Rückblick auf 1992

Delling im tz-Interview: "Franzi behagte die Rolle nicht"

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Gerhard Delling.

München - Wie vereint war das deutsche Olympia-Team 1992, knapp drei Jahre nach dem Mauerfall? Die tz fragte nach bei Gerhard Delling.

Erster gesamtdeutscher Superstar: Franzi van Almsick.

Für viele markiert der 9. November 1989 den Anfang vom Ende der DDR, für den deutschen Sport hingegen war es der Beginn einer neuen Ära. Denn die Bundesrepublik vereinigte sich mit der Sportsupermacht DDR. 1992 trat dann erstmals nach 28 Jahren wieder ein gesamtdeutsches Team bei Sommerspielen an. Mit 33 Gold-, 21 Silber- und 28 Bronzemedaillen belegte Deutschland hinter dem „Vereinten Team“ (Ex-UdSSR) und den USA Rang drei. Aber wie vereint war das Team knapp drei Jahre nach dem Mauerfall? Die tz fragte nach bei Gerhard Delling (55), der 1992 in Barcelona seine Olympia-Premiere für die ARD gefeiert hat.

Herr Delling, war das damals in Barcelona schon ein deutsches Team, oder waren es noch zwei Mannschaften unter einer Flagge?

Delling: Da wuchs schon etwas zusammen. Das hatte natürlich auch mit Franzi van Almsick zu tun, sie war das Küken der Mannschaft. Die Mauer war tatsächlich gefallen bei den meisten, aber da tun sich Sportler auch leichter.

Hat das auch mit dem Erfolg zu tun, den die deutsche Mannschaft in Barcelona hatte?

Delling: Sicher, die Sportler sitzen doch im gleichen Boot. Natürlich gibt es Konkurrenz, aber das sind die Athleten gewohnt. Sportler müssen flexibel sein. Und Leute, die gut sind, die Leistung bringen, die finden sich sehr schnell zurecht. Und natürlich löste der Erfolg auch etwas aus.

Wie war das in puncto Zusammenarbeit mit Trainern, Funktionären und Kollegen aus dem Osten?

Delling: Das war gar kein Problem. Aber man muss bedenken, dass Olympia eine Ausnahmesituation ist. Da herrscht quasi eine Arbeits-Quarantäne.

Franzi van Almsick wurde damals erster gesamtdeutscher Superstar – aber Sie schien den Rummel gut zu verkraften…

Delling: Na ja, ganz so einfach war das nicht für sie. Ich war vorher bei ihr in Berlin, um mit ihr zu sprechen. Wir wussten ja, wie gut sie war. Aber Franzi hat diese Ausnahmerolle damals nicht behagt.

Was ist Ihnen sonst noch in besonderer Erinnerung geblieben?

Delling: Für mich waren es meine ersten Spiele in vorderster Reihe. Ich war Präsentator bei der Leichtathletik und beim Schwimmen. Und ich weiß noch, dass wir beim Schwimmen in der prallen Sonne standen, die Hemden waren sofort durchgeschwitzt.

Interview: Bernd Brudermanns

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