Nach Kreuzbandriss in der Reha

tz besucht Nguyen: "Volle Belastung? In 10 Monaten"

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Marcel Nguyen ­absolviert ­mittlerweile ­wieder Übungen zur Kräftigung und Stabilisation.

Unterhaching - Kreuzbandriss, Meniskuseinriss und Knorpelschaden – die Diagnose war für Marcel Nguyen ein Schock. Drei Monate später hat die tz Nguyen bei seiner Reha bei Consports in Unterhaching besucht.

Nguyen mit tz-Reporter ­Maximilian Schmeckel.

Er schlug ein wie eine Rakete! 2012 turnte sich Marcel Nguyen (27) bei Olympia in London mit zwei Silbermedaillen in die Herzen der Zuschauer. Silber im Mehrkampf bedeutete die erste Einzel-Mehrkampf-Medaille für Deutschland seit 76 Jahren. Die WM 2014 im chinesischen Nanning sollte die nächste Sternstunde für den Unterhachinger werden. Im September 2014 der Schock: Nach einer Übung an den Ringen landete Nguyen unglücklich. Die niederschmetternde Diagnose: Kreuzbandriss, Meniskuseinriss und Knorpelschaden – monatelange Pause und das WM-Aus! Drei Monate später hat die tz Nguyen bei seiner Reha bei Consports in Unterhaching besucht.

Herr Nguyen, wie geht’s?

Nguyen: Die Reha läuft super, wir sind genau im Zeitplan. Es ist noch ein langer Weg, aber in zehn Monaten will ich wieder voll belastbar sein.

Sie wohnen nach sieben Jahren in Stuttgart wieder in München und haben ein BWL-Studium begonnen.

Nguyen: Ich bin hier geboren und fühle mich sehr wohl. Daher mache ich die Reha auch hier, wo ich viele Freunde habe. Mein Verein ist aber der MTV Stuttgart, wo auch mein Trainer Valeri Belenki lebt. Ich bin trotz der Reha etwa einmal pro Woche in Stuttgart. BWL hat mich schon länger interessiert – jetzt habe ich erstmals Zeit dafür. Mal sehen, wie es damit weitergeht, wenn ich fit bin.

Wie intensiv ist der Kontakt zu Andreas Hirsch, dem Bundestrainer?

Nguyen: Er erkundigt sich häufig. Wir telefonieren. Klar, er will ja wissen wie es vorangeht. Auch mit Fabian (Hambüchen, Red.) und Philipp (Boy, Red.) stehe ich in Kontakt.

Sie wurden mit Fabian Hambüchen und Philipp Boy zur Hoffnung des Turnsports. Ist die Zeit der „goldenen Generation“ vorbei, nachdem Boy seinen Rücktritt bekannt gegeben hat und Sie fast ein Jahr fehlen?

Nguyen: Natürlich ist es jetzt schwierig. Wir drei waren aufeinander abgestimmt. Aber wir haben in Deutschland Talente, die nachkommen, wie Lukas Dauser. Ich bin mir sicher, dass wir bei der WM 2015, die mein Ziel ist, wieder stark genug für Bronze sein werden.

Sie waren 2010 schon schwerer verletzt (Wadenbeinbruch). Wie schwierig ist es vom Kopf her, wieder auf Weltklasse-Niveau zu kommen?

Nguyen: Der Kopf spielt eine Rolle, aber in diesem Fall ist die Verletzung bei einer Bewegung passiert, die ich unzählige Male im Training mache. Das war einfach nur Pech. Ich werde also im Kopf sehr frei sein, wenn ich wieder fit bin.

Sie sind 27. Welche Ziele haben Sie noch in Ihrer Karriere?

Nguyen: Die WM in Glasgow 2015 ist das erklärte Ziel, auf das auch die Reha abgestimmt ist. Das große Ziel ist aber Olympia 2016 in Rio de Janeiro. Meine Silbermedaille am Barren 2012 war das Größte bisher. Das wiederholen zu können oder gar noch mehr zu erreichen, ist mein Traum.

Durch die Erfolge von Ihnen, Hambüchen und Boy boomt Turnen. Was finden Sie daran so faszinierend?

Nguyen: Turnen entwickelt sich ständig. Außerdem steckt im Turnen sehr viel von anderen Sportarten. Schnelligkeit, Kraft, Koordination – das alles ist Voraussetzung bei fast jedem Sport. Es ist ein cooler Sport.

Und ein Sport, der extrem zeitaufwendig ist. Bleibt da noch Zeit für Freunde und Hobbys?

Nguyen: Klar, aber so ist das nun mal als Leistungssportler (lacht). Nimmt man die Reisen hinzu, bleibt sogar noch weniger Zeit. Aber irgendwie schaffe ich es immer.

Fußballer spielen gerne Playstation an der Konsole. Sie auch?

Nguyen: Ich treffe lieber Freunde, gehe ins Kino oder kicke mit meinen Kumpels.

Sie mögen Fußball?

Nguyen: Schon, die WM-Spiele habe ich alle gesehen. Ich bin aber kein Fan von einem Verein. Wenn ich einen nehmen müsste, wäre das aber der FC Bayern.

Zum Schluss noch eine Frage zum Tattoo auf Ihrer Brust: „Pain is temporary – pride is forever“ steht dort. Ihr Motto?

Nguyen: Schon irgendwie, es stimmt einfach. Das merke ich jetzt gerade wieder. Trotz meiner Verletzung kann mir meine Erfolge niemand mehr nehmen!

Interview: Maxi Schmeckel

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