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Boris Becker in neuem Gefängnis: Zelle ist „wie ein Einzelzimmer in einem billigen Hotel“

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Von: Michael Haug

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Boris Becker wurde vom Wandsworth- ins Huntercombe-Gefängnis, 80 Autominuten nordwestlich von London, verlegt. Was ändert sich für die Tennis-Legende?

Nuffield - Nach nur drei Wochen darf Boris Becker das berüchtigte Wandsworth-Gefängnis verlassen! Im Londoner Horrorknast konnte die deutsche Tennis-Legende die spärlich ausgestattete Zelle nur eine Stunde am Tag verlassen. Wandsworth ist bekannt für schlechte Hygiene, ekliges Essen und wenig Freiheiten. Nun ändert sich der Tagesablauf ein wenig. Becker wurde ins Huntercombe-Gefängnis im County Oxfordshire verlegt. Was bedeutet das konkret?

Boris Becker: Wie ist sein neues Gefängnis einzuordnen?

Huntercombe ist ein ehemaliger Jugendknast, gegenwärtig sind aber etwa 480 ausländische Erwachsene dort inhaftiert, alle wurden wegen leichter Kriminalität verurteilt. Das bestätigte Beckers Anwalt Oliver Moser der Bild-Zeitung. Das Gefängnis wird in Kategorie C geführt. Zur Einordnung: Kategorie A ist für Schwerverbrecher und beinhaltet die maximalen Sicherheitsstandards, in Kategorie D ist teilweise sogar Freigang erlaubt.

Beckers neuer Knast: „Wie ein billiges Hotel“

„Die Zellen muss man sich vorstellen wie ein Einzelzimmer in einem billigen Hotel - mit einer Waschgelegenheit, Toilette und einem Fenster, das nicht vergittert ist, sich sogar öffnen lässt“, berichtet Ulrich Oppold von RTL. Dadurch sei die Luft wesentlich besser als in Wandsworth. Becker könne zudem viel Sport machen und unbegrenzt Anrufe tätigen.

Das Huntercombe-Gefängnis dient zur Resozialisierung der Häftlinge.
Das Huntercombe-Gefängnis dient zur Resozialisierung der Häftlinge. © BCA (College)/Twitter

Noch befindet sich Becker im Flügel für Neuankömmlinge, Beckers Anwalt Giles Bark-Jones geht von einer Verlegung in eine eigene Zelle nach einer Woche aus. Spätestens dann dürften auch Besuche erlaubt sein - seine Mutter Elvira wartet sehnsüchtig darauf, ihren Sohn wiederzusehen.

Auf der Webseite des Gefängnisses ist zudem von diversen Weiterbildungsmöglichkeiten die Rede. Auch Maler- und Maurerkurse werden angeboten. Als „Luxusgefängnis“ sei Huntercombe dennoch nicht zu sehen, meint Rechtsexperte Paul Vogel. Im Interview mit bunte.de ordnet er ein, dass sich die Haftbedingungen auf der Insel mitunter sehr von denen in Deutschland unterscheiden. Trotzdem sei Huntercombe eine „deutliche Verbesserung gegenüber Wandsworth.“

Huntercombe-Gefängnis: Sportangebote, Kuchenverkauf, Poesie-Wettbewerb

Das Gefängnis besitzt eine Sporthalle, Kunstrasenplätze und einen Fitnessraum. Es darf Medienberichten zufolge täglich Sport gemacht werden. Zudem gibt es besondere Aktionen, vor kurzem zum Beispiel einen Poesie-Wettbewerb. Die Insassen können Malkurse besuchen, ihre Kunstwerke werden in den Gängen ausgehängt. Manche gewinnen den Koestler Award, einen Preis der seit 1962 jährlich für die Kunstwerke von Häftlingen vergeben wird. Die Gemälde werden bei Ausstellungen verkauft.

Huntercombe teilt einige Aktionen auf Twitter. Im vergangenen Jahr gab es einen Kuchenverkauf, die Einnahmen wurden für einen guten Zweck gespendet. Auch ein Film- und Interviewkurs wurde angeboten, die Teilnehmer erstellten letztendlich Kurzfilme für den eigenen TV-Sender der Haftanstalt. Zudem gibt es eine Bibliothek im Gebäude.

Einige Berichte über Beckers Verhalten im Wandsworth-Gefängnis entsprechen offenbar nicht der Wahrheit. Beckers Anwalt räumte mit den Spekulationen in einem TV-Interview auf.

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