Australian-Open-Halbfinale gegen Thiem

Hat Alexander Zverev das Zeug zum deutschen Tennis-Helden?

Schafft er in Australien den Einzug ins Finale? Tennis-Star Alexander Zverev.
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Schafft er in Australien den Einzug ins Finale? Tennis-Star Alexander Zverev.

Bei seinen Auftritten in den Stadien der Welt brandet Alexander Zverev meist Begeisterung entgegen. National sind Zverevs Sympathiewerte überschaubar. Hat er das Zeug, dies zu ändern?

  • Im Halbfinale bei dern Australian Open kämpft Alexander Zverev gegen Dominic Thiem.
  • Mit seinem Engagement für die Brandopfer hat sich Zverev in Australien viele Freunde gemacht.
  • Reift der 22-Jährige auch für seine deutschen Fans zum Tennis-Helden?

München - Als Boris Becker in Melbourne 1996 als letzter Deutscher einen Grand-Slam-Titel gewann, war Alexander Zverev noch nicht geboren. In den vergangenen 24 Jahren scheiterten Rainer Schüttler im Finale und Tommy Haas und Nicolas Kiefer im Halbfinale. Zverevs Duell gegen den 26-jährigen Österreicher Dominic Thiem (9.30 Uhr, Eurosport) hat alleine durch die Statistik eine historische Tragweite. Der Sieger kann im Finale gegen Federer-Bezwinger Novak Djokovic Geschichte schreiben. Auch Tennis Austria wartet seit Thomas Musters French-Open-Sieg 1995 auf einen neuen Filzkugel-Heroen.

Alexander Zverev hat Ecken und Kanten

Aber wäre Zverev als Champion ein deutscher Held? Bei seinen Auftritten in den großen Stadien der Welt brandet dem 22-Jährigen meist Applaus und Begeisterung entgegen. So auch nach seinem Viertelfinalerfolg über Stan Wawrinka oder bei seiner Südamerika-Tour mit Roger Federer, der sich nach unflätigem Verhalten in der Jugend im Laufe seiner Karriere zum globalen Helden erhob. National sind Zverevs Sympathiewerte überschaubar. Das liegt an den kritischen Medien und an Zverev selbst, der seit seinem ersten ATP-Toursieg 2016 durch zickiges Auftreten immer wieder Angriffspunkte liefert(e). Immerhin: Er ist kein belangloser Charakter, er hat Ecken und Kanten, an denen man sich reiben kann.

Dass der gebürtige Hamburger auch anders kann, bewies er vor Turnierstart. Zverev versprach pro Sieg 10.000 Dollar für Australiens Brandopfer zu spenden, im Triumph-Fall sogar das Gesamtpreisgeld von 2,55 Millionen Euro. Nach seinem Saisonstart mit drei derben Niederlagen und 31 Doppelfehlern in 31 Aufschlagspielen war davon nicht auszugehen, aber Zverev bekräftigte sein Versprechen am Mittwoch. Seine Eltern hätten ihm gelehrt, dass „Geld die Welt verändern kann“, und es gebe hier in Aus­tralien viele Menschen, die es wirklich nötiger hätten als er.

„In Deutschland ist Steffi die Beste aller Zeiten und Becker eine Legende“

Damit wäre er rein per Definition ein Held. Denn wer durch „eine außeralltägliche Leistung auf körperliche oder geistige Art (z. B. Tugendhaftigkeit)“ hervorsticht, hat das Prädikat verdient. Theoretisch kann Zverev, der aktuell „sein bestes Tennis spielt“, das auch sportlich erreichen, selbst wenn die Direktvergleiche mit Thiem (2:6) und Djokovic (2:3) gegen ihn sprechen.

Ob ihm Deutschland, das er trotz seines Steuervorteil-Wohnortes Monte Carlo und rund 300 Reisetagen pro Jahr stets als Heimat bezeichnet, zu Füßen liegen würde? Zverev hofft es. „In Deutschland ist Steffi (Graf) die Beste aller Zeiten und Becker eine Legende“, sagte er einmal dem Stern. „Ich habe noch kein Grand-Slam-Turnier gewinnen können. Das macht mich nicht interessant genug.“

Im Halbfinale der Australian Open kam zum Duell der Giganten. Roger Federer traf auf Novak Djokovic.

Mathias Müller

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