Stallorder beim China-GP / Lauda fordert Regeländerung

Darf Ferrari betrügen?

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Felipe Massa (r.) darf vor seinem Teamkollegen über die Ziellinie rollen.

Shanghai - Gut, phasenweise war das der Gähn-Prix von China. Ein einigermaßen langweiliges Rennen. Aber nur bis sieben Runden vor Schluss – da gab’s nämlich auf einmal Zunder!

Der zweitplatzierte Kimi Räikkönen ging auf der langen Geraden vom Gas und ließ seinen Ferrari-Kollegen Felipe Massa überholen. Also hat der in der WM-Wertung nur sieben Punkte Rückstand, nicht neun. „Stallorder! Die ist verboten“, riefen einige im Fahrerlager. Vielleicht hatten sie ja die Schumi-Szene von 2001 im Hinterkopf. Den atmosphärisch knackenden Funkspruch von Jean Todt: „Let Michael pass for the championship…“ Jetzt, nach der Teamorder von China, schwebte sie im Raum, die Frage:

Darf Ferrari betrügen?Doch ausgerechnet der vermeintlich vom Platztausch benachteiligte Lewis Hamilton erteilte Ferrari die Absolution: „Ich weiß, dass wir womöglich dasselbe tun würden, wenn ich mich in der Position befinden würde. Man arbeitet als Team zusammen und Ferrari hat offensichtlich großartige Arbeit geleistet.“

So wie Hamilton sehen es auch die meisten Experten. Stallorder ist zwar offiziell von der Automobilbehörde FIA verboten, aber die Situation gestern in China war eine völlig andere als 2001 in Österreich – wegen der die FIA die Regel überhaupt eingeführt hatte. Damals auf dem A1-Ring konnte keine WM-Entscheidung fallen. Der damalige Ferrari-Rennleiter Todt forderte seinen überlegen führenden Nummer-zwei-Piloten Rubens Barrichello auf, sich vom eigentlich chancenlosen Nummer-eins-Piloten Michael Schumacher überholen zu lassen.

Experte Niki Lauda erklärt: „Das hat damals wirklich bescheuert ausgeschaut und war eine völlig sinnlose Aktion von Jean Todt. Es war eine Verarschung für jeden Fan.“ Die Ferrari-Entscheidung von Schanghai kann Lauda dagegen nachvollziehen: „Wenn ich zwei Autos habe, von denen eines noch Weltmeister werden kann und das andere nicht, dann mache ich es halt.“ Lauda fordert deshalb eine Regeländerung: „Stallorder nein, wenn beide Autos im Team noch theoretische Chancen auf den Titel haben. Stallorder ja, wenn, wie in Schanghai der Fall, nur noch einer von zwei Fahrern den Titel holen kann.“

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali macht im Gegensatz zu Todt damals auch keine Anstalten, die Sache schönzureden. Er sagt: „Es gab keine Entscheidung zu treffen. Wir fahren als Team und die Fahrer wissen das. Wir haben versucht, das Maximum aus der Situation herauszuholen. Das haben wir getan.“ Im Klartext: Niemand musste Räikkönen zum Langsamfahren auffordern, weil er eh wusste, was er zu tun hatte.

Mercedes lässt die Sache jedenfalls auf sich beruhen, legt diesmal keinen Protest ein. Sportchef Norbert Haug: „Ich glaube nicht, dass da etwas gemacht wird. Das ist nicht mein Thema. Ich bin bei Mercedes-Benz und nicht bei der FIA.“

Ralf Bach

Quelle: tz

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