Das flotte Spiel mit den Pfeilen

Darts: Entstehung, Geschichte und Entwicklung des Sports

Nico Kurz, Teilnehmer Darts-Weltmeisterschaft 2020, beim Training
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Nico Kurz, Teilnehmer Darts-Weltmeisterschaft 2020, beim Training

Darts hat sich in den letzten Jahren zum neuen Quotenhit im Fernsehen entwickelt. Die alljährlichen Weltmeisterschaften sind mittlerweile Kult, der von Millionen Zuschauern verfolgt wird.

  • Darts geht auf uralte Vorläufer aus dem Mittelalter zurück.
  • Die jährliche Darts-WM aus dem „Ally Pally“ in London ist Kult.
  • Größter Star der Szene ist der Niederländer Michael van Gerwen.

London – Wenn die Weltmeisterschaften im Darts ausgetragen werden, verwandelt sich der altehrwürdige Alexandra Palace im Norden Londons in einen Hexenkessel voller abenteuerlich kostümierter Zuschauer. Nicht zuletzt ihnen ist es zu verdanken, dass der Sport in den letzten Jahren viele neue Anhänger und vor allem Anerkennung gewonnen hat. Das Werfen mit Pfeilen auf eine Zielscheibe ist weit mehr als Zeitvertreib in Kneipen: Es erfordert Genauigkeit, höchste Konzentrationsfähigkeit und ganz viel Nervenstärke.

Darts: Die Geschichte des Pfeilwerfens

Wann die Menschheit erstmals auf die Idee kam, mit Pfeilen (Darts auf Englisch) auf eine Zielscheibe zu werfen, ist heute nicht mehr zu klären. Belegt ist, dass sich englische Soldaten schon im Mittelalter die Zeit zwischen Schlachten vertrieben, indem sie Speerspitzen auf die umgedrehten Böden von Weinfässern warfen. Schon bald entwickelten sich daraus Wettkämpfe und Turniere mit festen Regeln. Einen entscheidenden Schritt nach vorne machte der Sport, als statt Weinfässern erstmals in Scheiben gesägte Baumstämme verwendet wurden: Die sichtbaren Jahresringe eigneten sich perfekt zum Vergeben von Punkten.
Der Legende nach erhielt König Henry VIII. von seiner zweiten Frau Anne Boleyn ein Set für Darts mit aufwendig gestalteter Zielscheibe und Pfeilen geschenkt. Daraufhin verbreitete sich der Sport in Windeseile unter den englischen Adeligen, die zierliche, elegant gearbeitete Pfeile nach dem Vorbild derer des Königs bevorzugten.

Darts: Die Geburt der modernen Sportart

Als Erfinder des modernen Darts gilt ein Zimmermann namens Brian Gamlin aus der nordenglischen Grafschaft Lancashire. Er entwickelte 1896 die bis heute übliche Zielscheibe mit ihren Nummern und Einteilungen. Daneben existierten längere Zeit noch andere Versionen in anderen Größen und anderen Einteilungen, ehe sich der Standard durchsetzte. Einen großen Aufschwung erlebte der Sport, als er 1908 als Geschicklichkeitsspiel in Pubs erlaubt wurde. Fortan maßen sich unzählige Briten beim Feierabendbier im Pfeilwerfen und trugen lokale Turniere aus.

Noch bis 1935 wurden die Zielscheiben aus Holz gefertigt. Dann entwickelten der Apotheker Ted Leggatt und der Pub-Besitzer Frank Dabbs eine neue Zielscheibe aus Sisalfasern, die robuster und pflegeleichter war. Die Pfeilspitzen hinterließen im Sisal keine Spuren wie in den zerlöcherten Holzscheiben. Auch die Pfeile selbst entwickelten sich weiter. Die ersten Exemplare bestanden noch aus Holz mit einem Bleistreifen als Beschwerung und Truthahnfedern zum besseren Fliegen. Im 20. Jahrhundert kamen zunächst leichte Metallpfeile zum Einsatz, ehe diese ab den 70er-Jahren durch Kunststoff ersetzt wurden.

Darts: Zielscheibe und Pfeile

Die Zielscheibe ist beim Darts in 20 numerische Segmente und sechs Ringe unterteilt. Der innerste Ring ist das rote Bull‘s Eye, das 50 Punkte auf einen Schlag bringt. Es ist vom grünen Single Bull umgeben, der 25 Punkte wert ist. Zwischen den tortenförmigen Punktsegmenten befinden sich der Triple Ring (dreifacher Wert des jeweiligen Segments) und ganz außen der Double Ring (doppelter Wert). Trifft ein Spieler den Triple Ring des 20er-Segments, erzielt er somit 60 Punkte und damit mehr als beim Bull‘s Eye. Für die Positionierung der Dartscheibe gelten feste Regeln:

  • Der Mittelpunkt der Zielscheibe befindet sich 1,73 m über dem Boden.
  • Der horizontale Abstand zwischen Scheibe und Wurflinie (Oche), an der der Spieler steht, beträgt 2,37 m.
  • Der diagonale Abstand vom Scheibenmittelpunkt zur Wurflinie beträgt 2,93 m.

Jeder Spieler erhält drei Pfeile. Dabei wird zwischen Steeldarts und Softdarts unterschieden. Softdarts besitzen eine Spitze aus Kunststoff, Steeldarts eine Spitze aus Stahl. Beim regulären Sport wird mit Steeldarts gespielt. Kunststoff kommt beim elektronischen Darts zum Einsatz, damit der Automat nicht beschädigt wird.

Darts: Die Regeln bei der Weltmeisterschaft
Turniere werden nach unterschiedlichen Regeln gespielt. Beispielhaft seien die wichtigsten Regeln der Darts-WM genannt, die von der Professional Darts Corporation veranstaltet wird:

  • Spieler starten mit 501 Punkten in ihre Runde. Ziel ist es, die Punkte möglichst schnell auf Null zu bringen.
  • Zunächst darf dabei jedes mögliche Feld getroffen werden (Single-In).
  • Beim entscheidenden Wurf kurz vor der Null muss der Treffer dagegen entweder im äußeren Double Ring oder im Bull‘s Eye landen (Double-Out).
  • Trifft ein Spieler mehr als die geforderte Punktzahl oder bleibt nur ein Punkt übrig, wird der Wurf nicht gewertet (No Score).

Als perfektes Spiel gilt der sogenannte Neun-Darter: Eine Runde (Leg) mit nur neun Würfen zu beenden. Insgesamt gibt es beim Darts 71 Varianten dafür. Profis versuchen es meist wie folgt:

  • 7 x Triple 20
  • 1 x Triple 19
  • 1 x Double 12

Dieses Kunststück gelang bisher wenigen Spielern, und nur zwei können sich rühmen, es sogar mehrfach geschafft zu haben: der Engländer Adrian Lewis und der Niederländer Raymond van Barneveld.

Darts: Die wichtigsten Ligen in Deutschland

In Deutschland wird Darts in zwei unterschiedlichen Ligen für E-Darts (elektronisches Darts) und Steeldarts (klassisches Darts) gespielt. Die E-Darts-Bundesliga des Deutschen Sportautomatenbunds e.V. ist in fünf regionale Bundesligen unterteilt:

  • West
  • Süd-West
  • Nord-Bayern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Essen

Diese tragen ihre Turniere separat aus und küren separate Meister.

Die Steeldart-Bundesliga des Deutschen Dartverbandes e.V. ist in zwei Gruppen (Nord und Süd) unterteilt. Die ersten vier jeder Gruppe tragen an einem Wochenende die deutsche Meisterschaft aus. Der Deutsche Dartverband e.V. wurde 1982 gegründet (https://www.deutscherdartverband.de/), nachdem britische Soldaten, die in Deutschland stationiert waren, den Sport mitgebracht hatten. Heute richtet der Verband neben der Bundesliga auch verschiedene Turniere wie die German Open aus.

Neben den Amateurvereinen, die im Dachverband World Darts Federation (WDF) organisiert sind, gibt es seit 1992 die Professional Darts Corporation (PDC), die als reine Profiliga gegründet wurde. (https://www.instagram.com/officialpdc/?hl=de) Ihr Ziel war und ist es, Spielern eine professionelle Karriere im Darts zu ermöglichen, von der sie leben können. Die PDC hat wesentlichen Anteil daran, dass die Sportart Darts in den letzten Jahren immer bekannter und beliebter wurde.

Darts: Bekannte Turniere

Das größte und bekannteste Turnier im Darts ist die jährlich um die Weihnachtszeit ausgetragene Weltmeisterschaft. Veranstaltungsort ist der 3.000 Zuschauer fassende Alexandra Palace nördlich von London. Dabei kämpfen in drei Wochen 96 Profis um die Krone in diesem Sport – und um 500.000 £ Preisgeld, die der Sieger mit nach Hause nehmen darf.

Weitere wichtige Turniere der PDC:

NameOrtDetails
The MastersMilton Keynes (UK)16 Teilnehmer
Premier League Dartsverschiedene Orte10 Teilnhehmer, die in einer Art Europaliga gegeneinander antreten
UK OpenMinehead (UK)insgesamt 160 Teilnehmer, darunter Amateure
Champions League of Dartsverschiedene Orte in UK8 Teilnehmer
World MatchplayBlackpool (UK)Gewinner benötigt 2 Legs Führung zum Sieg

Daneben veranstalten die World Darts Federation (WDF) und die British Darts Organisation (BDO) ihre eigenen Turniere, für die sich auch Amateure qualifizieren können. Dazu gehören die offenen Weltmeisterschaften (World Professional Darts Championships), die BDO World Trophy und die Dutch Open.

Darts: Aktuelle Weltrangliste

Beim Darts gibt es mehrere Weltranglisten. Die Weltrangliste der PDC nennt sich Order of Merit und listet Spieler auf Basis der in den letzten beiden Jahren gewonnenen Preisgelder. Die Weltrangliste der WDF bezieht sich auf die bei Turnieren gesammelten Punkte.

Die Top Ten im PDC Order of Merit:

PositionNameLandPreisgeld
1Michael van GerwenNiederlande1.494.750 £
2Peter WrightSchottland1.011.000 £
3Gerwyn PriceWales832.500 £
4Michael SmithEngland601.750 £
5Rob CrossEngland536.000 £
6Nathan AspinallEngland532.750 £
7James WadeEngland442.500 £
8Dave ChisnallEngland390.750 £
9Dimitri van den BerghBelgien377.750 £
10Ian WhiteEngland358.500 £

Beste deutsche Spieler bei diesem hierzulande noch jungen Sport sind Gabriel Clemens (165.000 £) auf Platz 31 und Max Hopp (133.750 £) auf Platz 39.

Für Damen veranstaltete die PDC im Jahr 2020 erstmals eine Women‘s Series. Die beiden besten Spielerinnen Lisa Ashton und Deta Hedman erhielten einen Platz bei der Darts-WM im Alexandra Palace. Letztere gewann ganz knapp gegen Fallon Sherrock, die Ende 2019 Geschichte im Darts schrieb: Sie war die erste Frau, die bei einer PDC Darts-WM einen Mann besiegte.

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