Corona-Fälle bei Adria-Tour

Unterstützung für Djokovic: Kritik überzogen und unbegründet

Bekommt wegen der umstrittenen Adria-Tour Rückendeckung von Goran Ivanisevic (r): Novak Djokovic. Foto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa
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Bekommt wegen der umstrittenen Adria-Tour Rückendeckung von Goran Ivanisevic (r): Novak Djokovic. Foto: Peter Klaunzer/KEYSTONE/dpa

Tennis-Star Novak Djokovic hat als Organisator eines Turniers wegen des laxen Umgangs mit den Hygieneregeln viel Kritik einstecken müssen. Nun erfährt der ebenfalls Coronainfizierte Djokovic Rückendeckung von alten und aktuellen Weggefährten.

Belgrad (dpa) - Nach der andauernden Kritik an Novak Djokovic wegen seiner Adria-Tour haben sich aktuelle und alte Weggefährten hinter den Tennis-Star gestellt.

"Ich finde es nicht richtig, Novak alleine die Schuld zu geben", sagte Trainerlegende Niki Pilic dem "Münchner Merkur". "Die anderen Spieler haben auch alle bereitwillig mitgemacht. Nur auf Novak einzuprügeln ist zu einfach", betonte Pilic, der den jungen Djokovic einst in seiner Münchner Tennis-Akademie unterrichtete.

"Natürlich lief nicht alles perfekt. Mussten es wirklich 4000 Zuschauer sein? Hätte man viel intensiver testen müssen?", sagte Pilic weiter. Dennoch habe Novak nichts Schlechtes im Sinn gehabt. Dafür kenne er ihn zu gut, betonte Pilic. "Hier wollte er anscheinend mit aller Macht etwas beweisen, wofür es noch zu früh war." Das sei ein Fehler gewesen.

Auch Djokovic's aktueller Trainer Goran Ivanisevic stellte sich hinter seinen Schützling. Es sei unklar, ob sich der wie Djokovic positiv getestete Bulgare Grigor Dimitrow bei der Serie infiziert habe, sagte der einstige Wimbledonsieger Ivanisevic der "New York Times".

Dimitrow sei aus Los Angeles nach Serbien gereist und von dort nach Bulgarien, ehe er zur Station im kroatischen Zadar kam. Nach Absprache mit den örtlichen Gesundheitsbehörden habe es zunächst keine Notwendigkeit gegeben, asymptotische Spieler zu testen. "Er erschien am Mittwoch und hatte Probleme mit dem Ellbogen", sagte Ivanisevic. Das erste Mal habe sich Dimitrow am Freitag über generelles Unwohlsein beklagt. Das erste Match gegen den ebenfalls infizierten Kroaten Borna Coric habe er dann am Samstag bestritten, bevor er noch am gleichen Tag sein zweites Spiel absagte und nach Monaco zurückkehrte, berichtete Ivanisevic weiter.

Der Vater von Djokovic sieht in Dimitrow gar den Hauptschuldigen für die positiven Fälle. "Dimitrow hat unserer Familie großen Schaden zugefügt", sagte Srdjan Djokovic der serbischen Tageszeitung "Kurir". "Warum ist das passiert? Der Mann ist wahrscheinlich mit einer Infektion angereist von was-weiß-ich woher. Er hat sich hier nicht testen lassen und auch nicht anderswo."

Die laxen Hygienemaßnahmen und ein Video sorglos feiernder Tennisprofis auf der Adria-Tour hatten für viel Kopfschütteln gesorgt. Am Montagabend hatte nach Dimitrow und Coric auch der Serbe Viktor Troicki einen positiven Test öffentlich gemacht. Alle drei hatten an dem Show-Event an der Adria teilgenommen. Der 33 Jahre alte Djokovic gab am Dienstag bekannt, dass er positiv getestet wurde.

Die Chefin der Frauen beim Deutschen Tennis Bund (DTB), Barbara Rittner, äußerte sich mit Entsetzen über die Ignoranz des Organisators Djokovic. "Die Abstandsregelung und Maskenpflicht haben ihre Berechtigung", sagte sie in einem Podcast mit dem Sender Eurosport (Mittwoch). Alle müssten die Dinge, die nachweislich helfen, respektieren. "Ich fand es einfach ein unheimlich schlechtes Zeichen allen anderen gegenüber: respektlos, ignorant, fast schon arrogant - das hat mich unheimlich genervt", so Rittner.

Die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags, Dagmar Freitag, übte auch Kritik an der Teilnahme des deutschen Tennis-Stars Alexander Zverev an dem Turnier. Menschen, denen aus unterschiedlichsten Gründen eine Vorbildwirkung zugeschrieben wird, sollten sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst sein, sagte Freitag der "Rheinischen Post".

© dpa-infocom, dpa:200624-99-547171/4

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