Nach Djokovics Triumph in Wimbledon

Becker: „Innerlich kocht und brodelt es“

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Haben gut Lachen; Boris Becker und Jelena Djokovic.

München - Boris Becker (47) gewann drei Wimbledon-Titel, sein Schützling Novak Djokovic hat am Sonntag mit ihm gleichgezogen. Becker spricht in der tz über Wimbledon, Kritik und die zukünftigen Ziele mit Djokovic. 

Herr Becker, wie blicken Sie auf Wimbledon zurück?

Becker: Es sind bewegende Tage gewesen, mit einem ganz großen Glücksgefühl am Ende. Dass Novak diesen Sieg 30 Jahre nach meinem ersten Titel holt, ist fast filmreif. Was da passiert, ist wie ein Traum. Es wirkt alles auf mich wie Schicksal: Wimbledon hat wohl immer etwas Besonderes mit mir vor.

Dabei war die Skepsis am Anfang groß, diese Zweifel am Trainer Becker.

Becker: Ich war schlicht überrascht, dass man meine Tenniskenntnisse infrage stellte. Wenn ich eins kann, dann doch Tennis verstehen, analysieren und erklären. Aber das ist immer so in meinem Leben gewesen: Ich werde gern skeptisch betrachtet, infrage gestellt.

Spüren Sie für sich Genugtuung nach so einem Triumph?

Becker: Ich bin keiner, der herumläuft und denkt: Jetzt habe ich es allen gezeigt. Kritik stachelt meinen Ehrgeiz an, ist eher Motivation für mich, macht mich besser. Aber es ist ganz wichtig zu betonen: Diese Arbeit fruchtet nur in einer hervorragenden Mannschaft, und die hat Novak Djokovic. Ich bin da ganz Team­player.

Sie haben im Finale auf der Tribüne extrem mitgelitten.

Becker: In so einem Match erlebst du eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Es ist eine extreme Anspannung. Aber du musst trotzdem in wichtigen Momenten ein Pokerface aufsetzen, darfst deinen Mann nicht beunruhigen. Aber innerlich kocht und brodelt alles. Es ist schlimm, auf der Tribüne zu sitzen. Aber ich möchte auch nicht mehr tauschen mit Novak oder Roger, ich habe genug große Kämpfe da draußen mit durchgemacht.

Der dramatischste Moment des Spiels waren sieben vergebene Satzbälle von Djokovic im zweiten Durchgang. Nichts für schwache Nerven – oder?

Becker: Diese Minuten gehörten zu den aufregendsten, die ich als Trainer und Spieler miterlebt habe. Da war alles drin zwischen Himmel und Hölle. Aber ich kann mich nur verneigen vor Novak: Wie er das weggesteckt hat, dieses Drama, das war ein Bravourstück. Einer Nummer 1 der Welt würdig. Denn man muss immer sehen: Auf der anderen Seite steht der erfolgreichste Grand-Slam-Spieler aller Zeiten. Einer, der mit fast 34 noch für alle Titel gut ist.

Was kann Djokovic jetzt noch schaffen in seiner Karriere?

Becker: Er ist gerade 28 geworden, also im besten Alter als Profi. Es gibt keinen Grund, warum er die Lust verlieren sollte. Im Gegenteil: Solche Tage wie in Wimbledon stacheln dich an. Einfach, weil dieser Sieg ein so sagenhaft gutes Gefühl bedeutet. Aber die Gegner schlafen nicht. Federer ist mit 34 noch in unglaublicher Form, Wawrinka spielt sich mit 30 auf ein anderes Level. Murray ist gut drauf, Nadal wird stark zurückkommen.

Bleibt als letztes großes Ziel für Djokovic der Sieg in Paris?

Becker: Nein, wir wollen am liebsten alles gewinnen, jedes Spiel, jedes Turnier. So gehen wir in diese Aufgaben hinein. Paris ist nicht ständig in unserem Hirn drin. Wenn man am Ende seiner Karriere abrechnet und die French Open nicht gewonnen hat, dann wäre es ein Problem. Aber bis dahin ist noch viel Zeit.

tz

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