Daraus sollen auch Schlüsse für die zukünftige Arbeit gezogen werden. “Wir müssen Strukturen entwickeln, die enge Bindungen von Beobachter und Schiedsrichter weitgehend unmöglich machen.“ Auch ein sogenannter Ombudsmann wäre eine Möglichkeit. Zwanziger: “Vor allem brauchen wir Transparenz.“

Von Detlef Rehling

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