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Deutsche Lauf-Hoffnung Konstanze Klosterhalfen vor der EM: „Bindung an Deutschland hat sich verstärkt“

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Von: Nico-Marius Schmitz, Philipp Kessler

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Leichtathletik: Weltmeisterschaft
In guter Form: Konstanze Klosterhalfen. © Michael Kappeler

Konstanze Klosterhalfen wagt den Doppelstart. Bei der EM in München greift die 25-Jährige über die 10 000 m und 5000 m an. Die Bonnerin nahm sich Zeit für ein Interview mit unserer Zeitung.

Beim Diamond League Meeting in Polen haben Sie sich mit einer starken Leistung zurückgemeldet. Wie wichtig war das für München?

Konstanze Klosterhalfen: Dieses Gefühl, wieder Stärke in mir zu haben und konkurrenzfähig zu sein, war ganz wichtig für mich. Das hat mir auf jeden Fall Selbstvertrauen für München gegeben. Es war ganz gut, noch mal eine Rennbelastung zu haben. Hintenraus war es auch relativ schnell, das ist auch immer gut für Meisterschaftsrennen.

Sie haben sich entschieden, die 5000 und die 10 000 Meter laufen. Warum?

Klosterhalfen: Ich wollte immer schon mal einen Doppelstart versuchen. Vor heimischer Kulisse ist nun ein guter Zeitpunkt dafür. Die letzten Wochen waren vom Training her ganz gut. Mein Coach war zufrieden. Aber auch vor der WM in Eugene hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl...

Welche Ziele haben Sie sich für die EM in München gesetzt?

Klosterhalfen: Ich bin allgemein in einer besseren Situation als vor der WM, wo ich auch nochmal eine Trainingspause einlegen musste. Generell möchte ich mich von diesem reinen Resultat-Denken lösen und bei mir und den Rennen bleiben. Es wird hart und anspruchsvoll. Aber ich hoffe, dass ich mit einem Lächeln wieder abreisen kann.

Konstanze Klosterhalfen
Freut sich auf München: Konstanze Klosterhalfen. © Foto: Red Bull

Sie haben mal gesagt, wenn Sie laufen, fühlt es sich so an als würden Sie fliegen. Wie stellen Sie sich die Flüge durchs Münchner Olympiastadion vor heimischer Kulisse vor?

Klosterhalfen: Das ist immer das beste Gefühl. Das hatte ich in der Mitte der Saison oder auch in Eugene ein bisschen verloren. Wenn man im Rennen nachdenken kann, ist es nie ein gutes Zeichen. Ich hoffe, dass ich zu dem Gefühl in München wieder zurückfinden kann. Mit der Unterstützung des heimischen Publikums kann es gut werden. Ich freue mich unheimlich drauf. 

Sie haben die WM bereits angesprochen, da sind Sie bereits im Vorlauf ausgeschieden. Sie haben gesagt, es war die härteste Runde Ihres Lebens und Sie waren ratlos. Haben Sie mittlerweile eine Erklärung dafür?

Klosterhalfen: Vergessen ist es nicht. Im Nachhinein denke ich, der Wettkampf kam zu früh nach meiner Corona-Infektion. Da haben mir die zwei Wochen, die ich davor aussetzen musste, gefehlt. Wahrscheinlich steckte zudem immer noch etwas von der Infektion in meinem Körper. Aber das ist mittlerweile so gut es geht abgehakt. Umso schöner ist, dass wir jetzt München haben und sich das Gefühl wieder zum Positiven wenden kann.

Nach schlechten Rennen kommen die Kritiker schnell wieder hervor. Läuft es bei Ihnen sehr gut, heißt es oft, solche Leistungen können doch nicht möglich sein und diese wären über Ihrer Leistungsgrenze. Wie gehen Sie damit um?

Klosterhalfen: Diese Extreme gehen wirklich wahnsinnig schnell. Seitdem ein bisschen mehr über mich in der Öffentlichkeit berichtet wird, habe ich immer versucht, die äußere Meinung auszublenden. Klar, das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn man sich selbst über Dinge Gedanken macht oder man eine schwierige Verletzungszeit durchmacht. Aber mir tut es gut, es einfach ausblenden.

Wie schaffen Sie das auszublenden?

Klosterhalfen: Das ist nicht immer einfach. Man bekommt ja auch mit, was über einen geschrieben wird. Vor allem in den Sozialen Netzwerken. Ich versuche, mich darauf zu konzentrieren, was die Menschen, die mir wichtig sind, über mich denken. Wenn man dem zuhört, kann man auch die anderen mehr reden lassen. Die Außenstehenden wissen nie, was wirklich Sache ist. Manchmal ist es ganz witzig, wenn etwas berichtet wird, von dem nicht einmal ich selbst Bescheid wusste.

In Deutschland hat man das Gefühl, Sie können es wenigen Menschen recht machen, obwohl Sie als Jahrhundert-Talent gelten. 

Klosterhalfen: Es gibt immer negative Stimmen. Aber eigentlich bekomme ich immer positive Rückmeldungen. Ich glaube, wir haben eine ganz gute Balance gefunden, zwischen sich nicht zu rar zu machen, weil ich in den USA weit weg bin und dem Training sowie Wettkämpfen. Generell hat sich meine Bindung an Deutschland sogar verstärkt. Heimat war mir immer wichtig. Ich wurde und werde in Deutschland immer mit offenen Armen aufgenommen. Das schätze ich sehr und dafür bin ich sehr dankbar. 

Sie leben und trainieren seit Jahren in den USA. Weil ein Training in Deutschland auf diesem Niveau gar nicht möglich wäre?

Klosterhalfen: Ich habe bis Ende 2018 noch mit meinem Jugendcoach in Deutschland trainiert und wir haben es super gemacht. Dann war aber die Zeit da, den nächsten Schritt zu gehen und mich weiterzuentwickeln. Es gibt auch tolle Trainingsgruppen in Deutschland. Aber es ist schwer, auf dem höchsten internationalen Niveau gute Trainingspartner zu finden. Dann habe ich die Möglichkeit bekommen, in die USA zu gehen und im damals noch sogenannten Oregon Project zu trainieren. Da habe ich die besten Bedingungen vorgefunden. Da war das beste Team im Laufbereich mit weltweit erfolgreichen Athleten. Ich bin sehr dankbar dafür, diesen Schritt habe machen zu dürfen.

Inwieweit hat Sie diese Erfahrung auch persönlich verändert?

Klosterhalfen: Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ich hatte zwar viele Leute, die mir geholfen hatten. Aber im Alltag war ich auf mich alleine gestellt. Da gab es schon viele Situationen, an denen ich gewachsen bin. Meinen Charakter hat es auch gestärkt. An dem Schritt bin ich gewachsen.

Wie sieht ein Trainingstag von Ihnen aus?

Klosterhalfen: In den letzten Wochen konnten wir wieder in die alten Muster zurückkehren, weil ich bislang körperlich ganz gut durchgekommen bin. Das war die letzten zwei Jahre nicht ganz so einfach. Da mussten wir oft alternativ trainieren. Ich habe jetzt zwei Mal täglich Training, dann kommen pro Woche noch zwei Krafteinheiten hinzu. Dann gibt es auch noch physiotherapeutische Behandlungen. Schlussendlich ist jeder Tag vollgepackt mit Training (lacht). 

Ein straffes Programm. Das, was Ihnen schwerfällt, ist einen Tag mal nicht an Sport zu machen.

Klosterhalfen: Daran muss ich immer noch arbeiten. Mein Coach hat mir am Donnerstag noch geschrieben, ich soll mich endlich mal erholen. Das ist super schwer für mich. Vor allem, wenn man wie jetzt vor den Wettkämpfen angespannt ist. Ich versuche, daran zu arbeiten. Denn Erholung gehört wie die Belastung dazu. Nur Hart trainieren kann jeder. Aber sich mal rauszunehmen, fällt schwer.

Hilft Ihnen Ihre Querflöte beim Abschalten?

Klosterhalfen: Die habe ich wieder meiner Familie nach Deutschland mitgegeben, weil ich so selten in Portland war. Darauf freue ich mich, wenn ich wieder zuhause bin. Aber ich schaffe es auch so, immer einen Ausgleich zu finden. Nachmittags war ich jetzt mal Kajak fahren auf dem Fluss. 

Das ist aber auch aktiv. Ein Tag auf der Couch wäre vermutlich nichts für Sie?

Klosterhalfen: In der Sonne könnte ich es schon mal auf einer Liege aushalten. Aber ich lasse mich ja auch ab und an treiben auf dem Fluss (lacht).

Interview: Philipp Kessler und Nico-Marius Schmitz

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