Wie Florence Ekpo-Umoh 30 Kilo abnahm und es nach Peking schaffte

"Alle dachten, ich bin fertig!"

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Ein Foto aus dem Jahr 2002 - seitdem hat sich bei Ekpo-Umoh einiges geändert.

Kassel - Das Jahr 2003: Eine positive Dopingprobe stellt das Leben von Florence Ekpo-Umoh (30) auf den Kopf.

Erst läuft ihr Mann und Trainer weg, dann machen sich Verein und Sponsoren aus dem Staub. Der Grund: In einer Urinprobe wird Stanozolol gefunden, ein anaboles Steroid. Florence wird gesperrt, obwohl sie beteuert, dass die Urinproben vertauscht wurden. Sie bietet einen DNA-Test an, um zu beweisen, dass die positive Probe nicht von ihr stammt. Umsonst, das Sportgericht lehnt ab. Zu viele Doper haben diese Ausrede schon benutzt, zu viel spricht gegen sie.

Ohne Arbeit, ohne Geld stolpert die 400-m-Läuferin aus Kassel in das tiefe schwarze Loch des Lebens und geht darin unter. Doch dann begann das, was Florence ihr Olympiamärchen nennt und das ein unglaubliches Ende fand: Am Wochenende wurde die gebürtige Nigerianerin deutsche Vizemeisterin (52,32 Sekunden) und qualifizierte sich für die Olympia-Staffel. Und das als zweifache Mutter und nach 5 Jahren Wettkampfpause!

„Ich bin durch die Hölle gegangen, habe mich mit Jobs im Supermarkt und Call Centern über Wasser gehalten, von Arbeitslosengeld gelebt. Alle dachten, die ist fertig“, erzählt Florence, die 2002 mit der Staffel Europameisterin und 2001 Vizeweltmeisterin war.

Mit dem richtigen Leben kam sie nicht zurecht. „Ich brachte 2005 Holly und 2006 Jotham zur Welt. Und weil mein Freund Alexander in England arbeitet, bin ich mit unseren Kindern die meiste Zeit allein.“

Ihr Ehrgeiz, ihre Liebe zum Sport und die Angst vor dem totalen Absturz trieb sie an. „Nur: Ich war inzwischen fett geworden, wog 86 Kilo. Aber ich wollte unbedingt nach Peking und schrieb mir diesen Satz an die Tür meines Schlafzimmers.“

Da lag sie nun in ihrem Bett und träumte. Und war von Olympia ganz weit weg. Florence wollte, dass ihr Traum wahr wird. Im Internet suchte sie nach Trainern. Den einzigen Namen den sie noch kannte, war der von Ex-Bundestrainer Eberhard König in Erfurt. Florence lacht: „Ich rief ihn an und sagte: ‚Hallo Coach. Ich bin sehr, sehr dick. Wiege fast 90 Kilo, habe zwei Kinder – aber ich will zu Olympia.‘ Er sagte zu – aber guckte ziemlich doof und fiel fast in Ohnmacht, als er mich dann mit geborgter Jogginghose und dickem Po sah.“

Seit diesem Tag vor 1 ½ Jahren faxt König Florence die Trainingspläne nach Kassel und mit eiserner Disziplin („nur durchs Laufen, ohne Diät“) wurde aus der Hausfrau wieder eine Athletin.

Respekt und Anerkennung gab’s auch vom DLV. „Der Verband hat jetzt einen Brief an die Botschaft geschrieben, dass meine Mutter Esther für ein Jahr aus Nigeria nach Deutschland kommen darf, für die Betreuung meiner Kinder.“ Die wird sie nun auch im August übernehmen. Wenn Florence in Peking ist.

Quelle: tz

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