Vernebelung statt Aufarbeitung

Dopingopfer kritisieren DOSB-Präsident Bach

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DOSB-Präsident Thomas Bach steht in der Kritik.

Düsseldorf - Der Dopingopfer-Hilfeverein (DOH) hat vor der Sondersitzung des Bundestags-Sportausschusses an diesem Montag den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kritisiert.

Der DOSB würde die Ergebnisse der Studie zum West-Doping auf unseriöse Art herunterspielen und die eigene Verantwortung darin ausschlagen, hieß es in einer DOH-Mitteilung am Sonntag.

Im Hinblick auf die Doping-Strukturen im westdeutschen Sport müssten auch die Namen der damals handelnden Personen öffentlich gemacht werden, forderte die DOH-Vorsitzende Ines Geipel. „Fest steht, dass es die deutsche Einheit im Denken der Doping-Akteure schon seit den frühen 70er Jahren gegeben hat“, sagte sie. „Es ist längst Zeit für einen Bruch damit. Zugleich gibt es klare Unterschiede zwischen Ost und West.“

Die Dopingaufarbeitung in Deutschland dürfe mit der aktuellen Studie auf keinen Fall beendet sein. Der DOH fordert den DOSB und das Bundesinnenministerium auf, den unausgeführten Forschungsauftrag für die Zeit von 1990 bis heute erneut umgehend auszuschreiben. „Nach wie vor gebe es personelle Kontinuitäten an Doping-Trainern, Medizinern und Wissenschaftlern“, sagte Geipel.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey  © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede...  © Getty
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Martina Hingis, die Schweizer Version von Zahnpasta-Dieter Baumann: Jemand soll ihr Koks in den Fruchtsaft gemischt haben. Sieht ja auch aus wie Süßstoff... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
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Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
Doping - die dümmsten Ausreden
Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Der DOH kritisiert zudem, dass die Führung des DOSB den Prozess der Transparenz und Nachhaltigkeit eher behindert als forciert. Es sei nicht hinnehmbar, dass DOSB-Präsident Thomas Bach Fragen nach seiner Verantwortung fortgesetzt ausweichen würde. Teil dieser „Politik des vernebelten Wirkens in Hinterzimmern“ sei die Tatsache, dass innerhalb des deutschen Sports längst eine intensive Diskussion um die Nachfolge von Bach im Gange ist. Deshalb fordert der DOH eine öffentliche Debatte darüber: „Die Zukunft des deutschen Sports kann keine Angelegenheit unhinterfragbarer Interessen sein.“

Außerdem bittet der DOH den Ethikrat des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die öffentlich im Raum stehenden Fragen zu Bachs aktueller IOC-Präsidentschaftskandidatur zu prüfen. „Wer den Weltsport führen will, muss für Glaubwürdigkeit sorgen“, hieß es in der DOH-Erklärung.

dpa

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