Djokovic-Trainer im tz-Interview

Boris Becker: "Am Beckerhecht muss er feilen!"

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Boris Becker im Gespräch mit seinem Schützling Novak Djokovic.

München - Der spielfreie Sonntag von Wimbledon – ein Tag, um zur Ruhe zu kommen? Von wegen, sagt Boris Becker. Zumindest in seinem neuen Job habe er für Muße keine Zeit. Das Interview mit dem Trainer von Novak Djokovic.

Herr Becker, wie fällt Ihr sportliches Fazit nach der ersten Woche aus, zur Woche Ihres Schützlings Novak Djokovic?

Becker: Wir sind in der zweiten Woche, und nur das zählt. Ich bin froh, dass der Sturz von Novak glimpflich ausging. Da hätte das Turnier in einer Sekunde vorbei sein können. Wir müssen offenbar noch am Beckerhecht feilen, und zwar so, dass er richtig fällt und sich abrollt.

Djokovic wartet seit einiger Zeit auf einen weiteren Grand-Slam-Titel. Merkt man, dass er sich noch mehr unter Druck setzt?

Becker: Solch ein „Pro­blem“ wie Novak möchten viele Spieler haben. Ein Grand-Slam-Finale zu erreichen, ist eine unglaubliche Leistung, die mit vielen Anstrengungen verbunden ist. Das ist der Höhepunkt für 99 Prozent der Spieler. Novak hat aber eine Klasse erreicht, bei der er mit einem Halbfinale oder Finale nicht mehr zufrieden ist.

Viel wird darüber geredet, dass Wimbledon anders ist als die anderen Grand Slams.Was genau muss ein Spieler in Wimbledon anders machen?

Boris Becker zeigt das Original, den echten Beckerhecht von 1985.

Becker: Es wird im gesamten Jahr nicht auf Rasen gespielt, außer in dieser kurzen Zeitspanne. Hier muss man mehr Gewinnpunkte erzielen, auf Sand versucht man, Fehler zu vermeiden. Die Einstellung, mit der man in ein Spiel geht, ist genau umgekehrt. Hinzu kommen die Regeln und die Traditionen von Wimbledon. Man muss sich auskennen und die richtigen Menschen kennen. Da Novak und ich Mitglied im Club sind, hat das Vorteile für uns. Hinzu kommt, dass man sich im Vorfeld den Centre Court nicht angewöhnen kann, weil man sich nicht darauf einspielen darf. Das ist etwas Einmaliges.

Wer hat Sie bislang am meisten beeindruckt?

Novak Djokovic bei seinem Sturz in der dritten Runde.

Becker: Ich finde die Form von Murray bemerkenswert, wenn man beachtet, dass er ein Jahr kein Turnier gewonnen hat, der größte Druck von allen auf ihm lastet und dazu noch ein Trainerwechsel hinzugekommen ist. Das alles muss man erst einmal verarbeiten. Das hat er sehr gut gemacht. Die Form von Federer im ganzen Jahr ist stark. Er hat von allen Spielern das natürlichste Spiel für Rasen. Seine Formschwäche ist überwunden. Nadal hat der Sieg in Paris auf Wolke sieben gehoben. Er hat keinen Druck mehr.

Wimbledon ist auch der Ort, an dem Sie leben. Was macht für Sie die Faszination aus?

Becker: Die Magie von Wimbledon ist der Mix aus Mythos und Moderne. Sie verdienen hier sehr, sehr gutes Geld, haben ein florierendes Business, aber es ist kein seelenloses Kommerzunternehmen. Wie vor 25 oder 50 Jahren sieht man die Spieler in weißem Dress herumlaufen, es gibt keine Werbebanden, und es gibt auch diesen Willen, sich nicht jedem schnellen Trend zu beugen. Wimbledon ist einfach nur Wimbledon geblieben, das schönste und beste aller Turniere.

Und dann die langen Schlangen vor den Toren…

Becker: Das ist einmalig und hat mir schon tiefsten Respekt abgenötigt, als ich selbst gespielt habe. Wenn man abends in die Stadt fuhr, sah man die Fans, die auf Bürgersteigen campiert haben, bei Wind und Wetter. Und hat umso mehr gedacht: Das ist das Turnier der Turniere. Hier musst du zeigen, wer du bist als Spieler. Diese Hingabe ist bei den Spielern ungebrochen, auch heute. Wer hier nicht mit heißem Herzen und letzter Kraft spielt, macht etwas falsch.

Wie würden Sie jemandem die Bedeutung Wimbledon beschreiben, der noch nie von diesem Ort gehört hat?

Becker: Als Katholik gehst du nach Rom. Als Moslem gehst du nach Mekka. Als Jude gehst du nach Israel. So ist das mit Tennis und Wimbledon.

Interview: Jörg Allmeroth

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