Auch Görges scheitert

French Open: Kerber weiter, Brands raus

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Angelique Kerber hat sich gegen Mona Barthel durchgesetzt.

Paris - Daniel Brands hielt gegen Rafael Nadal gut mit, ehe sich der Top-Favorit durchsetzte. Angelique Kerber gewann gegen Mona Barthel, während die angeschlagene Julia Görges scheiterte.

Ein Nobody aus der Großen Kreisstadt Deggendorf hat den Tennisstars Roger Federer und Novak Djokovic gezeigt, wie man Sandplatzkönig Rafael Nadal in dessen Reich den Spaß raubt. Zwei Sätze lang hielt Daniel Brands in der ersten Runde der French Open den Titelverteidiger in Schach und die Zuschauer in Atem. Die größte anzunehmende Überraschung lag in der Luft, ehe der siebenmalige Champion aus Mallorca das Tempo erhöhte. Brands unterlag 6:4, 6:7 (4:7), 4:6, 3:6, fährt aber erhobenen Hauptes nach Hause.

Angelique Kerber untermauerte derweil ihren Status als beste deutsche Tennisspielerin und gewann gegen Fed-Cup-Kollegin Mona Barthel (Neumünster) 7:6 (8:6), 6:2. Auch Davis-Cup-Spieler Tobias Kamke (Lübeck) schaffte den Einzug in Runde zwei. Der 27-Jährige bezwang Paolo Lorenzi (Italien) nach 3:33 Stunden 6:3, 6:3, 3:6, 0: 6, 6:3 und trifft nun auf Julien Benneteau (Frankreich/Nr. 30). Abseits der großen Bühnen ist das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres dagegen für die angeschlagene Julia Görges (Bad Oldesloe/Nr. 24), Neuling Jan-Lennard Struff (Warstein) und Philipp Petzschner (Bayreuth) zu Ende gegangen.

Nachdem Daniel Brands, der in der vergangenen Woche beim ATP-Turnier in Düsseldorf gegen den weitgehend unbekannten Tschechen Jan Hajek 1:6, 0:6 untergegangen war, den ersten Satz gewonnen hatte, ging ein Raunen über den Court Philippe Chatrier. Auch im zweiten Durchgang ließ Brands den turmhohen Turnierfavoriten nicht davonziehen und lag im Tiebreak bereits 3:0 in Führung.

Krachende Aufschläge mit weit über 200 km/h, glatt geschlagene Vorhände und kaum Respekt vor der Aura des nahezu Unbezwingbaren: Die Zuschauer fühlten sich über weite Strecken an Robin Söderling erinnert. Nur der Schwede hat in Roland Garros bislang gegen Nadal gewonnen. Anders als Brands war Söderling bei seinem Sieg 2009 allerdings schon im Kreis der Topspieler etabliert.

Macht Brands so weiter ist er zumindest auf dem Weg unter die besten 50 der Welt. „Ich hoffe, diese Marke ist bald fällig“, hatte der 25-Jährige beim Power Horse Cup in Düsseldorf dem SID gesagt: „In den kommenden Wochen habe ich nicht so viele Punkte zu verteidigen, dann kann es klappen.“

Die beste Zeit des Tennisjahres kommt für die aktuelle Nummer 59 des ATP-Ranking erst noch: Auf schnellen Belägen fühlt sich der 1, 96 Meter große Brands am wohlsten, in Wimbledon stand er 2010 bereits im Achtelfinale. Warum es damals nicht geklappt hat? „Damals war ich noch nicht reif genug, es fehlte mir noch an Konstanz“, sagte Brands. Das Spiel gegen Nadal war ein gewaltiger Schritt nach vorne - trotz der Niederlage nach 2:54 Stunden.

Ein Lob vom besten Sandplatzspieler der Geschichte kann Brands schon einmal mit nach Niederbayern nehmen. „Er hat unglaublich gespielt. Ich muss ihm gratulieren, er hat mich in eine unangenehme Situation gebracht“, sagte der elfmalige Grand-Slam-Champion.

Unangenehm war bislang auch das kraftvolle Offensivtennis von Mona Barthel für die Weltranglistenachte Kerber. Zwei von drei Duellen hatte die Linkshänderin aus Kiel verloren, ehe es auf Court zwei der Anlage am Bois de Boulogne zum ersten Aufeinandertreffen bei einem Grand Slam kam. Kerber bewies erneut ihre Qualitäten aus der Defensive und in engen Situationen. Im ersten Durchgang wehrte die 26-Jährige vier Satzbälle ab und verwandelte ihren ersten.

Von den Bauchmuskelproblemen, die sie vor dem Turnierstart geplagt hatten, war nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil: Kerber präsentierte sich in ähnlich guter Verfassung wie bei ihrem Viertelfinaleinzug im vergangenen Jahr. Damals hatte sie ihre Liebe zum Sandplatztennis entdeckt, die sie in Runde zwei gegen Jana Cepelova (Slowakei) oder Christina McHale (USA) erneut aufleben lassen möchte.

SID

Bloß nichts Wabbeliges! Angelique Kerber von A bis Z

Von A wie Autofahren bis Z wie Zahnarzt: Angelique Kerber erzählt in einer ganz persönlichen Auflistung von Bäckerei-Besuchen vor dem Fliegen, einer Wett-Leidenschaft und einer schwarzen Perücke. © Getty
A wie Autofahren: „Ich fahre gerne schnell, das liegt in der Familie. Aber ich habe keine Punkte in Flensburg.“  © Getty
B wie Braten: „Ich mag die polnische Küche unglaublich gern. Ich lasse mich am liebsten von meiner Oma bekochen." © Getty
C wie Chor: „Ich war in der Grundschule ein, zwei Jahre im Chor, aber ich kann überhaupt nicht singen. Das überlasse ich lieber meiner Schwester Jessica. Sie hat schon mal ein Casting mitgemacht, glaube ich.“ © Getty
D wie Druck: „Der ist da, den spüre ich auch. Und er ist anders geworden. Als ich erste Erfolge hatte, war bei den Leuten noch Skepsis da. Mittlerweile erwarten sie die guten Ergebnisse.“ © Getty
E wie Energiequelle: „Am besten kann ich zuhause auftanken. Ich treffe mich mit Freunden, rede mal nicht über Tennis oder mache einfach gar nichts.“ © Getty
F wie Flugzeug: „Fliegen muss in meinem Job ja sein. Aber Essen im Flugzeug geht gar nicht. Ich nehme mir meistens am Flughafen beim Bäcker was mit. Ich kann aber direkt schlafen. Sonst wäre es kleine Tragödie.“ © Getty
G wie Goldmedaille: „Natürlich hatte ich in London diesen Traum. Es hat leider nicht geklappt, aber Olympia war trotzdem ein unglaubliches Erlebnis.“ © Getty
H wie Haare: „In Miami habe ich mir zum Spaß mal eine schwarze Perücke aufgesetzt und ein Foto gemacht. Alle, denen ich es gezeigt habe, haben sich an den Kopf gefasst und gesagt: Lass es lieber. Ich bleibe bei Blond.“ © Getty
I wie Igitt: „Muscheln und Austern. Das ist wabbelig, das würde ich nie runterkriegen. Ich mag auch keine Meeresfrüchte oder Sushi.“ © Getty
J wie Ja-Sager: „Ich war immer eine, die ihre Meinung gesagt hat. Früher war ich aber zerrissen und wusste dann nie, ob es richtig war. Jetzt sage ich meine Meinung und stehe dazu. Ich weiß, was ich will.“ © Getty
K wie Kiel: „Das ist mein Rückzugsgebiet. Es ist am Wasser, es ist ruhig, meine Freunde sind da. Ich kenne jede Ecke. Ob ich da später leben werde, weiß ich aber noch nicht.“ © Getty
L wie Links: „Ich spiele nur mit links Tennis, mache sonst alles mit rechts. Als Kind standen die Trainer ja gegenüber von mir. Da habe ich es so gemacht wie sie. Bei mir war es dann eben links, was bei ihnen rechts war.“ © Getty
M wie Malerei: „Das mochte ich schon immer. Egal, ob mit Wasserfarben oder Buntstiften. Vielleicht mache ich später mal einen Malkurs.“ © Getty
N wie Nummer 1: „Das ist noch ein weiter Weg. Aber ein Grand Slam-Titel wäre mir wichtiger als die Nummer 1 im Ranking.“ © Getty
O wie Oma: „Meine Großeltern bedeuten mir sehr viel. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Sie haben immer an mich geglaubt. Beim Fed Cup im April haben sie mich seit langem wieder live spielen gesehen.“ © Getty
P wie Polen: „Polen ist ein Bezugspunkt. Ich fahre dort immer noch gerne hin zum Relaxen. Ich habe einen kleinen Akzent im Polnischen, weil ich mehr Deutsch spreche.“ © Getty
Q wie Querkopf: „Ich habe mich geändert, bin offener geworden. Ich habe keine Angst mehr. Früher wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Das hat mich gequält. Ich fühle mich jetzt viel besser. Das hilft mir auch auf dem Platz.“ © Getty
R wie Rente: „Ich will dann eine Familie und einen festen Platz haben, wo ich wohne. Reisen ja, aber nicht mehr so viel.“ © Getty
S wie Sünde: „Ich wette gerne mit meinem Trainer. Wenn ich ein Grand-Slam-Turnier gewinne, machen wir zusammen Fallschirmspringen oder Paragliding. Allerdings habe ich Höhenangst.“ © Getty
T wie Träume: „Gesund bleiben, das Leben genießen. Ich darf das machen, was ich liebe: Tennis spielen. Natürlich ist es auch ein Traum, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen.“ © Getty
U wie USA: „New York ist eine meiner Lieblingsstädte. Natürlich kommen da die Erinnerungen an mein Halbfinale bei den US Open hoch. Ich weiß aber nicht, ob ich dort leben könnte.“ © Getty
V wie Vorbild: „Ich war vor kurzem mit einer Freundin in den polnischen Bergen. Da kamen Kinder und haben mir zum Wimbledon-Halbfinale gratuliert. Ich merke, dass ich ein Vorbild für andere bin. Es ist ein gutes, aber komisches Gefühl.“ © Getty
W wie Wimbledon: „Ich habe da eigentlich immer schlecht gespielt, immer ist irgendwas passiert. Deswegen freut es mich umso mehr, dass ich ausgerechnet dort ins Halbfinale gekommen bin.“ © Getty
X wie X-Ray: „Es ist kein schönes Gefühl, bei einer Computertomografie in der Röhre zu liegen. Man weiß nicht, ob man was hat. Und dann sieht man alles. Da will ich nicht mehr rein.“ © Getty
Y wie Yacht: „Das ist nichts für mich. Ich gönne mir lieber einen Ausflug in die polnischen Berge.“ © Getty
Z wie Zahnarzt: „Ich lasse mir immer eine Betäubungsspritze geben. Schon wenn ich einen Bohrer höre, kralle ich mich am Stuhl fest.“ © Getty

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