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„Der Alltag hat mich eingeholt“ - Schwimm-Olympiasieger Wellbrock vor der WM

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Von: Nico-Marius Schmitz

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Bei Olympia in Tokio gewann Florian Wellbrock Gold und Bronze
Bei Olympia in Tokio gewann Florian Wellbrock Gold und Bronze - in dieser Woche startet er in Abu Dhabi. © Laci Perenyi/imago

Florian Wellbrock (24) wurde im August in Tokio Freiwasser-Olympiasieger über zehn Kilometer und gewann Bronze über 1500 Meter im Becken. In dieser Woche tritt er, zusammen mit Freundin Sarah Köhler (27), in Abu Dhabi an.

München - Zuerst schwimmen Florian Wellbrock und Sarah Köhler den vorgelagerten Freiwasser-Weltcup, bei dem Köhler über die zehn km debütiert. Im Anschluss hüpft Wellbrock noch bei der Kurzbahn-WM ins Wasser und hofft auf weiteres Edelmetall. Die tz hat mit ihm über sein Sportjahr gesprochen.

Herr Wellbrock, wie schnell kommt man als Olympiasieger wieder im Alltag an?

Wellbrock: Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt. Allerdings ist er immer noch von Euphorie durch die Goldmedaille geprägt. Man merkt, dass man einen anderen Stellenwert hat und man anders wahrgenommen wird. Ich merke auch, dass das öffentliche Interesse gewachsen ist.

Mit etwas Abstand – wie lautet Ihr Olympia-Fazit?

Wellbrock: Es sind gemischte Gefühle. Es hätte besser laufen sollen. Über den vierten Platz (800 m) habe ich mich geärgert, auch mit Bronze (1500 ) war ich nicht hundertprozentig zufrieden. Auf der anderen Seite habe ich mir mit der Goldmedaille einen Kindheitstraum erfüllt. Und ich denke, auch mit zwei olympischen Medaillen kann man zufrieden nach Hause reisen (lacht).

Wie schwer war es nach Olympia, sich auf die Kurzbahn-EM im November in Kasan zu fokussieren?

Wellbrock: Ich habe da erst mal gar keine Gedanken da­ran verschwendet, sondern bin direkt wieder ins Training eingestiegen. Die Motivationskurve ging erst zwei, drei Tage vor der EM wieder nach oben.

Es gab Gold und Silber, haben Sie damit gerechnet?

Wellbrock: Das kam für mich und meinen Trainer überraschend. Das Training und die Vorbereitung liefen chaotisch, da viele private und berufliche Termine anstanden. Deshalb konnten wir die Einheiten nicht so konstant durchziehen. Dafür hat es echt super geklappt. Mit den zwei Medaillen und der Bombenzeit über die 1500 m konnte ich erhobenen Hauptes die Rückkehr antreten.
 

Wellbrock über Olympia: „In Tokio hätte es besser laufen sollen“

Sarah Köhler und Florian Wellbrock bei der 27. Verleihung der Goldenen Henne 2021 in der Kongresshalle am Zoo. Leipzig,
Sarah Köhler und Florian Wellbrock bei der 27. Verleihung der Goldenen Henne 2021 starten diese Woche in Abu Dhabi. © Frederic Kern/imago

Bei Olympia 2024 in Paris könnten Sie auf gleich vier Strecken in den Wettkampf starten. Eine realistische Option für Sie?

Wellbrock: Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt. Das wäre ein Hammerprogramm. Ich hätte auch dieses Jahr schon über die 400 m antreten können. Fürs Finale würde es reichen, ob ich allerdings auch eine Medaillenchance hätte, weiß ich nicht.

Sie haben sich Ihren Goldtraum erfüllt. Haben Sie schon Motivation für Paris?

Wellbrock: Nein, dafür ist Paris noch zu weit weg. Durch die Verschiebung habe ich seit 2019 jeden Tag für die Spiele in Tokio gebrannt. Den Druck muss man erst mal durchstehen. Wenn ich jeden Tag wieder mit derselben Anspannung und demselben Feuer starten würde – das würde ich psychisch nicht durchstehen. Jetzt stehen erst mal andere Wettbewerbe an, bei denen ich mich bestmöglich präsentieren will.

Was sind Ihre Ziele für die Kurzbahn-WM?

Wellbrock: Ich wäre froh, wenn ich eine ähnliche Zeit wie in Russland schwimmen kann. Diese Form zu bestätigen, wäre schon ein starkes Zeichen. Richtung Podium schiele ich natürlich immer, wenn eine Medaille am Ende rausspringt, umso besser.

Und danach gibt es auch für Sie erst mal eine Weihnachts-Pause?

WelIbrock: Über Weihnachten gönne ich mir sechs Tage Freizeit. Ich werde bei meiner Familie in Bremen sein, das ist etwas Besonderes für mich, weil ich dort besonders gut abschalten kann. 2021 hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Es war oft stressig, aber es war positiver Stress. Für die ganzen Wettkämpfe gebe ich schließlich jeden Tag alles und gehe an meine Grenzen.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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