Davis-Cup-Berater im tz-Interview

Herr Pilic, was machen Sie eigentlich genau?

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Er kümmert sich fast um alles: Niki Pilic auf dem Trainingsplatz.

München - Niki Pilic ist zurück! Zwar nicht mehr als Teamchef, aber als Berater des Davis-Cup-Teams. Ab Freitag trifft das deutsche Team auf Frankreich - das tz-Interview mit der Tennis-Legende:

Davis-Cup-Debütant Jan-Lennard Struff eröffnet am Freitag (14 Uhr/Sat.1 Gold) das Erstrundenduell in Frankfurt gegen Vorjahresfinalist Frankreich. Er trifft auf Gilles Simon, die Nummer 14 der Welt. Danach spielt Philipp Kohlschreiber (Nr. 28) gegen Gaël Monfils (Nr. 19). Betreut wird das deutsche Team auch von Niki Pilic. Das tz-Interview mit der Davis-Cup-Legende:

Herr Pilic, wie sieht Ihre Arbeit genau aus?

Pilic: Ein starker Berater ist von morgens bis abends bei der Mannschaft. Es geht mir um die Atmosphäre und den Teamgeist. Jeder Spieler muss das Gefühl haben, dass es eine Ehre ist, für sein Land zu spielen. Mit Inspiration kann jeder über seinem Niveau spielen. Vielleicht sind wir am Ende nicht gut genug, aber wenn man alles gibt, kann man auch verlieren. Michael (Kohlmann, Anm. d. Red.) und ich wollen positive Energie verbreiten. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir hatten sieben Tage Zeit.

Wie sind die Chancen?

Pilic: Frankreich hat fünf Spieler unter den ersten 30 der Weltrangliste. Wenn Arnaud Clément für die Einzel Gilles Simon und Gael Monfils nominiert, könnte das erste Duell zwischen unserer Nummer eins, Philipp, und Monfils entscheidend sein. Monfils ist extrem gefährlich, im November hat er Roger Federer im Davis Cup in drei Sätzen besiegt.

Philipp Kohlschreiber…

Pilic: …ist sehr wichtig für uns. Schade, dass er zuletzt wegen seiner Krankheit nicht in Dubai spielen konnte. Aber er kann gegen jeden der Franzosen gewinnen. Und er hat bewiesen, dass er mit Druck umgehen kann, in Spanien hat er Fernando Verdasco 2009 mit 8:6 im fünften Durchgang geschlagen. Wir werden versuchen, ihn zu stärken, die Nummer eins muss wissen, dass er wichtig ist.

Im deutschen Tennis gab es viel Ärger. Wie haben Sie das verfolgt und wie wichtig ist die Frankreich-Partie?

Pilic: Es kann nur besser werden. Ich habe das Gefühl, dass die Atmosphäre in den vergangenen Jahren nicht gut war. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass meistens zwei Seiten Schuld haben, wenn etwas schief läuft. Als Verantwortlicher braucht man eine diplomatische Nase, man muss viel reden. Eine Stunde, sechs Stunden oder auch drei Tage, wenn es nötig ist. Solange, bis man einen Kompromiss hat.

Sie haben sich nach Kroatien zurückgezogen – haben Sie lange überlegt, ob Sie den Beraterposten annehmen?

Pilic: Nein, ich habe mit Klaus Eberhard (Sportdirektor, Anm. d. Red.) zweimal gesprochen und zugesagt. Für mich ist es eine Ehre, dass man sich in Deutschland an meine Arbeit erinnert. Wir hatten eine gute Zeit, haben lange nicht verloren und sogar ohne Becker den Cup geholt. Ich hoffe, dass ich helfen kann.

Haben Sie einen Vertrag mit dem DTB?

Pilic: Nein, da haben wir nichts vereinbart. Aber ich glaube, ein Jahr werden ich es auf jeden Fall machen, dann sehen wir weiter. Seit 50 Jahren habe ich Erfahrungen im Davis Cup gesammelt, aber mein Blut kocht immer noch für diesen Sport.

An Ihrer Seite ist Michael Kohlmann neuer Teamchef, Sie kennen sich schon länger, richtig?

Pilic: Michael spielt bei Iphitos in der „Herren 30“, wir sind uns oft über den Weg gelaufen. Er ist ein positiver junger Mann mit einem guten Charakter, um ihn gibt es keine Skandale. Außerdem kenne ich ihn noch als Spieler. Er hat mit dem DTB gegen uns im Doppel gespielt als ich bei Kroatien Teamchef war.

Wie ging’s aus?

Pilic: 4:1 – für Kroatien natürlich. Michael hat das Doppel mit Prinosil verloren. Schüttler hat den deutschen Punkt geholt.

Interview: Mathias Müller

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