Meisterschaft der Elektromotoren

Formel E: Geschichte, Weltmeister, Rennstrecken, Teams – alle Infos

Lucas di Grassi im Audi e-tron FE07
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Lucas di Grassi im Audi e-tron FE07

Die Formel E ist eine neue Kategorie im Motorsport, bei der Hersteller um die leistungsstärksten Elektromotoren wetteifern. Die Rennen werden nicht auf typischen Rennstrecken ausgetragen, sondern in den Straßen verschiedener Großstädte.

Amsterdam – Die Formel E stellt eine Revolution im Motorsport dar: Seit 2014 messen sich erstmals rein elektrisch betriebene Rennwagen auf Strecken in aller Welt miteinander. Die Wettkämpfe werden folgerichtig als E-Prix bezeichnet.

Formel E: Die Idee

Die Idee für eine neue Rennserie mit elektrisch angetriebenen Rennwagen geht auf Jean Todt und Alejandro Agag zurück. Der ehemalige französische Rennfahrer Jean Todt war zuvor lange Zeit Teamchef des legendären italienischen Formel-1-Rennstalls Ferrari gewesen. Er hatte 1995 den jungen Michael Schumacher zur Scuderia geholt, der für Ferrari insgesamt zehn Weltmeisterschaften gewann. 2008 verließ Todt Ferrari und wurde neuer Präsident des internationalen Motorsportverbandes FIA.

Der Spanier Alejandro Agag war jahrelang in der Politik aktiv gewesen und wurde 2008 von der Zeitschrift GQ zum spanischen Unternehmer des Jahres gewählt. Er hatte gute Kontakte zum Motorsport und kam im März 2011 zu einem Abendessen mit Jean Todt in Paris zusammen. Dabei entstand die Idee zu einer neuen Rennserie, bei der rein elektrische Fahrzeuge gegeneinander antreten würden. Diese neue Formel E sollte zeigen, was mit nachhaltigen Elektrofahrzeugen möglich sein könnte. Um die Rennen für Zuschauer attraktiver zu machen, sollten sie durch berühmte Metropolen führen statt über klassische Rennstrecken.

Formel E: Die Entwicklung der Rennserie

Das allererste Rennen in der Geschichte der Formel E fand am 13. September 2014 auf dem Gelände des Olympiaparks in der chinesischen Hauptstadt Beijing statt. In dieser ersten Rennserie traten alle Teams im gleichen Fahrzeug an, dem Spark-Renault SRT_01E. An diesem waren mehrere führende Firmen des Motorsports beteiligt:

  • Renault (Design)
  • McLaren Electronic Systems (Elektromotor)
  • Dallara (Chassis)
  • Williams Advanced Engineering (Batterietechnologie)
  • Michelin (Reifen)

Diese ersten Fahrzeuge kosteten 350.000 Euro pro Stück und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h.

Formel E: Die erste Saison

Bereits in der ersten Saison der Formel E 2014/2015 wurden elf Rennen in neun Ländern ausgetragen. Der Rennkalender in der Übersicht:

  • 13. September Beijing (China), Gewinner: Lucas di Grassi (BRA)
  • 22. November Putrajaya (Malaysia), Gewinner: Sam Bird (GBR)
  • 13. Dezember Punta del Este (Uruguay), Gewinner: Sébastien Buemi (SUI)
  • 10. Januar Buenos Aires (Argentinien), Gewinner: António Félix da Costa (POR)
  • 14. März Miami (USA), Gewinner: Nicolas Prost (FRA)
  • 4. April Long Beach (USA), Gewinner: Nelson Piquet Jr. (BRA)
  • 9. Mai Monte Carlo (Monaco), Gewinner: Sébastien Buemi (SUI)
  • 23. Mai Berlin (Deutschland), Gewinner: Jérôme D‘Ambrosio (BEL)
  • 6. Juni Moskau (Russland), Gewinner: Nelson Piquet Jr. (BRA)
  • 27. Juni London (Großbritannien), Gewinner: Sébastien Buemi (SUI)
  • 28. Juni London (Großbritannien), Gewinner: Sam Bird (GBR)

Erster Weltmeister wurde der Brasilianer Nelson Piquet Jr., der Sohn des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet. Er trat für das chinesische NEXTEV TCR Formula E Team (heute NIO 333 FE Team) an.

Damit die Fahrer das hohe Tempo durchgehend halten konnten, standen jedem während des Rennens zwei Fahrzeuge mit jeweils frisch aufgeladener Batterie zur Verfügung.

Eine kuriose neue Idee für den Motorsport war der sogenannte FANBOOST. Online oder per App konnten Fans bis spätestens 15 Minuten vor Rennbeginn für ihren Lieblingsrennfahrer stimmen. Die fünf Fahrer mit den meisten Stimmen erhielten dann in der zweiten Hälfte des Rennens in einem Fünf-Sekunden-Fenster einen Energieschub.

Formel E: Die weitere Geschichte

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Formel E immer weiter. Bereits ab der zweiten Saison 2015/2016 konnten die Teams individuelle Fahrzeuge mit selbst entwickelten Einzelteilen nutzen. Außerdem kamen neue Rennstrecken hinzu, unter anderem in Paris, der Heimatstadt von Gründer Jean Todt, sowie in Mexiko. Das Rennen in Berlin wurde vom geschichtsträchtigen Flughafen Tempelhof auf einen neuen Stadtkurs rund um den Strausberger Platz verlegt. In der dritten Saison schrieb die Formel E Geschichte mit Autorennen in den Metropolen Hongkong und New York City sowie dem ersten Gastspiel auf dem afrikanischen Kontinent (im marokkanischen Marrakesch).

Eine große Neuerung gab es zur Saison 2018/2019, als das erste Formula E Gen2-Auto präsentiert wurde. An der Entwicklung hatten sich namhafte Hersteller aus aller Welt beteiligt, darunter BMW und Audi, DS, Mahindra, Jaguar und Nissan. Die neuen Fahrzeuge hatten einen Stückpreis von 567.300 Euro und boten eine verbesserte Batterie, mit der es erstmals möglich war, ein ganzes Rennen mit einem einzigen Auto zu bestreiten. Der Motorsport verabschiedete sich mit einer einzigartigen Fahrt durch den Kanaltunnel zwischen Frankreich und England von den Gen1-Wagen.

Formel E heute

Die mittlerweile 6. Saison versprach 2019/2020 weitere Highlights, wie den Einstieg von Mercedes und Porsche bei den Teams. Ursprünglich waren 14 Rennen in zwölf Städten geplant, doch mit dem Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie kam es im Frühling 2020 zu Absagen. Das letzte Rennen fand am 29. Februar 2020 in Marrakesch statt, ehe die Formel E wie der gesamte Motorsport eine längere Pause einlegte. Erst im August wurde die Saison mit insgesamt fünf Rennen in Berlin beendet. Weltmeister wurde der Portugiese António Félix da Costa (DS Techeetah) vor dem Belgier Stoffel Vandoorne (Mercedes-Benz EQ Formula E Team) und dem Franzosen Jean-Éric Vergne (DS Techeetah).

Die Saison 2020/2021 läuft noch bis zum 15. August 2021. Der Rennkalender mit den aktuellen Rennstrecken im Überblick:

  • 26. Februar Diriyya (Saudi-Arabien), Gewinner: Nyck de Vries (NED)
  • 27. Februar Diriyya (Saudi-Arabien), Gewinner: Sam Bird (GBR)
  • 10. April Rom (Italien), Gewinner: Jean-Éric Vergne (FRA)
  • 11. April Rom (Italien), Gewinner: Stoffel Vandoorne (BEL)
  • 24. April Valencia (Spanien), Gewinner: Nyck de Vries (NED)
  • 25. April Valencia (Spanien), Gewinner: Jake Dennis (GBR)
  • 8. Mai Monte Carlo (Monaco), Gewinner: António Félix da Costa (POR)
  • 19. Juni Puebla (Mexiko)
  • 20. Juni Puebla (Mexiko)
  • 10. Juli New York City (USA)
  • 11. Juli New York City (USA)
  • 24. Juli London (Großbritannien)
  • 25. Juli London (Großbritannien)
  • 14. August Berlin (Deutschland)
  • 15. August Berlin (Deutschland)

Mit dem Abebben der Corona-Pandemie hofft die Formel E für die folgende Saison auf ein umfangreicheres Programm mit Rennstrecken in aller Welt.

Formel E: Teams und Fahrer

In der Formel E werden noch immer die gleichen Fahrzeuge der zweiten Generation verwendet, die Spark SRT_05e oder Gen2 Cars. Die einzelnen Teams können nur kleine Veränderungen vornehmen. Alle aktuellen Teams und ihre Fahrer in alphabetische Reihenfolge:

TeamSiegeFahrer 1Fahrer 2
Audi Sport ABT Schaeffler (Deutschland)12Lucas di Grassi (BRA)René Rast (GER)
BMW i Andretti Motorsport (USA)5Jake Dennis (GBR)Maximilian Guenther (GER)
Dragon / Penske Autosport (USA)2Nico Mueller (SUI)Brendon Hartley (NSL)
DS Techeetah (China)14Jean-Éric Vergne (FRA)António Félix Da Costa (POR)
Envision Virgin Racing (Großbritannien)11Sam Bird (GBR)Robin Frijns (NED)
Jaguar Racing (Großbritannien)3Mitch Evans (NSL)James Calado (GBR)
Mahindra Racing (Indien)4Jérôme D‘Ambrosio (BEL)Alex Lynn (GBR)
Mercedes-EQ Formula E Team (Deutschland)4Stoffel Vandoorne (BEL)Nyck de Vries (NED)
NIO 333 (China)2Oliver Turvey (GBR)Qinghua Ma (CHN)
Nissan E.Dams (Frankreich)17Sébastien Buemi (SUI)Oliver Rowland (GBR)
ROKiT Venturi Racing (Monaco)1Felipe Massa (BRA)Edoardo Mortara (SUI)
Tag Heuer Porsche (Deutschland)0André Lotterer (GER)Pascal Wehrlein (GER)

Formel E: Wissenswertes

Seit dem Einstieg des schwedisch-schweizerischen Konzerns ABB als Titelsponsor hieß der Wettbewerb offiziell ABB FIA-Formel-E-Meisterschaft. Erst zur Saison 2020/2021 erfolgte die Umbenennung in ABB FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft.

Das gesamte Rennen einschließlich freiem Training und Qualifying findet anders als beim regulären Motorsport an einem einzigen Tag statt. Ein Rennen dauert dabei nicht länger als 45 Minuten plus einer Minute. Die Fahrzeuge verfügen über zwei verschiedene Modi: den normalen Modus mit einer Leistung von 200 kW und den sogenannten Angriffsmodus mit einer Leistung von 225 kW. Der Angriffsmodus muss dabei in einer speziell gekennzeichneten Zone aktiviert werden, die individuell für jede Rennstrecke von der Rennleitung festgelegt wird. Dazu gibt es nach wie vor den mehrfach überarbeiteten FANBOOST, der die Leistung kurzfristig auf 240 bis 250 kW erhöht.

Mehrmals traten Fahrer und Fahrzeuge in Fan-Challenges. Aufsehen erregte der Stuntman Damien Walters mit seinem Leap of Faith, einem Rückwärts-Salto über ein rasendes Formel-E-Auto. Als globale Botschafter für die Formel E und die Vorteile der Elektromobilität konnten die koreanischen Superstars der Boygroup BTS gewonnen werden.

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