Nadal-Bezwinger im tz-Interview

Dustin Brown: "Da geht’s ums Überleben…"

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Die Presse ist fasziniert von Dustin Brown.

München - Am Donnerstag hatte Dustin Brown den „wahrscheinlich besten Tag meines Lebens“ und Ex-Champ Rafa Nadal in Wimbledon besiegt. Tags darauf traf die tz den 30-Jährigen zum Interview:

Herr Brown, bei vielen Spielern äußert sich die Persönlichkeit in der Art und Weise, wie sie spielen. Wie ist das bei Ihnen?

Brown: Ich weiß nicht, wie es aussieht, wenn ich spiele. Wenn wir uns Matches von mir ansehen, schwankt es zwischen: „Okay, das ist ein guter Schlag“ und „das war dumm“. Ich muss akzeptieren, dass mein Spiel eine große Spanne hat.

Ihre Eltern – Sie haben eine deutsche Mutter und einen jamaikanischen Vater – finanzierten Ihnen einst den Einstieg ins Tennis, halfen mit einem Campingwagen für die Reisen aus…

Brown: …dafür bin ich ihnen auch ewig dankbar. Das Geld für teure Hotels war nicht da, so bin ich halt mit dem Buggy rumgefahren, habe sogar für andere Spieler mal die Schläger für ein kleines Honorar bespannt. Von meinen Eltern habe ich auch diese deutsch-jamaikanische Mischung geerbt: Ich bin jemand, der Pünktlichkeit und gute Organisation schätzt. Aber ich bin auch ein Typ, der so eine karibische Entspanntheit hat.

Sie sind der einzige mit Rasta-Frisur.

Brown: Ich bin, wie ich bin. So war ich mein ganzes Leben. Natürlich ist es schön, wenn die Leute das mögen. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich mich zu sehr darum kümmern würde, was die Leute über all das denken, was ich tue, hätte ich wahrscheinlich nicht diese Frisur. Ich könnte ja auch hier sitzen und fragen: Warum seid ihr alle anders als ich? Das ist eine schwierige Frage. Ich versuche nicht, mich irgendwie zu geben. So bin ich und so bin ich immer gewesen.

Vor ein paar Wochen tourten Sie noch in der Challenger-Serie umher, in der Zweiten Tennis-Liga. Jetzt spricht die ganze Welt über Sie.

Brown: Vor zwei Jahren war das ähnlich, als ich hier gegen Hewitt gewann. Das war auch schon verrückt, ein riesiges Medieninteresse. Aber ich konzentriere mich ganz auf das Turnier, nicht auf das, was um mich herum geschieht. Wimbledon 2015 ist noch nicht zu Ende für mich, ich will ins Achtelfinale, in die zweite Woche – darum geht es.

In jedem Fall haben Sie Nadal am richtigen Platz, zur richtigen Zeit geschlagen.

Brown: Wimbledon ist natürlich wie ein Turbo. Es macht alles noch mal um ein Vielfaches größer. Ich habe auch schon ein paar tolle Siege gehabt, etwa gegen den Weltklassemann Verdasco in Houston, das hat keine Sau daheim interessiert. Nadal, das ist natürlich jetzt auch eine andere Liga, schon nach dem Sieg in Halle letztes Jahr gegen ihn war die Hölle los, tausend Glückwünsche, tausend Mails.

Was bedeutet Wimbledon für Sie?

Brown: Ein wunderbarer, traumhafter Ort, den man umso mehr schätzen lernt, wenn man sich in der Qualifikation durchsetzen muss. Denn die findet ganz woanders statt, in Roehampton, und das ist schon eine Plackerei ohne Grand-Slam-Flair. Da geht’s nur ums nackte sportliche Überleben.

Interview: Jörg Allmeroth

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