Vor Spiel gegen Österreich 

Die große Leere: Deutsche Handballer hadern mit Pleite gegen Kroatien

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Gut gespielt und doch verloren: Die deutschen Spieler Patrick Wiencek (von links), Hendrik Pekeler, Patrick Zieker, Timo Kastening und Fabian Böhm müssen eine bittere Niederlage verdauen.

Bei der Handball-EM musste die Deutsche Nationalmannschaft eine bittere Niederlage gegen Kroatien einstecken. Die Pleite nagt nicht nur an Bundestrainer Christian Prokop. 

  • Die Deutschen Handballer haben bei der Handball-EM knapp gegen die Kroaten verloren. 
  • Die Pleite nagt an Bundestrainer Christian Prokop.
  • Sogar das Spiel um Platz fünf ist in Gefahr.

„Das Spiel hätte auch ein EM-Finale gewesen sein können“, sagte Hendrik Pekeler, der Handball-Nationalspieler vom THW Kiel. Der Stolz über die Vorstellung der eigenen Mannschaft wich aber in Bruchteilen von Sekunden wieder dem Frust. „Das ist einfach nur extrem bitter“, schob Pekeler nach.

Mit einer unnötigen 24:25 (14:11)-Niederlage im zweiten Hauptrundenspiel der Europameisterschaft gegen Kroatien hatten er und seine Teamkameraden kurz zuvor die Chance verspielt, sich im Kampf um einen Halbfinaleinzug zurückzumelden. Sollten die Deutschen heute (20.01.2020) ab 20.30 Uhr (ARD) in der Wiener Stadthalle gegen Gastgeber Österreich verlieren, können sie voraussichtlich sogar das Spiel um Platz fünf am Samstag in Stockholm abschreiben. 

DHB-Vizepräsident: Spieler sollen die Handball-EM erfolgreich zu Ende bringen

„Es ist eminent wichtig, dass wir diese EM jetzt erfolgreich zu Ende bringen“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning am Tag nach dem Handball-Krimi. Die XXL-Euro ist für das Männerteam des Deutschen Handballbundes (DHB) nur eines von mehreren wichtigen Ereignissen in diesem Jahr. Nach der Olympia-Qualifikation im April in der Berliner Max-Schmeling-Halle sollen die Sommerspiele in Tokio einen weiteren Höhepunkt darstellen. 

Am Sonntag war Bundestrainer Christian Prokop allerdings immer noch deutlich anzumerken, wie sehr die Niederlage des Vorabends an ihm nagte: „Die Situation war nach dem Aufstehen heute nicht besser als gestern.“ Bei Kapitän Uwe Gensheimer hörte es sich ähnlich an: „Nach dem Spiel hat es ein bisschen länger gedauert, um zur Ruhe zu kommen.“

Lange Zeit hatte es am Samstag danach ausgesehen, als sollte die deutsche Mannschaft nach dem 31:23 gegen Weißrussland den positiven Trend in der Hauptrunde fortsetzen. Um es ganz deutlich zu sagen: Mit dem hohen Tempo des DHB-Teams kam der Gegner vom Balkan zunächst überhaupt nicht klar. Auch Torwart Andreas Wolff erfüllte alle Erwartungen.

Kreisläufer Johannes Golla soll bei der Handball-EM-Partie gegen Österreich wieder dabei sein

„Wir haben vieles richtig gemacht“, stellte Jannik Kohlbacher fest. Dabei war sein junger Kreisläufer-Kollege Johannes Golla kurzfristig ausgefallen – auf der Fahrt zur Halle hatte der Flensburger über Übelkeit geklagt und wurde vorsorglich zurück ins Hotel gebracht. Gegen die Österreicher soll er heute aber wieder zur Verfügung stehen.

Bis auf 17:12 setzte sich der Europameister von 2016 trotz etlicher Zeitstrafen ab. „Wir geben die Fünf-Tore-Führung leider zu schnell wieder her“, bedauerte Kai Häfner. „Bei mir herrscht Leere im Kopf.“ Der erfahrene Rückraumspieler hatte vor allem an einer Szene sichtlich zu knabbern. In der Schlussphase wollte er seinen sich ihm nähernden Melsunger Kollegen Julius Kühn einsetzen.

 „Es wurde ein Katastrophenpass“, räumte der 30-Jährige ein. Aus diesem Fehlabspiel resultierte das 24:24 der Kroaten durch Domagoj Duvnjak. In der letzten Minute brachte Spielmacher Igor Karacic das Team von Trainerlegende Lino Cervar zum zweiten Mal an diesem Abend in Führung – 25:24. Der Endstand.

Handball-EM: Die kroatischen Fans feierten noch lange in der Halle

„Wir haben viel Charakter gezeigt“, resümierte Kroatiens Kreisläufer Marino Maric von der MT Melsungen. „Es war ein geiles Spiel von beiden Seiten. Die Stimmung in der Halle war überragend“, ergänzte Duvnjak. Die kroatischen Fans waren kaum aus der Halle zu bekommen. Am Eingang zur Osttribüne stimmten sie auch eine Stunde nach der Schlusssirene unentwegt noch Jubelgesänge an. Dagegen hatten sich viele deutsche Zuschauer schon längst in die umliegenden Kneipen zurückgezogen. Sie waren genauso gefrustet wie Pekeler und sein Team.

Deutschlands Handballer werden das EM-Halbfinale wohl verpassen. Der Bundestrainer will die ausstehenden Spiele mit Blick auf die Olympia-Qualifikation nutzen. Ziehen seine Spieler mit?

Allerdings sieht sich der deutsche Handball durch den WDR dem Vorwurf vom Migrationsmangel ausgesetzt. Alice Weidel (AfD) schießt ordentlich dagegen.

Für das spanische Team läuft es viel besser: Der Titelverteidiger ist bei der Handball-EM weiterhin ungeschlagen. Die Iberer führen die Tabelle der Gruppe 1 mit sechs Punkten an. 

Im Video: Fabian Böhm über die Zuschauer in Trondheim

Von Björn Mahr


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