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Fabian Hambüchen: „Hennes gehört bei uns zu Hause dazu“

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Von: Hanna Raif

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„Diese Aktion trägt Stögers Handschrift“: Hambüchen mit dem Gips-Hennes.
„Diese Aktion trägt Stögers Handschrift“: Hambüchen mit dem Gips-Hennes. © picture alliance / Patrick Seege

Das Kölner Ehrenmitglied Fabian Hambüchen über sein schönstes Möbelstück, den Karnevals-Kater, Bayern-Schreck Modeste und sein Gold-Reck

Köln - Wenn der 1. FC Köln am Samstag den FC Bayern empfängt, ist Fabian Hambüchen (29) – ausgerechnet in München. Der Turn-Olympiasieger und Sportler des Jahres bereitet sich in der Landeshauptstadt auf seine am Montag anstehende Schulter-Operation vor – und wird seinem Klub aus der Ferne die Daumen drücken. Als Ehrenmitglied ist er sich sicher, dass der Karnevals-Kater nicht allzu stark sein wird – und der FC den Bayern Paroli bieten kann.

Herr Hambüchen, Peter Stöger wird mit dem Satz zitiert: „Der 1. FC Köln ist kein Karnevalsverein mehr.“ Stimmt das?

Grundsätzlich schon. Denn dieses Jojo-Spielen – erste Liga, zweite Liga, immer hin und her –, das gibt es ja seit ein paar Jahren nicht mehr. Und so gut wie dieses Jahr war der FC auch schon lange nicht mehr unterwegs. Das ist kein Karnevalsverein mehr mit einer Gruppe von Jecken, die dauernd aus der Reihe tanzen. Sondern eine sehr geschlossene Mannschaft, der man richtig gerne zuschaut.

Zumindest in dieser Woche durfte man aber Karnevalsverein sein. . . Wie schwer ist es, in Köln Professionalität und Karneval unter einen Hut zu bringen?

Wenn man in Köln lebt, hat man einfach schnell eine Affinität zu Karneval entwickelt. Ich war auch am Rosenmontag auf dem Zug, mir gefällt das. In Köln kann man sich da einfach nicht entziehen, auch die Fußball-Spieler nicht. Der FC hat einen eigenen Karnevalswagen, das hat die Woche schon dominiert. Aber einen Tag feiern und danach wieder fokussiert sein, geht ja auch.

Als was sind Sie gegangen?

Als Pinguin (lacht). Ein herrliches Ganzkörperkostüm, da war es mir schön warm drin.

„Köln wird versuchen, den Bayern das Leben schwer zu machen“

Die Karnevals-Bilanz des 1. FC Köln: Ein Sieg aus den letzten zehn Jahren. Da ist es besser, dass Bayern jetzt erst kommt, oder?

Das kann man so sagen. Köln wird versuchen, den Bayern das Leben schwer zu machen. Oft war es ja auch so, dass die Saison nach Karneval erst richtig los ging. Oft lief in der ersten Phase nicht so viel – nach Karneval aber waren die richtig gut drauf. Deshalb glaube ich, dass das ein richtig gutes Spiel wird. Und ich wünsche mir, dass die Kölner dem Manuel Neuer mal ein Ding reinknallen.

Modeste wäre ein Kandidat . . .

Eben. Der Typ ist zum einen eine Geheimwaffe und zum anderen ein FC Bayern-Schreck, denn er hat ja auch im Hinspiel (1:1, d. Red.) den Kölner Treffer erzielt. Wenn der den Ball kriegt, wird es immer gefährlich. Für Köln ist das ein überragender Spieler. Ohne Modeste würde es anders aussehen. Gerade wegen ihm dürfen die Bayern das Spiel nicht zu locker nehmen.

Aus China wurden 50 Millionen Euro für ihn geboten. Was denkt man als „normaler“ Leistungssportler über solche Summen?

Das sind utopische Summen, die da hin und her geschoben werden. Ich finde ich es übertrieben. Wenn andere Sportarten auch so honoriert werden würden, wäre es in Ordnung. Aber so ist der Unterschied einfach zu groß. Als Turner oder Randsportler ist das dann schon schade, dass die Gewichtung nicht passt.

Spricht die Tatsache, dass Modeste das Angebot abgelehnt hat, für das Heimatgefühl, das der FC seinen Spieler geben kann?

Auf jeden Fall. Bei Lukas Podolski hat man das doch auch gesehen. Der geht zu Bayern, fühlt sich da nicht wohl – und kommt zurück.

„In Köln ist es immer eine ganz besondere Stimmung“

Beschreiben Sie dieses „Effzeh“-Gefühl!

Es gibt überall Fans und Ultras, aber in Köln ist es immer eine ganz besondere Stimmung. Das Stadion ist nicht zu groß – das finde ich immer ganz wichtig, auch beim Turnen. Wenn die Leute nah dran sind, dann macht es Spaß. Sehr familiär. Da spielt auch das Flair in der ganzen Stadt mit rein, diese ganze Karnevals-Geschichte. Wenn man sich damit identifizieren kann, gibt es keinen schöneren Verein.

Ist die Identifikation seit dem Wiederaufstieg noch größer geworden?

In der zweiten Liga war das Stadion auch immer voll, die Kölner Fans sind supertreu. Aber seitdem Peter Stöger da ist, hat man ein gewisses Gefühl von Sicherheit.

Christian Streich hat über ihn gesagt: „Der ist cool wie ein Eisschrank.“

Da gebe ich ihm Recht, diesen Eindruck macht er. Der kann auch mal explodieren, das muss er auch. Ich persönlich habe ihn letztes Jahr beim Sportpresseball kennengelernt, ein supernetter Kerl! Und auch die Aktion, als ich Sportler des Jahres geworden bin, trägt seine Handschrift.

Der FC hat Ihnen dazu einen überdimensionalen Gips-Hennes geschenkt. Wo steht der denn heute?

Mitten im Wohn-/Essbereich, direkt am Esstisch. Da grinst er alle an. Der gehört schon richtig dazu bei uns zu Hause.

Hat Ihre Freundin das abgesegnet?

Ich sage mal so: Sie duldet und ignoriert ihn (lacht).

Was war Ihr schönster FC-Moment?

Ich war beim letzten Aufstiegsspiel live im Stadion. Das war einfach das geilste! Wie die Fans den Rasen gestürmt haben, wie die FC-Jungs nachher auf einer kleinen Bühne standen und sich bei Karnevals-Musik haben abfeiern lassen. Jeder war in Ekstase.

Das könnte womöglich nur eine direkte Qualifikation für die Europa League toppen, oder?

Der Traum lebt definitiv. Das wäre einfach der Hammer für Köln! Ich fand es ja schon super, dass sie im DFB-Pokal relativ weit gekommen sind. Wobei das Los, das ich gezogen habe, nicht das Beste war.

Stimmt. Sie haben als Losfee den HSV gezogen, Köln verlor im Achtelfinale.

Dabei dachte ich, ich habe gut gelost. Köln hatte in der Liga gegen Hamburg gewonnen.

Dank Ihnen kann sich Köln nun auf die Liga konzentrieren. . .

Stimmt. Guter Ansatz (lacht).

„Das waren sehr emotionale Dinge im letzten Jahr“

Auf was konzentrieren Sie sich im Moment – nach dem Olympiasieg, als Sportler des Jahres?

Ich denke immer wieder gerne zurück, das waren sehr emotionale Dinge im letzten Jahr, die noch ganz fest unter der Haut sitzen. Es ist einfach Wahnsinn, dass das alles geklappt hat. Einerseits habe ich viele Anfragen, viel zu tun. Andererseits denke ich aber auch mit einem weinenden Auge an den Leistungssport zurück, den ich jetzt nicht mehr in dieser Form betreibe. Ich vermisse das, diesen geregelten Tagesablauf. Ich würde gerne mehr trainieren, muss aber wegen der Schulter eine Zwangspause einlegen.

Am Montag steht die Operation an der schon lange lädierten Schulter an.

Genau, diese blöde Schulter! Aber auch daraus versuche ich das Positive zu ziehen. Ich freue mich richtig, dass nun die OP ist und die Reha. Darauf, mich da auszupowern, ein geregeltes Programm zu haben. Gar nichts tun, ist nichts für mich. Im Moment bin ich unausgeglichen.

Wie äußert sich das?

Ich bin hibbelig, ich habe die Hummeln im Po. Ich bin zwar abends müde, kann aber nicht schlafen, weil ich nicht ausgelastet bin. Da merke ich, dass ich mich nicht mehr so platt mache wie früher. Das ist eine Umstellung, mit diesem Energieüberschuss muss ich erst mal klarkommen.

Ihr Gold-Reck von Rio ist seit vergangener Woche bei Ihnen in der Turnhalle. Konnten Sie sich noch gar nicht dran hängen?

Doch, das habe ich mir nicht nehmen lassen, Schulter hin oder her – da musste ich ein Mal dran turnen.

Die Schulter für den Alltag hinkriegen

Wie ist der Plan nach der Operation?

Primär geht es darum, die Schulter für den Alltag und meine Zukunft so hinzukriegen, dass ich keine Einschränkungen habe. Aber das impliziert ja auch das Turnen. Wenn man etwas will und nicht kann, dann nervt mich das. Ich will ja nicht aufs Turnen verzichten. Bundesliga ist der Plan, ob es im Herbst schon klappt, weiß ich aber nicht. Ein halbes Jahr Pause brauche ich schon, bis ich wieder voll belastbar bin. Ansonsten halt im nächsten Jahr.

Und beruflich?

Mein Studium geht noch ein paar Semester. Und mit Blick auf Tokio 2020 lässt sich vielleicht auch in Richtung Medien noch was machen. Ich will mich da noch nicht festlegen. Ob es nachher im Trainer-Bereich endet oder nicht, weiß ich noch nicht. Erst mal brauche ich auch ein bisschen Abstand zu der Geschichte.

Fällt das schwerer als gedacht?

Es fällt sehr schwer. Aber ich bin auch noch gar nicht raus aus dem Turn-Zirkus. Ich bin nach wie vor bei jedem Wettkampf, versuche über Youtube auf dem neuesten Stand zu sein. Wer turnt was? Wie ist die Entwicklung? Ich kann das Turnen noch lange nicht ablegen. Und um ehrlich zu sein, will ich das auch nicht.

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