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Darts-WM: Das große Interview mit Elmar Paulke

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Von: Bernd Brudermanns

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London - Am 15. Dezember beginnt die Darts WM im Ally Pally in London. Wir sprachen mit Sport1-Kommentator und Buchautor (Game On! Die verrückte Welt des Darts) Elmar Paulke.

Update vom 13. Dezember 2019: Auch 2019 findet wieder die Darts-WM statt. So können sie das Turnier live im TV und im Live-Stream sehen. Darüber hinaus haben wir für Sie einen Spielplan mit allen Terminen und deutschen Teilnehmern zusammengestellt. 

Update vom 18. Dezember 2018: Auch dieses Jahr findet wieder die Darts-WM statt. So können sie das Turnier live im TV und im Live-Stream sehen

Update vom 14. Dezember 2017: Zum Jahresausklang geht es bei der Darts-WM alles andere als besinnlich zu. Bei dieser Austragung feiert Rekord-Weltmeister Phil Taylor seinen Abschied. Wir zeigen Ihnen, wo Sie die Darts WM 2018 live im TV und im Live-Stream verfolgen können.

Als vor gut zehn Jahren zum ersten Mal Live-Bilder vom Darts in Deutschland im TV liefen, dachten viele, das sei ein Kneipen-Zeitvertreib. Mittlerweile sind die Übertragungen aus dem Londoner Alexandra Palace – kurz Ally Pally – Kult, beim Vorjahresfinale schauten bei Sport1 in der Spitze 1,97 Millionen zu. Auch heuer überträgt der Münchner Sender wieder an jedem Spieltag. Die tz sprach mit Kommentator und Buchautor (Game On! Die verrückte Welt des Darts) Elmar Paulke.

Herr Paulke, wie erklären Sie sich den Darts-Boom in Deutschland?

Paulke: Der Zuschauerkreis besteht nicht mehr nur aus Special-Interest-Fans der Darts-Begeisterten. Mittlerweile schalten auch Leute ein, die sich vorher mit diesem Sport nicht beschäftigt haben. Dadurch wurde eine neue Dimension erreicht, auch in der Berichterstattung – und es wird immer mehr.

Und das Gesamtpaket mit den feiernden Fans im Ally Pally stimmt auch…

Paulke: Natürlich, das ist wunderbar inszeniert. Aber die Fans sehen das auch bei den Turnieren hierzulande, die mittlerweile schon lange vorher ausverkauft sind. Aber klar: Der Ally Pally ist das Mekka des Darts. Bei vielen Fans gehört es zum Lebensplan, einmal da gewesen zu sein. Die WM ist das Partyturnier, obwohl ja im Ally Pally jeweils nur 3500 dabei sind.

So sehen Sie die Darts-WM 2017 live im TV und im Live-Stream

Sie haben wieder die Road to Ally Pally gedreht und Stars besucht. Wer ist privat so ganz anders als auf der Bühne?

Paulke: Peter Wright. Auf der Bühne ist er der schrille Party-Man, aber privat lebt er in einer umgebauten Scheune mitten in der Pampa – und er hat nicht mal einen Führerschein. Seine sportliche Entwicklung wiederum ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Darts-Profis heute arbeiten. Wright trainiert viel alleine und hat Videokameras installieren lassen, um seinen Wurfstil analysieren zu können und wie der sich vielleicht nach zwei Stunden verändert. Das bringt ihm vielleicht irgendwann die wenigen Prozent, die Michael van Gerwen aktuell besser ist.

Was trauen Sie den beiden Deutschen zu?

Paulke: Max Hopp ist den nächsten Schritt gegangen, hat es unter die Top 40 geschafft. Ich hoffe, dass er bei seinem fünften WM-Auftritt zum ersten Mal über Runde zwei hinauskommt. Dragutin Horvat hat sich eine Wildcard gesichert. Sein Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen.

Wie viel macht die Psyche aus und wie viel Talent?

Paulke: Das Mentale macht 90 Prozent aus. Denn es gibt diese wichtigen Momente, in denen du da sein musst. Du musst wissen oder fühlen, jetzt bin ich im Flow. Dazu muss man das Talent haben, das Drumherum auszublenden, die Angst zu ignorieren, sich zu blamieren. Dieses Talent hast du – oder eben auch nicht.

Hätten Sie beim Auftakt der Sport1-Dartsübertragung 2004 diese Entwicklung erwartet?

Paulke: Überhaupt nicht. Und ich bin auch ein bisschen stolz, Teil dieser Entwicklung zu sein und den Leuten zu vermitteln, dass Darts Sport ist. Weil die Bewegung so einfach ist, macht es das so schwierig. In anderen Sportarten kannst du vielleicht mehr laufen, beim Darts hast du diese Chance nicht.

Titelverteidiger ist Gary Anderson. Aber für alle ist van Gerwen, die Nummer eins der Welt, der Favorit. Für Sie auch?

Paulke: Das Faszinierende bei van Gerwen ist: Er weiß, er wird gewinnen. Der Gegner weiß es, die Zuschauer wissen es – und dann passiert es meistens auch. Das ist so ein bisschen wie beim FC Bayern in Topform. So überzeugt von sich ist auch MvG. Aber im Set-Modus, der bei der WM gespielt wird, kannst du ihn packen. Du musst ihm Sätze abnehmen, wenn er schwächelt…

Darts-Mythen: Das ist dran

Mythos Nummer eins: Mit Alkohol läuft’s besser. Gilt vielleicht für Hobbyspieler, aber nicht für die Profis. Besser gesagt nicht mehr. Andy Fordham wurde 2004 Weltmeister des kleineren Verbandes BDO – laut Legende mit 24 Flaschen Bier und einer Flasche Brandy intus. „Um die Wahrheit zu sagen, ich war die ganze Zeit besoffen“, sagt der heute 54-Jährige, der zwischenzeitlich 200 Kilogramm wog, trocken wurde und massiv abnahm. Es gibt im Darts Doping-Kontrollen, Alkohol ist nicht – wie im Bogenschießen – verbotene Substanz.

Mythos Nummer zwei: Frauen kommen beim Darts nur vor a) als Walk-on-Girl oder b) im Publikum. Fakt ist: Die „normalen“ Turniere, bei denen man sich für die WM qualifizieren kann, stehen Frauen offen. Aber sie haben das Level – noch? – nicht: Der höchste Drei-Dart-Durchschnitt bei einer Frauen-WM war 95,96 (Trina Gulliver), bei einer Männer-WM liegt er bei 111,21 (Phil Taylor).

Mythos Nummer drei: Darts kann ja nicht so schwer sein, so alt und dick wie einige der Protagonisten sind… Tatsächlich trainieren einige der Stars bis zu vier Stunden am Tag – und Talent hilft auch.

Mythos Nummer vier: Dartsspieler erleben die vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Karriere. Stimmt z. B. bei Taylor. Der Ex-Fabrikarbeiter verdiente in seiner Darts-Karriere bislang umgerechnet 8.517.387 Euro.

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