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Zweitligisten starten Richtung Sonne - Risiko fliegt mit

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Trainingslager
Die Zweitligisten wie Werder Bremen starten teilweise Richtung Sonne. © picture alliance / dpa

Trotz Corona zieht es einige Fußball-Zweitligisten nach Spanien. Trainingscamps in sonnigen südlichen Gefilden locken. Dort wird der Schutz vor der Pandemie groß geschrieben.

Berlin - Die Ziele sind in Corona-Zeiten außergewöhnlich: Viele Zweitligisten wollen Anfang Januar ihre Trainingscamps vor dem Start ins Fußballjahr 2022 unter südlicher Wintersonne aufschlagen.

Andalusien, Alicante, Costa Blanca, Costa del Sol - Hauptsache Spanien. Doch das beliebte Urlaubsland ist derzeit ein Hochrisikogebiet, die Zahl der Neuinfektionen nimmt trotz einer hohen Impfquote von rund 80 Prozent seit Wochen rapide zu.

Deshalb lassen die Vereine auf ihren Dienstreisen höchste Vorsicht walten - schließlich will vor dem Zweitliga-Neustart (19. Spieltag vom 14. bis 16. Januar) keiner erkranken oder in Quarantäne. So hat der Hamburger SV in seinem Hotel einen separaten Speisesaal, bei Werder Bremen soll neben dem Team auch das Hotelpersonal getestet werden. Der SV Sandhausen sagte seine geplante Reise nach Südspanien dagegen kurzfristig wegen der „verschärften Corona-Lage“ ab. Auch der FC Schalke 04 verzichtet auf den Trip ins türkische Belek.

Viele Profis positiv getestet

Spanien hatte im Herbst mit die niedrigsten Corona-Zahlen Europas. Doch die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte zuletzt trotz hoher Impfquote Rekordwerte und lag bei 1086, nachdem Mitte Oktober noch ein Jahrestiefstwert von rund 18 verzeichnet worden war. Die Zahl der Todesfälle ist in Spanien allerdings vergleichsweise gering, die Lage in den Krankenhäusern weitgehend unter Kontrolle.

Das Virus grassiert auch bei den Vereinen: „Covid-Alarm“, titelte die Fachzeitung „AS“ zuletzt. Nach einer Aufzählung des Madrider Blattes wurden nach der Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub bereits mehr als einhundert Profis der ersten Liga und ebenfalls mehr als einhundert Spieler der zweiten Liga positiv getestet.

Für den HSV beginnt das neue Trainingsjahr in Sotogrande: Die Norddeutschen fliegen am 2. Januar ins Hochrisikogebiet und schlagen ihr Camp für knapp eine Woche in einem 20 Quadratkilometer großen Luxusresort in der Provinz Cádiz in Andalusien auf. Dort waren die Inzidenzwerte zuletzt binnen einer Woche von knapp 300 auf rund 900 in die Höhe geschossen.

Konkurrenten im Flieger vereint

Doch die Mission Wiederaufstieg 2022 soll nicht schon im Winter durch Corona in Gefahr geraten. Dafür tut der norddeutsche Club alles: Die Reise beginnt in einem eigenen Charter-Jet. Im Hotel ist für die HSV-Delegation ein spezieller Gebäude-Flügel reserviert - mit eigenem Speisesaal. Die Plätze des „Santa Maria Polo Club“ stehen nur den Hamburgern zur Verfügung, trainiert wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Da die komplette Mannschaft geimpft ist, bleibt einzelnen Profis bei der Rückkehr nach Deutschland eine Quarantäne erspart. Zehn Tage wären sonst verpflichtend bei der Einreise aus dem Hochrisikogebiet. Durch einen negativen Test kann man sie auf fünf Tage verkürzen.

In der Liga sind sie Konkurrenten, im Flieger vereint: Herbstmeister FC St. Pauli und Werder Bremen fliegen am Sonntag gemeinsam per Charter ins Trainingslager nach Alicante. Die Kiezkicker bereiten sich in Benidorm vor. Am 9. Januar geht's auch wieder zusammen zurück. „Da Werder Bremen zur gleichen Zeit wie wir ein Trainingslager unweit von Alicante absolviert, hat sich die gemeinsame Anreise angeboten“, sagte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann. „Ich denke, wir haben damit eine vernünftige und ressourcenschonende Variante gefunden.“

Schalke sagt ab

Werder wird in Murcia trainieren. Dort soll sich die Mannschaft komplett in einer Blase aufhalten. Auch das Personal im Hotel soll getestet werden. Man teilt sich die Unterkunft mit Cercle Brügge, mit den Verantwortlichen sind die Bremer im ständigen Austausch über die Hygiene-Maßnahmen. Der Bundesliga-Absteiger nimmt den Aufwand in Kauf, um dem neuen Coach Ole Werner die Chance zu geben, eine Woche konzentriert mit der Mannschaft arbeiten zu können.

Seit 2018 schlug Fortuna Düsseldorf sein Wintertrainingslager regelmäßig in Marbella auf, doch wie in der vergangenen Saison musste das Camp aufgrund der Pandemie-Lage kurzfristig abgesagt werden. Wie die Fortuna mitteilte, folge der Verein den Empfehlungen aller relevanten, medizinischen Entscheidungsstellen, die aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens von einem Trainingslager abraten. Das Team wird nun ab Montag, 3. Januar, die Vorbereitung in Düsseldorf absolvieren. Der 1. FC Heidenheim residiert hingegen vom 2. bis 9. Januar in Algorfa. Da laut Clubangaben alle Spieler geimpft oder genesen sind, sollen auch alle mitreisen. Nur der langzeitverletzte Stürmer Gianni Mollo (Kreuzbandriss) bleibt daheim.

Erstmals seit 2011 wollte Schalke wieder in Belek zu Gast sein - vier Tage vor dem geplanten Hinflug kam die Absage. Die Entscheidung sei „unter Berücksichtigung der aktuellen Corona-Lage und der sich immer weiter ausbreitenden Omikron-Variante“ getroffen worden, teilte der Revierclub mit. Man bedauere die Absage, sagte Sportdirektor Rouven Schröder. „In den vergangenen Tagen mussten wir allerdings feststellen, dass die Risiken der Reise deutlich zugenommen haben und den möglichen Nutzen übersteigen. Wir müssen unserer Verantwortung gegenüber allen Mitarbeitern gerecht werden.“

Aufsteiger Hansa Rostock will weiter vor dem Winter nach Belek fliehen: Vom 2. bis 9. Januar schlagen die Mecklenburger dort ihr Camp auf. Dagegen bleiben alle bayerischen Clubs „dahoam“ - bis auf ein zweitägiges Teambuilding-Event des FC Ingolstadt in Mittenwald. Auch Hannover 96, Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden bereiten sich lieber zuhause vor. Alle 18 Teams haben Testspiele geplant. dpa

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