Che Kuranyi in Wadelheim

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Kevin Kuranyi.

Bevor Sie diese Kolumne lesen, legen Sie sich bitte einen Zehnerpack Tempo parat, denn es wird traurig.

Sie sollten also versuchen, tapfer zu bleiben, wenn Sie unsere Geschichte über gequälte, geschändete, gepeinigte und gepiesackte Fußballspieler wie Kevin oder Lukas lesen, denen es – mitten in Deutschland! – oft kaum besser ergeht als einem chinesischen Regimekritiker nach der Verbannung in die Wüste Gobi.

Der erste dieser Ballsport-Dissidenten hat sein schweres Los nun ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Der Mann wurde von einem gewissen Joachim Löw, einer badensischen Mischung aus Pinochet, Honecker, Kaiser Bokassa und Idi Amin, entrechtet, geknechtet, psychisch misshandelt und grundlos – ohne Gerichtsbeschluss! – per Folter auf die Tribüne gepfercht. Die Ersatzbank oder gar die Tribüne, das muss man wissen, ist für deutsche Fußballspieler eine Mischung aus nordkoreanischem Kerker und Bautzen ohne Ball – Wadelheim sozusagen. Stammheim statt Stammplatz. Hartz IV ist schlimm, Tribünenblock IV ist schlimmer. Doch im Gegensatz zu zahllosen stillen Leidensgenossen (Poldi!) hat sich Kevin Kuranyi jetzt aufgemacht, als Strafraum-Spartakus für seine Menschenwürde zu kämpfen. So nicht, Jogi Amin!

Dazu hat Kuranyi nach seinem geglückten Ausbruch aus dem DFB-Gulag zunächst berichtet, wie dreckig es ihm in der Tribünen-Isolationshaft erging. „Ich bin gegangen, weil ich das, was in den vergangenen Jahren passiert ist, nicht mehr ertragen konnte“, beklagte der Mann, den viele jetzt schon den Solschenizyn von Gelsenkirchen nennen. Was er anschließend berichten musste, ließ jeden Rosamunde-Pilcher-Film im Vergleich wie das Kettensägenmassaker aussehen. So traurig war der Fußball nicht mehr, seit der legendäre Hanne Weiner in der Bayern-Abwehr spielte. „Niemand weiß, was ich fühle“, „Nur ich kann fühlen, was in mir vorgeht“, „Ich konnte das nicht mehr tragen“ – aus so viel erschütternder Seelenpein und Traurigkeit macht Xavier Naidoo ganze Langspielplatten. Gott sei Dank tauchte dann Genscher auf und überbrachte dem geschundenen Träner die erlösende Mitteilung: „Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise aus der DFB-DDR genehmigt wurde.“

Doch nun will Che Kuranyi nicht mehr weinen – nun will er kämpfen. Wie er seine Mission fortsetzt, weiß derzeit noch niemand. Gut möglich, dass er in den Untergrund geht, oder in ein syrisches Freischärler-Camp. Doch vorerst wird er es wohl in der Legalität versuchen. Angeblich plant Kuranyi die Gründung von gleich sechs Hilfsorganisationen für entrechtete Fußballer – eine Art Tribünen-Amnesty-International, den Fußballer-Samariter-Bund, das rote Lattenkreuz, die Kuranyitas, Stürmer ohne Grenzen und SOS Kickerdorf. Auch Montags-Demos („Wir sind das Team!“) erscheinen denkbar, ebenso wie eine von Max Schautzer und Dagmar Berghoff moderierte Spendengala in der ARD: „Ein Herz für Kevin.“

Nur die Gründung der Ulicef bleibt ihm versagt – gegen diesen Namen hat Uli Hoeneß vehement Protest eingelegt. Denn der Bayern-Manager sagt immer: „Fußballprofis wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht.“ Da scheint was dran zu sein.

Quelle: tz

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