Teil 2 des Interviews

Sebastian Vettel im tz-Interview: „Ich hoffe, man gibt Mick Zeit“

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Sebastian Vettel schwärmt von Mick Schumacher.

Am Sonntag startet die Formel 1 in Australien in eine neue Saison und Sebastian Vettel einen neuen Versuch, den WM-Titel zu gewinnen. Er spricht im zweiten Teil des tz-Interiews über Ferrari, Mick Schumacher und seinen Rücktritt.

München - Herr Vettel, Ferrari wird immer deutscher. Drei der sechs Fahrer sind Deutsche. Das Spezialbenzin von Shell kommt aus Hamburg. Einige wichtige Fahrzeugteile werden in Deutschland gefertigt. Spüren Sie das und macht Sie das ein wenig stolz?

Vettel: So ist mir das bisher noch gar nicht bewusst gewesen. Aber, ja, es macht mich stolz. Denn wir haben eine Menge Gründe, stolz auf unser Land zu sein. Auch was die Ausbildung zum Rennfahrer betrifft. Da hat Deutschland extrem gute Möglichkeiten geschaffen.

Inwiefern haben Sie mit der Verpflichtung von Pascal Wehrlein als Simulatorfahrer zu tun? Es ist ja kein Geheimnis, dass Sie sich sehr gut verstehen.

Vettel: Ich habe seinen Vertrag nicht unterschrieben. Aber als bei uns das Thema hochkam, habe ich unter anderem seinen Namen genannt. In der Tat verstehe ich mich gut mit ihm und ich weiß, er hat sehr großes Potenzial. Und ich bin sicher, dass er uns weiterhelfen kann. Genau das habe ich so weitergegeben.

Mick Schumacher ist Ferrari-Junior geworden. Wie gehen Sie mit ihm um? Geben Sie besondere Tipps? 

Vettel: Tipps im Sinne von wie er fahren muss sicher nicht. Es gibt aber sicher Dinge abseits davon, die ich aufgrund meiner Erfahrung weitergeben kann. Am besten ist aber, seine eigenen Erfahrungen zu sammeln. Dazu kommt: Die Erwartungshaltung ist extrem groß. Er braucht sicher keinen, der ihn auch noch daran erinnern muss.

Vettel über Schumacher: „Vor- und Nachteile des großen Namens halten sich die Waage“

Ist Mick ein normaler Nachwuchspilot oder der Sohn von Michael?

Vettel: Beides. Einerseits ist er ein erfolgreicher Nachwuchspilot, der sich wegen seiner Erfolge und Leistungen etabliert und empfohlen hat. Andererseits ist er der Sohn von Michael. Vor- und Nachteile des großen Namens halten sich die Waage. Manchmal ist es einfacher, der Sohn von Michael zu sein, manchmal auch nicht. Ich freue mich jedenfalls riesig, für ihn und Michael, dass er jetzt schon so weit ist. Ich hoffe bloß, dass man ihm die Zeit gibt, in Ruhe den letzten Schritt zu machen. Ich bin aber sicher, dass er ihn machen wird. Man muss ihn aber fair behandeln.

Kommen Erinnerungen in Ihnen hoch, als Sie als junger Pilot mit dem großen Michael Schumacher zu tun hatten? Nach dem Motto: Jetzt ist der kleine Schumacher der Lehrling und Vettel der große Weltmeister. Also genau umgekehrt wie damals?

Vettel: Nein. Ich sehe mich nicht in der Lehrmeisterrolle. Der Unterschied: Michael war mein großes Vorbild früher. Auch heute noch in gewisser Weise. Er fehlt mir. Gerne würde ich noch bei manchen Dingen nach seiner Meinung fragen. Mick hat seine Familie, da braucht er niemand anders. Aber er weiß, dass er immer zu mir kommen kann, wenn er Fragen hat. Ob ihm dann meine Antworten helfen, ist eine andere Frage.

Sie sind 31, haben Familie, da denkt man nicht mehr wie ein 20-Jähriger, der nur Verantwortung für sich selbst hat. Gibt es Rücktrittsgedanken? Wie sehr hat der Erfolg mit Ferrari mit zukünftigen Entscheidungen zu tun?

Vettel: Ich glaube, es ist normal, dass ich nicht mehr im Frühling meiner Karriere bin. Andererseits hat man mit 31, gerade in unserem Sport, noch viel Zeit. Wenn man zurückschaut war Michael sogar einen Tick älter als ich jetzt, als er mit Ferrari den ersten Titel gewinnen konnte. Und Lewis ist auch zwei Jahre älter. Rücktrittsgedanken habe ich noch längst nicht. Im Gegenteil: Ich tue alles dafür, um mir meinen Traum mit Ferrari zu erfüllen. Und was meine Familie betrifft. Die unterstützt mich dabei und steht mir nicht im Weg dabei.

Vettel: „Mein Ziel ist es mit Ferrari zu gewinnen“

Schumacher fuhr 2010 bis 2013 bei seinem Comeback für Mercedes. Könnten Sie sich das auch vorstellen? Oder wäre gar eine Rückkehr zu Red Bull ein Thema?

Vettel: Weder noch. Mein Ziel ist es mit Ferrari zu gewinnen. Ein Comeback ist auch kein Thema, denn dafür müsste ich erst mal zurücktreten und – wie gesagt – das habe ich nicht vor.

Könnte das Arbeiten mit einem Mentaltrainer Sie persönlich stärker machen? Diese Gerüchte gab es ja in Italien. Nico Rosberg schwor drauf. Oder sind Sie einfach nicht der Typ, der sich von Mentaltheoretikern was sagen lassen will?

Vettel: Mentaltheortiker? Das Wort habe ich noch nie gehört. Ich habe keinen Mentaltrainer. Ich brauche auch keinen, denn ich habe durch meine Familie ein extrem intaktes Umfeld. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein intakte Familie zu haben, ist für jeden Menschen wichtig, nicht nur für einen Rennfahrer. Ich habe keine Person, die mich einschwört. Aber ich habe ein gutes Netzwerk hinter mir. Leute, die schauen, dass ich fit bin, dass ich gesund bin. Mehr brauche ich auch nicht. 

Interview: Ralf Bach

Teil 1 des Interviews gibt es hier.

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