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Marathon „gesundheitsgefährdend“? Athleten befürchten EM-Hitzeschlacht in München

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Von: Marius Epp

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Ein Höhepunkt der European Championships in München ist der Marathon. Die Athleten laufen Sturm gegen die Veranstalter - sie befürchten ein Hitze-Drama.

München - Mit den European Championships steht der Stadt München die größte Sportveranstaltung seit den Olympischen Spielen 1972 ins Haus. Nicht nur die Leichtathletik-EM findet vom 11. bis 21. August statt, auch in acht weiteren Sportarten werden Europameister und Europameisterinnen ermittelt.

In die Vorfreude mischt sich nun aber auch scharfe Kritik - und zwar aus dem Lager der Marathonläufer. Zum Auftakt der Leichtathletik-Entscheidungen findet am 15. August der Marathonlauf statt. Die Uhrzeit sorgt für Diskussionen: Die Athleten sowie der deutsche Mannschaftsarzt haben kein Verständnis für den geplanten Startschuss um 11.30 Uhr (10.30 Uhr bei den Frauen).

European Championships: Marathon-Hitzeschlacht droht - „Wer macht diese Termine?“

Üblicherweise starten Marathon-Entscheidungen im Sommer immer recht früh am Morgen, um der Mittagssonne aus dem Weg zu gehen. In München soll es laut Wettervorhersagen am 15. August sonnig und zwischen 25 und 30 Grad heiß werden. Nicht gerade optimale Bedingungen, um 42,125 Kilometer zu laufen.

Richard Ringer nahm am Olympischen Marathon in Tokio 2021 teil.
Richard Ringer nahm am Olympischen Marathon in Tokio 2021 teil. © Takeshi Nishimoto/imago

„Wer macht diese Termine?“, wütet Deutschlands Marathon-Olympionike Richard Ringer bei RTL/ntv. „Wir wollen ja unsere Leistung zeigen. Es ist schon anstrengend genug, egal, wie die Bedingungen sind.“ Das Ganze habe einen „bitteren Beigeschmack“. Die letzte und gleichzeitig anstrengendste Phase des Marathons fällt ausgerechnet in den Sonnenhöchststand um 13.19 Uhr.

European Championships in München: Athleten laufen Sturm gegen Marathon-Ansetzung

„Das ist eine Zeit, bei der jeder Hausarzt sagt, man solle sich möglichst nicht belasten. Es gibt genügend Wissenschaft dazu“, erklärt DLV-Verbandsarzt Paul Schmidt-Hellinger.

„Keiner von uns in der Sportszene hat das verstanden“, äußerte auch Kollege Hendrik Pfeiffer seinen Unmut. „Wenn man mit Temperaturen mit 30 oder mehr Grad konfrontiert wird, dann kommen wir in Bereiche, in denen es gesundheitsgefährdend wird“, warnt er. Mehr als 50 Athletinnen und Athleten appellierten in einem offenen Brief an die Münchner Veranstalter, die Gesundheit der Starter zu schützen.

Bislang bewegte sich der europäische Leichtathletikverband (EAA) nicht. Bilder von umkippenden Marathonis oder Läufern in Rollstühlen will niemand - bei heißen Bedingungen sind sie aber leider nicht selten, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

Alle Infos zu den European Championships 2022 in München finden Sie hier. Auch bei den deutschen Ruderern läuft vor der EM nicht alles rund: Weltmeister Oliver Zeidler bezeichnete die Zustände im Verband als „Debakel“. (epp)

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