1860 trauert um „Atom-Otto“

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Nach der sensationellen Niederlage

Darum braucht Wladimir Klitschko das Rematch gegen Tyson Fury

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In der Defensive: Wladimir Klitschko (links) im Kampf gegen Tyson Fury.

München - Darum sollte Waldimir Klitschko einen Rückkampf gegen Tyson Fury – am besten in England – als die Chance seines Lebens sehen. Das erfahren Sie im Kommentar.

Wladimir Klitschko wird bald 40, er ist in die Jahre gekommen. Man haut dann einen 27-Jährigen, der größer ist und die längeren Arme hat, nicht einfach mehr so um. Den überzeugenden Knockout, den sein Publikum erwartet, hat Klitschko zuletzt gegen Kubrat Pulew im November 2014 gelandet, doch schon der nachfolgende Kampf gegen den Nobody Bryant Jennings im New Yorker Madison Square Garden geriet zur Mühsal. Und der gegen Tyson Fury, der nun zwar der neue Titelträger, aber sicher nicht die neue Offenbarung im Weltboxen ist, gar zum Desaster.

Wladimr Klitschko ist in der Stunde seiner Niederlage dem Bild, das sich seine Fans von ihm machen, wenigstens in einem Punkt gerecht geworden: Er hat höchst sportsmanlike reagiert und die Leistung des Gegners anerkannt (was vielen anderen Boxern selbst dann noch schwerfällt, wenn Beulen und Wunden die unbestechlichen Zeugen eines Kampfes sind). Aber die ganze Gentleman- und Vorbildsache ist nur reizvoll auf dem Fundament sportlicher Überlegenheit. Die bietet Klitschko gerade nicht mehr – darum muss er sich hinterfragen.

Nach der Niederlage gegen Tyson Furs: Fehlt Wladimir Klitschko der Antrieb? 

Hat er noch den Antrieb für eine Karriere, die vor allem im Ring und nicht bei Filmpremieren und Fernsehshows stattfindet? Oder sind die Pausen zwischen den Kämpfen, wenn er dann ein ganz anderes Leben ohne Training führt, nicht zu lang geraten? Hat sein Gegner vielleicht einfach mehr investiert? Auch: Hat Klitschko eine gute Trainerlösung? Vor drei Jahren starb Emanuel Steward, seitdem trainiert Klitschko sich im Grunde selbst, Johnathon Banks ist nur ein stiller Handlanger, im Fußball würde man sagen, er stellt die Hütchen auf. Spürbaren Einfluss nimmt er nicht.

In der Nacht zum Sonntag wirkte Wladimir Klitschko, als hätte er keine große Lust auf ein Rematch gegen Tyson Fury. „Es steht in meinem Vertrag“, sagte er wenig begeistert über die Option. Doch er sollte einen Rückkampf – am besten in England – als die Chance seines Lebens sehen. Es geht ja auch ums Geschäftliche, um die Positionierung in einer zweiten Karriere, die aufbauen soll auf den Eindrücken, die die erste geliefert haben wird. Der letzte ist stets der, der bleibt. Die Szene reagiert mit Hohn, das ist eine unausweichliche Folge, wenn einer so dominant und auch als Typ unanfechtbar gewesen ist wie der Ukrainer, den die Deutschen adoptiert haben.Er muss die Hoheit über die Bilder zurückgewinnen, und ihm fehlt ja auch noch immer der „signature fight“, die eine große Schlacht, die alle zitieren. Wladimir Klitschko muss noch einmal ein ernsthafter großer Boxer sein. Einen, der in reifen Jahren sich noch einmal erfindet, der aufsteht, würde man noch mehr achten als einen, dem immer alles zugefallen ist, weil er mit Talent gesegnet war. Klitschko sollte zurückkehren wollen.

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