Mit 12 war Laura spitze

Deutsches Wunderkind: Neuer Anlauf in Wimbledon

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Laura Siegemund im Jahr 2001 als 13-Jährige (r.) sowie auf einem aktuelleren Foto.

London - Laura Siegemund wurde einst als neues deutsches Tennis-Wunderkind gefeiert. Jetzt wagt sie einen neuen Anlauf, ausgerechnet in Wimbledon, wo sie erstmals teilnimmt.

Es gibt eine deutsche Spielerin, die schon überglücklich ist, die wunderschöne Anlage an der Church Road überhaupt betreten zu dürfen: Laura Siegemund, 27-jährige Schwäbin, einst als neues deutsches Wunderkind gefeiert. Nach harten Jahren und vielen vergeblichen Anläufen hat sie es erstmals ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Wettbewerbs geschafft. Am Ende der „langen Reise“ sei es jetzt „ein großartiges Gefühl“, sagt Siegemund.

Im zarten Alter von zwölf Jahren war sie die weltbeste Spielerin ihrer Altersklasse, mit inzwischen 27 Jahren ist sie sogar schon eine der vielversprechendsten Trainerinnen der Republik – sogar amtlicherseits vom DTB 2012 als Jahrgangsbeste des A-Schein-Lehrgangs ausgezeichnet. Und sie meistert nebenher noch als Fernstudentin an der Universität Hagen ein Psychologie-Studium. „Es ist ein schwieriger Spagat, aber inzwischen finde ich die richtige Balance zwischen Tennis und dem Studium“, sagt die in Stuttgart lebende Athletin.

Dabei wollte sie sich 2012 schon vom Profitennis verabschieden, als sie plötzlich auf Touren kam. „Die erfolgreiche Trainerausbildung gab mir einen Schub. Da habe ich viel für mich selbst gelernt“, sagt Siegemund. Es ging aufwärts, erst unter die besten 200, dann unter die besten 150 der Welt – und nun, mit der geglückten Hauptfeld-Qualifikation für Wimbledon, knapp an die besten Hundert heran. Leicht war das nicht immer für Siegemund und ihre Trainer, sagt sie selbst: „Als Spielerin bin ich ein zweischneidiges Schwert: Schwierig und sehr anstrengend, aber auch diszipliniert, ehrgeizig und zielgerichtet. Ein Trainer kann da auch mal genervt sein, weil ich immer meinen Senf dazugebe und alles hinterfrage.“

Anfang des neuen Jahrhunderts war Siegemund zur „neuen Steffi Graf“ (Sportbild) ausgerufen worden, selbst der Spiegel widmete der Zwölfjährigen ein Porträt. Es sei eine „verrückte Zeit“ gewesen, sagt Siegemund heute. „In dem Alter ist es aber unmöglich zu sagen, was einmal im Tennis aus dir wird.“

Andere überholten sie, die Kerbers, Görges’, Petkovics und Lisickis – jene Spielerinnen, die das neue deutsche Fräuleinwunder vertraten. Siegemund freute sich neidlos mit ihnen und kümmerte sich ums eigene berufliche Vorankommen. „Meine Ausbildung war mir am wichtigsten, wichtiger als das Tennis“, sagt Siegemund. Die Bezeichnung Profispielerin ließ sie für sich selbst gar nicht mehr durchgehen, jedenfalls bis Mitte letzten Jahres: „Ich trainiere eineinhalb Stunden. Da kannst du keine großen Ziele erreichen.“

Jetzt ist sie wieder näher herangerückt an die Spitze. Und ist endlich auch zur Grand- Slam-Spielerin geworden, im elften Qualifikationsanlauf. „Ich will Wimbledon genießen“, sagt Siegemund vor dem Spiel gegen die Russin Svetlana Kusnetsowa am Dienstag. Siege schließt der Genuss aber keineswegs aus.

Jörg Allmeroth

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