1. tz
  2. Sport
  3. Mehr Sport

Ukrainerin Romantschuk springt für ihr ganzes Land: „Wollen ohne Russland leben“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nico-Marius Schmitz

Kommentare

Maryna Bech-Romantschuk
Hoffnungsträgerin: Maryna Bech-Romantschuk © Foto: Imago

Maryna Bech-Romantschuk erlebt die Freude der Menschen in München. In ihrer Heimat, der Ukraine, herrscht weiter Krieg. Mit dem Merkur sprach die 27-Jährige über Kontakt zur Familie und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

München – Maryna Bech-Romantschuk ist aktuell zwischen zwei Welten hin- und hergerissen. Hier in München, wo sie im morgigen Weitsprung-Finale (20.48 Uhr/ARD) als ärgste Konkurrentin von Malaika Mihambo gilt, sind alle gut drauf, sie wird gefeiert. „Ich mag es, in Deutschland zu springen. Hier ist immer so eine super Atmosphäre. Die Leute feuern uns alle an, ich genieße das sehr“, sagt Romantschuk unserer Zeitung.

Zuvor hatte sie auch im Dreisprung souverän das Finale erreicht. In ihrer Heimat, der Ukraine, tobt weiter Russlands Angriffskrieg. Die 27-Jährige wollte zu Beginn erst in der Ukraine bleiben, als Freiwillige helfen. Schließlich floh sie doch nach Italien, um dort trainieren und Botschafterin für ihr Land sein zu können. Seit Monaten lebt die Sportlerin aus zwei Taschen, immer auf der Reise, muss ständig neue Wege finden, um zu trainieren. Eine Basis gibt es nicht mehr. „Es ist eine harte Zeit für alle ukrainischen Sportler. Du machst Leistungssport, sorgst dich aber jeden Tag um dein Land, deine Familie, deine Freunde.“

Romantschuk telefoniert fast täglich mit ihrer Familie, nur vor Wettkämpfen versucht sie, einen freien Kopf zu bekommen. Wenn sie mit ihrer Mutter redet, ist im Hintergrund Raketenalarm zu hören. Wenn sie die Nachrichten mit neuen Explosionen aus der Ukraine sieht, ruft sie sofort an: Mama, alles gut bei dir? Seit fünf Monaten ist Romantschuk nun von ihrer Heimat, ihrer Familie, ihrem Bett getrennt. Wann geht es wieder zurück? „So schnell wie möglich. Wir sind so ein wunderschönes und freies Land. Und wir sind stark. Ich hoffe, dass wir schnell gewinnen“, sagt sie: „Wir wollen einfach ohne Russland leben, es ist ein Terroristenstaat.“ Ihr Mann, Mychajlo Romantschuk, trainiert in Deutschland mit Florian Wellbrock. Kürzlich kürte er sich in Rom über die 1500 m Freistil zum Europameister.

Zieht Maryna am Donnerstag nach? „Hoffentlich,“, lacht sie: „aber Malaika ist so schwer zu schlagen.“ Die Beiden verstehen sich gut. Als der Krieg begann, erkundigte sich Deutschlands Olympiasiegerin nach dem Wohlergehen von Romantschuk. „Ich bin mit ihr über das Sportliche hinaus auch in dieser Zeit verbunden“, sagt Mihambo. „Malaika ist so nett. Ich mag es, mich mit ihr zu unterhalten und in ihrer Nähe zu sein. Wir sind wirklich gute Freunde geworden“, sagt die Ukrainerin. In der Qualifikation gelang ihr mit 6,87 Metern hinter Mihambo (6,99) die beste Weite. Aber für Romantschuk geht es in München um viel mehr als nur Medaillen. Sie will ihrem Land Hoffnung schenken: „Ich muss weit springen. Ich springe zuallererst für mein Land, für meine Familie, meinen Freund, meinen Trainer. Erst dann springe ich für mich.“

Von Nico-Marius Schmitz

Auch interessant

Kommentare