Franziska van Almsick: "Ich greife noch mal an"

+
„Ich bin nicht der Typ für den roten Teppich. Wenn ich die Chance hätte, durch den Hintereingang zu öffentlichen Auftritten zu gehen, würde ich diese Chance nutzen“, sagt Franziska van Almsick.

Eineinhalb Jahre nach der Geburt ihres ersten Kindes und vier Jahre nach ihrem endgültigen Rückzug aus dem Schwimmsport startet Franziska van Almsick noch einmal durch – als Schwimmbotschafterin auf Highheels.

In der tz gibt die 30-Jährige einen Einblick in ihr neues Leben und ihre Pläne. Dabei wird eines deutlich: Trotz neuer Bobfrisur, dunklerer Haarfarbe und stylishem Auftreten, lässt das Element Wasser sie nicht los. „Ich will noch mal angreifen“, sagt die in Heidelberg wohnende Berlinerin. Das Interview:

Wie sehen Sie Ihre neue Rolle?

Van Almsick: Mein neues Aussehen ist nur äußerlich ein großer Wandel. Ich bin innerlich nicht neu und anders, als ich das vorher war. Ich bin in einem neuen Lebensabschnitt und habe mir vieles vorgenommen. Ich will noch mal angreifen. Ich habe in Heidelberg ein Schwimmprojekt, schreibe ein Kinderbuch und arbeite als Co-Moderatorin.

Wen oder was wollen Sie angreifen?

Van Almsick:Mit Angreifen meine ich, mein momentanes Leben wieder in die Hand nehmen und etwas bewegen. Ich bin früher nie auf der Stelle stehen geblieben, sondern wollte immer schneller schwimmen. Ich will in den nächsten zehn Jahren nicht nur die Ex-Schwimmerin sein. Ich verlange mehr von meinem Leben. Dazu habe ich eine gute Ausgangsposition: Schwimmen in Deutschland, das bin ich. Wenn jemand es schafft, die Wichtigkeit des Schwimmenkönnens herauszuheben, dann bin vielleicht ich das.

Worum geht es bei Ihrem neuen Schwimmprojekt im Detail?

Van Almsick: Bei dem Pilotprojekt Heidelberger Kids auf Schwimmkurs geht es darum, dass kein Grundschüler die Schule verlässt und nicht eine Schwimmart richtig beherrscht. Mein Ziel ist es, per Gesetz festlegen zu lassen, dass Kinder in der Grundschule schwimmen lernen müssen. Politikerin werde ich aber nicht. Ich wäre die Erste, die richtig für Krawall sorgt. Es gibt noch immer viel zu viele Kinder, die ertrinken.

Wie halten Sie sich fit?

Van Almsick:Ich schwimme selten, nur ein paar Mal im Monat. Ich gehe aber gerne aufs Laufband oder aufs Fahrradergometer. Es ist aber eine Katastrophe. Ich kenne mich ja nur durchtrainiert und in Topform. So unfit wie ich jetzt bin, war ich noch nie in meinem Leben.

Beziehen sich alle Ihre Pläne auf das Schwimmen?

Van Almsick:Ja, ein Großteil. Schwimmen ist auch ein Thema in meinem Kinderbuch. Ich habe den Text vom ersten bis zum letzten Wort selbst geschrieben. Es ist wirklich ein hundertprozentiges Baby von mir. Es geht um ein Kind, ums Wasser, um die ersten Erfahrungen im Wasser und Schwimmübungen. Das Buch erscheint im Frühjahr 2009. Als der große Text geschrieben war, war das für mich ein Highlight, als wenn ich eine sportliche Saison beendet hätte.

Wie wichtig ist Ihnen Mode?

Van Almsick:Als Sportler hatte ich den ganzen Tag nasse Haare und bin schnell in die Klamotten gesprungen, hatte keine Zeit, mich um Mode zu kümmern. Jetzt macht mir das Spaß. Ich habe früher tagsüber nie Highheels getragen, jetzt gehe ich ohne fast nie aus dem Haus. Mittlerweile habe ich fast nur noch Highheels.

Was bewegt Sie im Moment?

Van Almsick:Jeder kennt mich unter Franzi und die freche Göre aus Berlin. Ich wohne schon mal nicht mehr in Berlin und wenn schon, dann bin ich nun die freche Göre aus Heidelberg. Ich habe meine Einstellung zum Leben verändert. Das ist klar, wenn man Mutter wird. Vor zweieinhalb Jahren bin ich nach Heidelberg gezogen und jetzt habe ich das Gefühl, dass ich angekommen bin. Schöner kann ich mir mein Leben nicht vorstellen. Alle Entscheidungen, die ich bislang getroffen habe, waren richtig.

Was bereuen Sie?

Van Almsick:Nichts. Ich kann durchaus damit leben, nie Olympiasieger geworden zu sein. Ich habe alles erreicht, nur das Olympische Gold nicht. Der Abschied kam zum perfekten Zeitpunkt.

Ist ein Comeback denkbar?

Van Almsick:Es wird niemals – und dafür kann ich meine Hand ins Feuer legen – ein Comeback geben. Ich bin stolz darauf, den Absprung geschafft zu haben.

Wie sehen Sie den Olympischen Spielen entgegen?

Van Almsick:Ich bin sehr neugierig und freue mich vor allem auf meinen Job für die ARD. Jobs, die mit dem Schwimmen zu tun haben, machen Spaß, weil ich mich auf dem Terrain sicher fühle. Ich war noch nie so entspannt vor Olympia wie diesmal.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Emanuel Buchmann: Tour-Sieg ist auch nicht mehr weit weg
Emanuel Buchmann: Tour-Sieg ist auch nicht mehr weit weg
Dortmunder Sehnsucht nach Kulttrainer Klopp
Dortmunder Sehnsucht nach Kulttrainer Klopp
75 Prozent der Verbände laut DOSB gefährdet
75 Prozent der Verbände laut DOSB gefährdet
Michael Jordan "einfach wütend" über Ereignisse in den USA
Michael Jordan "einfach wütend" über Ereignisse in den USA

Kommentare