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Charr: Krieg, Knast und keine Kohle!

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Von: Jan Janssen

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Charr posiert schon mal mit Skelett – den Stare-Down gegen Witali ­gewann er nach 25 Sekunden. © imago

München - Manuel Charr, deutscher Profiboxer mit libanesischen Wurzeln, bekommt am Samstag WBC-Champion Witali Klitschko vor die Fäuste. Boxfans fragen sich: Manuel Wer? Die tz erklärt Klitschkos Gegner:

Die Boxfans fragen sich: Manuel Wer? Die tz erklärt Klitschkos Gegner:

Herkunft: Charr wurde 1984 in Beirut im Libanon geboren, wuchs mit sieben Geschwistern in sehr einfachen Verhältnissen auf. „Ich komme von ganz unten. Zwei meiner Geschwister habe ich noch nie in meinem Leben gesehen“, so Charr. Der Grund: Als Charr zwei Jahre alt war, wurde sein Vater im Bürgerkrieg getötet. Als der kleine Manuel fünf war, floh seine Mutter mit sechs Kindern nach Berlin, zwei Jahre später zog die Familie nach Essen in eine Asylanten-Siedlung. „Wir lebten in einem Container. Ich habe früh gelernt, mich durchzusetzen. Prügeleien waren an der Tagesordnung“, sagt Charr. Schon mit zehn Jahren hatte Charr seinen ersten Job: „Ich habe im Winter auf einem Autohof mit den Ärmeln meines Pullovers Autoscheiben sauber gemacht. Eigentlich hatte ich keine Kindheit“, so Charr. 2001 begann er mit Kickboxen, wurde 2005 Profi.

Knast: 2006 wurde Charr wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag verhaftet. Zusammen mit Alexander Abraham, dem Bruder von Weltmeister Artur Abraham, hatte er grundlos Passanten mit rohen Eiern beworfen. Einen Mann, der sich wehrte, stach Charr nieder – angeblich in Notwehr. Nach zehn Monaten U-Haft wurde er freigesprochen. Anfang 2011 wurde er bei einer Razzia gegen eine Autoschieberbande verhaftet.

Die besten Boxer-Sprüche

Geld: Charr gibt offen zu: „Ich bin pleite.“ Grund: Der 112-Kilo-Koloss veranstaltet seine Kämpfe selbst, investierte all sein Geld in seine eigene Promotionfirma. „Von der letzten Veranstaltung blieben 60 000 Euro Miese übrig. Jetzt bin ich mittellos. Meine Wohnung, mein Auto und mein Essen werden von Freunden finanziert“, sagt Charr. Er hofft auf den Sieg und danach das ganz große Geld.

Ziele: Charr ist ein Großmaul. „Ich verspreche, ich werde Witali zerstören”, tönte er, als er im Juli in die Pressekonferenz nach dem Kampf Haye gegen Chisora platzte. „Und danach will ich gegen dich kämpfen, David“, sagte er zu Haye. Mut hat er also.

Qualität: Charr ist ein Nobody, in der unabhängigen Weltrangliste wird er auf Platz 35 geführt. Viele Experten halten das Duell daher für einen Witzkampf. Acht Wochen vor dem Kampf hatte Charr nicht einmal einen Trainer. Immerhin: Er hat noch nie einen Kampf verloren – seine 21 Gegner sind aber großteils nicht mal absoluten Insidern bekannt. Prognose daher: Klitschko wird ihm früh die Lampen ausknipsen.

Jan Janssen

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