Armstrong geht zum Gegenangriff über

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Für Lance Armstrong (re.) und Johan Bruyneel wird es eng.

Austin - Lance Armstrong wehrt sich und plant rechtliche Schritte gegen die US-Anti-Doping-Agentur USADA. Das Schreiben der USADA an Armstrong, Johan Bruyneel und vier weitere Vertraute sei intransparent.

Der in die Enge getriebene siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong geht zum Gegenangriff über. Nach der Dopinganklage der US-Anti-Doping-Agentur USADA bringt der 40-Jährige seine Anwälte in Stellung und erwägt rechtliche Schritte. In einem Schreiben an die USADA fordert Armstrongs-Verteidiger Robert Luskin die klare Benennung der Zeugen, die den ehemaligen Radprofi mit ihren Aussagen in Bedrängnis gebracht haben.

„Wir können die Rechte von Herrn Armstrong nicht schützen, wenn wir nicht wissen, wer was gesagt hat und welche vermeintlichen Ereignisse über die Dauer von eineinhalb Jahrzehnten vorgefallen sind. Sogar in diesem frühen Stadium ist es unverschämt, sich bei solch bewusst vagen Anschuldigungen auf geheime Zeugen zu stützen“, schrieb der Star-Anwalt. Die USADA verweigert die Veröffentlichung der Namen der Zeugen zu diesem Zeitpunkt der Untersuchungen, um diese vor dem Versuch der Einflussnahme zu schützen.

Der Tour-de-France-Rekordgewinner, dem neben einer lebenslangen Sperre auch die Aberkennung seiner Titel droht, meint, die Vorgehensweise der USADA, den Zeugen selbst Immunität bei gestandenem Dopingmissbrauch zu garantieren, sei ihm gegenüber eine Vorverurteilung. „Ich wäge alle meine Optionen ab, das beschränkt sich nicht nur auf die USADA. Ich denke, es sind einige Fragen zu beantworten“, sagte Armstrong.

Die USADA hatte Armstrong formal des Blutdopings angeklagt, ihm Handel und die Anweisung zum Gebrauch von Doping vorgeworfen und umgehend gesperrt. Mehr als zehn namentlich nicht genannte Fahrer und Teamangestellte der früheren Armstrong-Teams hatten dazu ausgesagt. Das geht aus einem 15-seitigen Schreiben der USADA an Armstrong und fünf enge Vertraute, darunter Johan Bruyneel, Armstrongs Teamchef bei allen Tour-Erfolgen und derzeit Manager bei RadioShack-Nissan, hervor.

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

1989: Greg LeMond (USA, auf dem ersten Platz stehend) © Getty Images
1990: Greg LeMond (USA) © Getty Images
1991: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1992: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1993: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1994: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1995: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1996: Bjarne Riis (Dänemark) Riis gab später zu, gedopt zu haben . Die Disqualifikation ist nicht möglich, da die Verwendung von Doping nach acht Jahren verjährt. Die Organisatoren der Tour de France hatte Riis zunächst aus ihrer Siegerliste gestrichen. Mittlerweile wird er dort wieder geführt. © Getty Images
1997: Jan Ullrich (Deutschland) © Getty Images
1998: Marco Pantani (Italien) © Getty Images
1999: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2000: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2001: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2002: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2003: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2004: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2005: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2006: Floyd Landis (USA). Landis wurde aber am 21. September 2007 der Titel aberkannt. Er war positiv auf Testosteron getestet worden. © Getty Images
Dafür wurde Oscar Pereiro nachträglich zum Gewinner der Tour de France 2006 erklärt. © Getty Images
2007: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2008: Carlos Sastre (Spanien) © Getty Images
2009: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2010: Alberto Contador (Spanien) © dpa
2011: Cadel Evans (Australien) © ap
2012: Bradley Wiggins (Großbritannien) © ap

Bruyneel droht gut zwei Wochen vor Beginn der Tour de France (30. Juni bis 22. Juli) unter Umständen das Aus. Der 47-Jährige, der bereits seit langer Zeit als umstritten gilt, hat sich zur Sache bisher nicht geäußert. Ob auch die Tour-Teilnahme des gesamten Rennstalls gefährdet ist, in dem auch die Deutschen Jens Voigt, Andreas Klöden und Linus Gerdemann fahren, ist derzeit ungewiss.

Auch wenn Armstrong, den schon lange Anschuldigungen begleiten, sich wieder einmal als Opfer stilisiert und vom einem „Rachefeldzug“ spricht, bewerten US-Medien die Dopinganklage dennoch als bislang „ernsthafteste Bedrohung“, da könne Armstrong sich noch so sehr beklagen. „Die USADA verliert ihre Fälle fast nie“, schrieb die Washington Post und USA Today ergänzte: „Sie machen nur ihren Job. Das ist der richtige Ort, um herauszufinden, ob eine der größten Ikonen des US-Sports in Wahrheit ein Betrüger ist.“

Ins Zwielicht gerät zudem der Radsportweltverband UCI, denn aus dem Schreiben der USADA geht auch hervor, dass eine Urinprobe aus der Tour de Suisse 2001 Armstrong des Epo-Dopings überführt habe. Mitarbeiter der USADA hätten dazu Dr. Martial Saugy interviewt, den Direktor des Anti-Doping-Labors in Lausanne. Nicht nur Saugy habe von der positiven Probe gesprochen, sondern laut der Zeugen habe Armstrong selbst von einem positiven Test in 2001 gesprochen. Dieses Testergebnis sei aber vertuscht worden.

SID

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