Doping-Krimi: Spur führt ins Ausland

Mantua/Berlin - Bei den staatsanwaltlichen Ermittlungen in der Doping-Affäre rund um das italienische Lampre-Radsport-Team könnten auch Spuren ins Ausland und zur Wiener Blutbank Humanplasma führen.

Das bestätigte am Donnerstag in der “Gazzetta dello Sport“ der zuständige Staatsanwalt Antonio Condorelli in Mantua. “Es gibt Elemente, die auf Beziehungen zu anderen Ländern hindeuten. Es sind ausländische Athleten unter den Personen, gegen die ermittelt wird“, sagte Condorelli, der auch einräumte, dass es “zum Labor Humanplasma Verbindungen geben könnte“. Ausländische Staatsanwaltschaften seien allerdings noch nicht um Amtshilfe gebeten worden.

Danilo Hondo taucht nicht auf der von der Zeitung auszugsweise veröffentlichten Liste auf, in der die Radprofis, Ärzte, Betreuer und Funktionäre genannt werden, gegen die Untersuchungen laufen. Hondo, dessen Dopingsperre vor drei Jahren ablief, fährt seit Jahresbeginn für Lampre. Insgesamt werde gegen 15 aktuelle oder ehemalige Lampre- Fahrer, darunter Ex-Weltmeister Alessandro Ballan (jetzt BMC) und den ehemaligen Giro-Sieger Damiano Cunego, wegen des Besitzes oder der Nutzung von Dopingmitteln ermittelt. Hauptverdächtiger soll der Apotheker und Pferdetrainer Guidi Nigrelli sein, seit 30 Jahren ein guter Freund des Lampre-Teammanagers Giuseppe Saronni.

Diese Sportstars standen unter Dopingverdacht

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: «Setzt mich wieder auf mein Rad». Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt. © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schumacher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa
Nach mehr als zehn Jahren voller Vorwürfe hat Lance Armstrong gestanden, bei all seinen sieben Tour-de-France-Siegen gedopt zu haben. Bei US-TV-Talkerin Oprah Winfrey legte er eine Beichte ab: Ja, er habe illegale leistungssteigernde Substanzen wie Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen eingenommen. © dpa

“Wir ermitteln wegen Handels mit Doping-Präparaten im Zeitraum seit 2008. Die interessantesten Dinge stammen aus dem Jahr 2009. Die Auflistung im Verzeichnis der Personen, gegen die ermittelt wird, bedeutet absolut noch nicht, dass jemand in irgendeiner Weise schuldig ist. Die Personen, gegen die ermittelt wird, sind bereits davon unterrichtet. Bei Durchsuchungen wurden einige relevante Dinge gefunden. Wir müssen die Ermittlungen bis Ende Mai abschließen“, sagte Condorelli der “Gazzetta“.

Humanplasma wies am Donnerstag eine Verwicklung in die Affäre als “völlig ausgeschlossen“ zurück. Die Gerüchte seien rufschädigend, erklärte die Geschäftsleitung und leitete rechtliche Schritte ein. Bei der Wiener Blutbank hatten sich zwischen 2003 und 2006 rund 30 Ausdauersportler außerhalb der Geschäftszeiten Blut abnehmen lassen. Prominentester Kunde war der österreichische Radprofi Bernhard Kohl, der später Doping gestand. Humanplasma hatte 2009 Selbstanzeige bei den Steuerbehörden erstattet.

Die Affäre um Lampre war ins Rollen gekommen, nachdem über Ostern die Häuser der Lampre-Profis Alessandro Petacchi und Lorenzo Bernucci durchsucht worden waren. Bei Bernucci wurden verbotene Medikamente sichergestellt. “Niemand aus unserem Team hat sich unkorrekt verhalten“, betonte Teammanager Saronni. “Nigrelli war nie einer unserer Angestellten“, stellte der Ex-Profi klar. Der 36-jährige Sprinter Hondo hatte der Nachrichtenagentur dpa zu Wochenbeginn erklärt, er kenne den Namen Nigrelli nur aus der Zeitung und hätte den Saronni-Freund “nie beim Team“ gesehen.

Der medizinisch ausgebildete Pferde- und Radsportfachmann Nigrelli zeigte sich in der “Gazzetta“ am Donnerstag “erschüttert darüber“, dass er mit der spanischen Dopingaffäre um den Gynäkologen Eufemiano Fuentes “und mit Österreich“ in Verbindung gebracht werde. “Die Ermittlungen beziehen sich nicht auf die Verabreichung von Medikamenten oder Missbrauch eines medizinischen Berufes. Es geht also nicht etwa um Fälschung von Rezepten. Die Teamärzte von Lampre bestellen bei mir absolut reguläre Präparate. Ab und zu kommen Radprofis zu mir, um ganz normale Tests zu machen. Das ist legal. Ich gebe den ein oder anderen Rat bezüglich Ernährung“, verteidigte sich Nigrelli.

dpa

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