Langer Ausfall von Naidzinavicius

Jetzt erst recht! Handball-Frauen halten trotz Verletzungsdrama an Zielen fest

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Nach ihrer Verletzung konnte Kim Naidzinavicius das Feld nicht mehr auf eigenen Beinen verlassen. 

Die deutschen Handballerinnen sind bei der Heim-WM vom Verletzungspech verfolgt. Die großen Ziele sind angesichts der Verletzung von Kim Naidzinavicius ernsthaft in Gefahr. 

Leipzig - Jetzt erst recht! Am Tag nach dem Verletzungsdrama um Rückraum-Ass Kim Naidzinavicius kehrte die Angriffslust der deutschen Handballerinnen zurück. "Die Zielsetzung bleibt gleich. Das haben wir mannschaftsintern besprochen", sagte Kapitänin Anna Loerper. Sie blickte dabei wild entschlossen.

Handball-Frauen lassen sich nicht ins Boxhorn jagen

Und auch Bundestrainer Michael Biegler dachte trotz des ungeheuren Verletzungspechs bei seinen "Ladies" nicht daran, sich "ins Boxhorn jagen zu lassen. Wir lassen uns nicht entmutigen und werden einen neuen Drive finden. Wir wollen an dem festhalten, wofür wir 20 Monate lang gearbeitet haben." Leichter wird die deutsche Medaillen-Mission bei der Heim-WM nach dem Kreuzbandriss von Naidzinavicius allerdings keinesfalls, die großen Ziele sind ernsthaft in Gefahr.

Kurz vor Mitternacht war Bieglers böse Vorahnung Realität geworden, die Nachricht aus dem Krankenhaus überlagerte die Freude über den lockeren Auftaktsieg gegen Kamerun (28:15). Naidzinavicius, die nach 140 Sekunden des Eröffnungsspiels vom Feld getragen werden musste, wird nach einem verhängnisvollen Zusammenprall über Monate keinen Handball spielen können.

Naidzinavicius Ausfall reißt ein Loch in die Abwehr

"Ich bin tieftraurig, dass die WM für mich so schnell beendet ist", ließ die Rückraumspielerin der SG Bietigheim am Samstag ausrichten: "Jetzt wünsche ich dem gesamten Team alle Kraft, um weiter erfolgreich durch das Turnier gehen zu können." Mittags verließ sie auf Krücken das Mannschafts-Hotel.

Der Ausfall von Naidzinavicius bringt die Tektonik des deutschen Spiels gehörig durcheinander. In der Abwehr war die 26-Jährige gesetzt, ihre leichten Tore werden der deutschen Mannschaft zudem im Angriff fehlen. Und so geriet die Tatsache, dass Bieglers Schützlinge mit einem weiteren Sieg gegen Südkorea schon am Sonntag (20.30 Uhr/Sport1) Kurs auf das Achtelfinale nehmen können, im deutschen Lager am Wochenende ein bisschen zur Nebensache.

Der Ausfall von Naidzinavicius ist bei weitem nicht die einzige personelle Baustelle im deutschen Team. Denn Ausnahmetalent Emily Bölk wird wegen ihrer Fußverletzung voraussichtlich auch das zweite Spiel verpassen, die beiden Rückraumspielerinnen Nadja Mansson (Finger ausgekugelt) und Xenia Smits (Fingerbruch) sind weiterhin angeschlagen. Anne Hubinger hatte nach ihrer schweren Sprunggelenksverletzung schon vor dem Turnier passen müssen.

Nachnominierung für das Südkoreaspiel noch offen

Wen Biegler für das Spiel gegen Südkorea nachnominiert, ließ er am Samstag offen. "Wir müssen jetzt genau abwägen, wer schon wie weit ist", sagte der 56-Jährige. Es gebe taktische Alternativen, "da ist mir nicht bange."

Ungeachtet der Personalsorgen muss sich das Team aber auch sportlich steigern. Linksaußen Angie Geschke und Co. schossen gegen Kamerun etliche Fahrkarten. "Das wird sich bessern. Da bin ich mir sicher", versprach Geschke, die allein vier Großchancen ausließ. Auch Torfrau Clara Woltering blieb entspannt. "Es war doch klar, dass noch nicht alles funktioniert."

Die Verbandsspitze zeigte sich angesichts der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Arena in Leipzig und der zwei Punkte zufrieden mit dem WM-Auftakt. "Das ist ein bisschen wie Weihnachten. Jetzt wird das Geschenk geöffnet", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann dem SID. Die Verletzung von Naidzinavicius sei "bitter", doch von den großen Zielen werde man nicht abrücken. "Das wäre ja albern", sagte Michelmann.

SID

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