Bundestrainer mehr und mehr in der Kritik

Handball-EM: Christian Prokop in der Analyse - ist er der Falsche?

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Ihm weht viel Gegenwind ins Gesicht: DHB-Trainer Christian Prokop hat zahlreiche Kritiker.

Die DHB-Auswahl überzeugt bei dieser Handball-EM noch nicht. Ist Bundestrainer Christian Prokop etwa der falsche Mann auf dem wichtigen Posten? Eine Analyse.

  • Mit durchwachsenen Leistungen hat sich die DHB-Auswahl für die Hauptrunde der Handball-EM qualifiziert.
  • Die Kritik richtet sich vor allem gegen Bundestrainer Christian Prokop.
  • Der wurde schon mit Jürgen Klopp verglichen.

München - Christian Prokop führte Leipzig 2015 in die Handball-Bundesliga und etablierte das Team mit geringen Möglichkeiten im oberen Tabellendrittel, Jürgen Klopp gelang selbiges 2004 mit den Fußballern des FSV Mainz. Beide gelten als besessene Trainer. Bei Prokop ging die Liebe zum Spiel so weit, dass er als Spieler zur Schonung seines linken Knies von Rechts- auf Linkshänder umschulte.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning verglich seinen oft kritisierten Coach deshalb vor EM-Start mit dem heutigen Liverpool-Coach Klopp. Auch bei ihm habe „auf Anhieb nicht alles funktioniert“, doch er hätte Zeit bekommen und jetzt „greift es“.

Bundestrainer Prokop: DHB zahlte 500.000 Euro Ablöse an Leipzig

Vor dem richtungsweisenden Spiel an diesem Donnerstag gegen Weißrussland (20.30 Uhr, hier im Live-Ticker) muss man aber konstatieren: Beim DHB greift wenig, seit Prokop vor drei Jahren für 500.000 Euro - für Handballverhältnisse eine hohe Summe - aus Leipzig losgeeist wurde. Bei der EM 2018 wurde man nur Neunter. Die Spieler gingen auf Distanz. Es soll sogar zum Trainingsabbruch gekommen sein. Der Verband dementierte dies später.

Bei der Heim-WM erreichte das Team dank des Hauptrunden-Momentums (22:21 gegen Kroatien, 31:30 gegen Spanien) und getragen von den Fans das Halbfinale. Dort war Schluss. Niederlage gegen Norwegen. Danach folgte eine Pleite gegen Frankreich. Medaille verpasst. Rückblickend hat das dennoch gute Ergebnis vielleicht über die fehlende Entwicklung hinweggetäuscht.

Bundestrainer Prokop: Kleine Auslösehandlungen statt Spielzügen

„Wir befinden uns mit Christian auf einem ordentlichen Weg, die Richtung stimmt.“ Auch das sagte Hanning vor ein paar Tagen. Doch während Klopp die Champions League gewann und in England seit über einem Jahr nicht mehr verloren hat, holperte die Prokop-Truppe durch die Vorrunde. Spielzüge sind bisher nicht zu erkennen, maximal kleine Auslösehandlungen. Viele Rückraumspieler wie Häfner, Schmidt, Weber und Drux sind verunsichert. Und auch sogenannte „leichte Tore“ in Form von Tempogegenstößen fallen zu wenig.

Da auch die Torhüter schwächeln und die Abwehr-Hünen Pekeler und Wiencek kein Bollwerk bilden, hat der DHB ein Problem. Dass Prokop erneut auf Finn Lemke, Anführer beim EM-Gold 2016, verzichtet, könnte ihm noch auf die Füße fallen. Natürlich fehlen mit Martin Strobel und Fabian Wiede, nebst fünf weiteren Verletzten, zwei wichtige Spieler. Aber gilt das als Ausrede? Eher nein.

Bundestrainer Prokop: Zu wenig Emotionen - dafür Fettnäpfchen

Mangelnden Einsatz wird man Prokop nie vorwerfen können. Aber er emotionalisiert nicht. Weder die Fans, noch die Mannschaft. Schon gar nicht wie Klopp. Und er tritt in Fettnäpfchen, beispielsweise beim Auftaktspiel, als ihm der Vorname seines Spielers Timo Kastening nicht einfiel. Ist der Trainer also noch der Richtige oder schon der Falsche?

Die nächsten vier Spiele werden es zeigen, denn im August wollte der DHB in Tokio um Olympia-Gold spielen. Hat Bob Hanning im Februar 2017 gesagt und zuletzt bekräftigt.

Keeper Andreas Wolff hat keine Angst vor den Geschossen der gegnerischen Spieler, dafür aber vor Geistern, wie er in einem TV-Interview verriet. Am kriselnden Kapitän Uwe Gensheimer kann sich das Team im Normalfall aufrichten.

Mathias Müller

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