Es ist Zeit für einen Deutschen!

Es gibt einen Ausdruck, der „Crash-Kids“ heißt – seit dem Wochenende hat der Begriff aus dem Jugendjargon für mich eine ganz andere Bedeutung.

Johannes und Ferdinand, meine beiden Söhne, hatten Unfälle und der Vater musste machtlos zusehen. Ich war mit Johannes beim Langstreckenpokal am Nürburgring aktiv. In verschiedenen Autos allerdings. Ich bin gerade mit meinem Lamborghini losgefahren, als mir mein Team per Funk mitteilte, dass Johannes einen schweren Unfall hatte. Es hatte ein Missverständnis bei der Einfahrt zur Boxenstrasse gegeben. Die Folge: Sein Porsche wurde mit voller Wucht in die Boxenmauer geschleudert. Der Aufprall war so heftig, dass der Motor den Sitz nach hinten verschoben hatte. Sofort teilte man mir mit, dass Johannes relativ okay sei und die Ärzte ihn versorgen würden. Ich würde nur stören. Deshalb beschloss ich, weiter zu fahren. Dass meine Gedanken bei meinem Jungen waren, ist ja klar.

Es stellte sich im Krankenhaus in Trier heraus, dass Johannes eine schwere Gehirnerschütterung hatte und Prellungen am ganzen Körper. Abends war er schon wieder so weit, dass ich ihn zu unserer Wohnung am Nürburgring bringen konnte. Er erinnerte sich an nichts mehr, was den Unfall betrifft. Ich sagte ihm: „Das ist auch besser so!“ Ferdinand, mein Jüngster, wurde beim Rennen der ADAC-Junior-Formel in Assen schon beim Start abgeschossen. Allerdings gab es nur Blechschaden und einen Riesenwutanfall, weil er nichts für den Unfall konnte…

Am Sonntag habe ich mich riesig über den Mercedes-Sieg in Hockenheim gefreut. Der Fluch war besiegt, nach zehn Jahren hatte es für Mercedes endlich wieder geklappt. Es war gigantisch, welchen Speed Lewis Hamilton mit dem Silberpfeil fahren konnte. Selbst eine unglückliche Strategie konnte ihn nicht stoppen. Lewis hätte einen Kaffee mit den Streckenposten trinken können, er hätte trotzdem gewonnen. Mercedes baut das beste Formel-1-Auto, deshalb ist es an der Zeit, dass Dr. Zetsche & Co. endlich einen deutschen Piloten in den Silberpfeil setzen. Nichts gegen Kovalainen – aber der deutsche Automobilmarkt ist halt mal mit der wichtigste und wenn sogar ausländische Firmen wie Toyota Deutschen – in diesem Fall Timo Glock – unter diesem Aspekt mehr als gerne ein Cockpit geben, dann frage ich mich: Warum in aller Welt sollte Mercedes das nicht endlich tun? BMW ist jedenfalls mehr als happy, dass sie einen Heidfeld haben. Mit Rosberg, Vettel und Glock könnte ich auf Anhieb drei Piloten nennen, die das könnten. Gut, Vettel und Glock haben längerfristige Verträge, aber Nico? Und selbst wenn er bei Williams gebunden ist: Hat Mercedes nicht auch 2002 irre viel Geld ausgegeben, um einen Finnen Sauber abzukaufen? Ich rede von Kimi Räikkönen.

Ich denke dabei auch an die fleißigen Fließbandarbeiter in Untertürkheim. Die hören nach Siegen der Silberpfeile immer wieder „God save the Queen“. Wie stolz wären sie erst, wenn mal die deutsche Hymne gespielt würde, wenn ihr Auto gewonnen hat?

Striezel Stuck

Quelle: tz

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