"Da packt einen die kalte Wut!"

ARD und ZDF erwägen Rad-Ausstieg

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Mit dem Doping-Fall Stefan Schumacher ist der Radsport endgültig am Boden.

Hamburg - Der Dopingfall Stefan Schumacher könnte das Ende für den Radsport in Deutschland bedeuten – zumindest für den im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Denn ARD und ZDF erwägen einen Ausstieg aus der Radsport-Übertragung. „Da packt einen die kalte Wut, wenn man sieht, wie solche Betrüger den Radsport kaputt machen“, sagte der stellvertretende ARD-Sprecher Christian Bauer. Und ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender betonte: „Alle Konsequenzen – auch ein Ausstieg – sind möglich.“ Anfang des nächsten Jahres wolle man beim Zweiten eine Entscheidung fällen. Fraglich ist auch, wie es mit der Bayerntour im TV im nächsten Jahr weitergeht. Man habe die Übertragung schon eingekürzt, so BR-Sportchef Werner Rabe. Daraufhin hätten sich die Etappenorte beklagt: Warum habt ihr uns bestraft? „Aber wer betrügt sie denn?“, so Rabe zur tz. „Das sind nicht wir!“

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Schumacher unter Doping-Verdacht - A-Probe positiv

Auch das Rennen um den Henninger Turm geht schweren Zeiten entgegen. „Ich fürchte, das ist das Aus für das Henninger Rennen“, sagte Sylvia Schenk, Ex-Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer. Eurosport hingegen, so eine Sprecherin, will auch künftig vom Radsport berichten.

Für DOSB-Generalsekretär Michael Vesper jedenfalls steht fest, dass der Radsport „Selbstmord“ betreibe. Er sei „erschüttert und unsagbar sauer“. Laut Vesper muss Schumacher die Kosten für seinen Olympia-Trip (eine hohe vierstellige Summe) möglicherweise selbst bezahlen. Das Thema Olympia könnte sich für den Radsport bald erledigt haben. „Wir müssen uns fragen, ob es nicht an der Zeit ist, dem Radsport eine olympische Denkpause zu verordnen“, sagte IOC-Vize Thomas Bach der FAZ. Und Peter Danckert, Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, fordert einen Stopp der Fördergelder für den BDR: „Der Radsport ist nicht bereit, seine Strukturen zu ändern und noch strikter gegen Doping vorzugehen.“

Unterdessen wollte die Französische Anti-Doping-Agentur AFLD nur bestätigen, dass es zwei weitere positive Epo-Dopingfälle bei der Tour gegeben habe. Den Namen Schumacher nannte Sprecher Enrico Carpani nicht: Man müsse erst noch die B-Probe abwarten. Den Namen Leonardo Piepoli bestätigte die AFLD allerdings.

Und was sagt das Schumacher-Lager? „Das ist eine Scheißsache“, so sein Anwalt Michael Lehner. „Wir können jetzt noch kein Statement abgeben. Soweit ich weiß, sind die Unterlagen aus Frankreich unterwegs.“

Fakt ist, dass sich um Schumacher viele Verdächtigungen ranken. Dreimal war er schon mit verdächtigen Werten aufgefallen, Glück (und/oder Ausreden?) retteten ihn jedes Mal vor einer Sperre. „Schumi, wir hätten da noch ein paar Fragen“, titelte die tz deshalb auch nach seinem Etappensieg und der Übernahme des gelben Trikots. Und Sebastian Lang, Schumachers Teamkollege bei Gerolsteiner, enthüllte in der Thüringer Allgemeinen: „Als bekannt wurde, dass es ein neues Testverfahren auf CERA gibt, haben wir uns alle gefreut. Wir saßen im Bus und haben richtig gejubelt. Das ganze Team, außer Stefan. Er war plötzlich ganz still.“

Unterdessen hat der geständige Dopingsünder Patrik Sinkewitz Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, der Schumacher suspendiert hat und ihn zivilrechtlich verklagen will, scharf attackiert. „So eine Betriebsblindheit an den Tag zu legen, ist aus meiner Sicht noch unglaubwürdiger und noch viel schlimmer als das Doping an sich“, sagte er im HR. Nach wie vor zähle der Erfolg, „und da ist jedes Mittel recht, so lange man nicht erwischt wird“.

Quelle: tz

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