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Corona-Chaos bei Darts-WM: Nächster Topstar fordert Abbruch

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Von: Josef Forster

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Gary Anderson
Dartprofi Gary Anderson befürchtet ein coronabedingtes großes Durcheinander in der Darts-Weltrangliste - und fordert einen Abbruch der Darts-WM. © Kieran Cleeves/PA Wire/dpa

Die Darts-WM im Londoner Alexandra Palace droht zur Farce zu verkommen. Vier Spieler infizierten sich im Turnierverlauf mit Corona, während sich 3000 Fans vor Ort betrinken, singen und feiern.

Update vom 30. Dezember, 8.35 Uhr: Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem sich kein Spieler bei der Darts-WM in London mit Covid-19 infiziert. In den vergangenen Tagen waren Dreifachweltmeister Michael van Gerwen, Vincent van der Voort (beide Niederlande) und Dave Chisnall (England) ausgeschieden, nachdem sie positiv auf Corona getestet wurden. Den fünffachen Champion Raymond van Barneveld und Danny Noppert (beide Niederlande) erwischte es nach ihrem jeweiligen WM-Aus. Der Dartsweltverband PDC steht deshalb und wegen seiner laxen Sicherheitskonzepte in der Kritik.

Die Kritik kommt nun immer häufiger auch von den Spielern. Auch Ex-Weltmeister Gary Anderson hat sich skeptisch über eine sofortige Fortsetzung der Darts-WM im neuen Jahr geäußert. „Für mich ist das nicht richtig. Es wird so viel Durcheinander in der Weltrangliste geben in den nächsten Monaten“, sagte der Schotte nach seinem packenden 4:3-Sieg gegen den Engländer Ian White in den Katakomben des Alexandra Palace von London. Zuvor plädierte schon der amtierende Weltmeister Gerwyn Price für einen Abbruch (siehe vorheriges Update).

Darts WM versinkt im Corona-Chaos: Amtierender Weltmeister Price fordert den Abbruch

Update vom 29. Dezember, 15.15 Uhr: Der amtierende Weltmeister sorgt für einen Paukenschlag. Titelverteidiger Gerwyn Price plädiert für einen vorzeitigen Abbruch der derzeit laufenden Darts-WM in London. „Das Turnier sollte verschoben werden“, schrieb der 36 Jahre alte Waliser via Instagram.

„Ich war selbst in dieser Position, deswegen fühle ich mit den ausgeschiedenen Spielern. Vor der WM gibt es so viel Arbeit zu erledigen“, erklärte Price. Der ehemalige Rugby-Profi wurde in diesem Jahr aus der Premier League gestrichen, weil er vor dem Start positiv auf das Virus getestet worden war. Eine Verschiebung der WM sei wahrscheinlich nicht die beste Option, „aber eine Option, mit der ich einverstanden wäre“. Der Weltverband PDC hat bislang nichts in diese Richtung verlauten lassen.

Darts WM: Infizierter Top-Spieler Michael van Gerwen attackiert Weltverband

Erstmeldung vom 29. Dezember, 15 Uhr: London/München - Reißen die schlechten Nachrichten nicht ab, stellt sich das Teilnehmerfeld der Darts WM von alleine auf. Bislang fielen vier Darts-Stars aus, da sie sich mit Corona infizierten. Turnier-Favorit Michael van Gerwen ließ nach seinem erzwungenen WM-Aus seinem Frust freien Lauf. Vor allem den Darts-Weltverband (PDC) nahm der an Corona erkrankte van Gerwen in die Pflicht. Gegenüber dem niederländischen Medium AD Sportwereld schimpfte er: „Es ist jetzt einfach eine große Corona-Bombe. Die Kontrollen waren nicht stark genug, die PDC hätte mehr machen können.“

Vor dem Niederländer mussten sich  Raymond van Barneveld und Vincent van der Voort wegen einer Corona-Infektion verabschieden, am 29. Dezember meldete auch der englische Profi Dave Chisnall eine nachgewiesene Ansteckung. Bei den Profis wächst der Frust.

Darts WM: Omikron greift in London um sich - 3000 Fans feiern vor Ort

Während sich die beteiligten Darts-Profis um ihre Gesundheit sorgen, scheint die Infektionsgefahr die 3000 frenetischen Zuschauer vor Ort nicht zu interessieren. Seit Beginn der WM wurde die Kritik am Hygienekonzept der Veranstalter laut. Geimpfte, Genese und Getestete haben Zutritt in den „Ally Pally“, der bei den Veranstaltungen einem Tollhaus gleicht. Der Alkohol fließt in Strömen, dicht an dicht gedrängt verfolgen die Zuschauer das Pfeilewerfen, Gesänge erfüllen die verhältnismäßig kleine Halle - trotz einer Inzidenz in London von über 1000. Die Bild-Zeitung berichtete über laxe Einlasskontrollen in den Veranstaltungsort, der mitten im Omikron-Hotspot London liegt.

Darts WM in London
Feiern ihre Darts-Stars trotz mehrerer Infektionsfälle: Die Zuschauer im Alexandra Palace © Bradley Collyer/dpa

Gegen Vorwürfe verwahrte sich die PDC in einer schmallippigen offiziellen Mitteilung. „Wir werden uns nicht zu einzelnen Spielern äußern. Wir befolgen weiterhin die Vorgaben der Regierung“, hieß es in dem Statement.

Angesichts der sich auch in Großbritannien mehr und mehr verbreitenden Omikron-Variante sind weitere Ausfälle bis zum Turnierende am 3. Januar alles andere als unwahrscheinlich. Unter den Sportlern machte sich jedenfalls Unmut breit. „Jetzt ist dieses Turnier weniger wert“, sagte Weltmeister und Hauptkonkurrent Gerwyn Price aus Wales nach dem Ausscheiden des dreimaligen Weltmeisters Michael van Gerwen aus den Niederlanden, der unmittelbar vor seinem für Dienstagabend angesetzten Drittrundenmatch positiv getestet worden war und daraufhin aus dem Turnier genommen wurde. Die Rufe nach einem Abbruch der Darts WM werden lauter. (jjf/dpa/SID)

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