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Weltmeister-Torwart Henning Fritz glaubt an DHB-Team – „Wir brauchen keine Angst zu haben“  

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Von: Thomas Jensen

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Trainer Heiner Brand hält den Handball-Weltmeisterpokal zusammen mit Michael Kraus, Henning Fritz und Kapitän Markus Bauer
Henning Fritz (2.v.r.) wurde 2007 mit Deutschland Handball-Weltmeister. © Franz-Peter Tschauner/dpa

Die Handball-EM steht unmittelbar bevor. Ex-Torwart Henning Fritz spricht im Interview mit unserer Zeitung über die deutschen Chancen und Nachfolger Andreas Wolff.

München – Torwart Henning Fritz gewann 2007 mit Deutschlands Handball-Nationalmannschaft die Heim-WM. Mit unserer Zeitung hat er über die Chancen der DHB-Truppe bei der anstehenden Handball-EM und seinen Nachfolger im Tor, Andreas Wolff, gesprochen.

Herr Fritz, nach dem Testsieg Frankreich – was ist drin bei der EM?

Henning Fritz: Ich bin kein Freund von Prognosen im Vorfeld. Mein Wunsch wäre, dass die Mannschaft sich im Turnier Schritt für Schritt entwickelt und ihre Leistung vor allem in der Abwehr abrufen kann.

Worauf kommt es da an?

Fritz: Abwehr hat nichts mit Talent zu tun, sondern mit Bereitschaft, Leidenschaft und mit Freude am Spiel. Wenn das und das Zusammenspiel mit dem Torwart gut funktioniert, kann man viel kompensieren. Das haben viele erfolgreiche Nationen zuletzt gezeigt.

Hennig Fritz: Neues Abwehr-System beim DHB-Team – „Immer gut, Alternativen zu haben“

Ein Novum ist die 3-2-1-Abwehr, bei der nicht nur um den Kreis verteidigt wird, sondern aggressiver weiter vorne. Was halten Sie von diesem System?

Fritz: Ich halte es immer für gut, Alternativen zu haben. Denn das macht einen für gegnerische Mannschaften schwer ausrechenbar. Ich glaube, dass wenn man hier eine gute Lösung hat und wenn man gute junge Spieler hat, die in einer 3-2-1 eine gewisse Kreativität und Individualität entfalten, dann ist eine gut funktionierende Abwehr sehr schwer zu bespielen. Sie dann in gewissen Spielsituationen punktuell einzubauen, halte ich für eine super Alternative.

Aus Torwartsicht ist es eine ziemliche Herausforderung, da man noch aufmerksamer agieren muss, oder?

Fritz: Gar keine Frage, erfahrene Mannschaften können sehr clever auf solche Abwehrformationen reagieren. Das ist natürlich immer ein Risiko, aber gut - wo ist kein Risiko? Der Vorteil ist, dass viele Würfe eher über die Außenpositionen kommen oder vom Kreis. Das kann wiederum eine Möglichkeit sein, wenn die Torhüter im Moment gute Lösungen dafür haben. Oder wenn der gegnerische Rückraum zu stark ist, kann man die Werfer so aus dem Spiel nehmen und die Torhüter ins Spiel bringen.

Weltmeister-Keeper Fritz: Letzte Spiele haben Selbstbewusstsein von Andreas Wolff gestärkt

Was können wir von Andreas Wolff im Tor erwarten? Nach der überragenden EM 2016 waren seine Leistungen zuletzt schwankend...

Fritz: Auch da sind Prognosen immer schwer. Aber die Rahmenbedingungen würde ich als gegeben sehen. Ich kann mir vorstellen, dass es für ihn keine leichte Situation war, mit zwei erfahrenen und erfolgreichen Torhütern neben sich. Das erhöht natürlich auch den Druck (Johannes Bitter und Silvio Heinevetter sind bei dieser EM nicht im Kader, Anm. d. Red.). Ich glaube, in der internen, aber auch externen Bewertung der Situation sollte klar sein, dass er die Nummer 1 ist. Die beiden letzten Spiele sollten sein Selbstbewusstsein auch noch mal gestärkt haben, damit er mit geschwellter Brust in dieses Turnier gehen kann.

Ist es gut, dass der vermeintlich schwerste Gruppengegner Polen am Ende kommt?

Fritz: Das kann man so interpretieren. Wichtig ist einfach, dass die deutsche Mannschaft ihr Potenzial abruft, vor allem in der Abwehr, dann brauchen wir keine Angst zu haben vor irgendeiner Mannschaft dieser Gruppe. Dafür ist die Qualität der deutschen Mannschaft einfach zu stark. Problematisch wird es immer dann, wenn wir keine Lösungen haben für die Situation und Unsicherheit reinkommt. Dann kann jede europäische Mannschaft einen zum Wackeln bringen. Dass Polen zum Ende kommt, kann von Vorteil sein, wir werden sehen.

 Interview: Thomas Jensen

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