Gefängnisstrafen für Thanou und Kenteris

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Ekaterini Thanou muss ins Gefängnis.

Athen - Die griechischen Sprinter Ekaterini Thanou und Konstantinos Kenteris sind von einem Athener Gericht wegen Meineids zu Haftstrafen von je 31 Monaten verurteilt worden.

Sieben Jahre nach dem mysteriösen Motorradunfall vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2004 in Athen sind die griechischen Sprinter Ekaterini Thanou und Kostas Kenteris wegen Meineids zu Bewährungsstrafen von jeweils 31 Monaten verurteilt worden. Ein Gericht in der griechischen Hauptstadt sah es als erwiesen an, dass das Läufer-Duo am 12. August 2004 einen Unfall vorgetäuscht hatte, um sich einer angeordneten Dopingkontrolle zu entziehen. Ihre Rechtsanwälte legten sofort Berufung ein. Die Urteile sind somit noch nicht rechtskräftig.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Bei Eisschnelläuferin Claudia Pechstein wurden 2009 auffällige Blutwerte festgestellt. Der Retikulozytenanteil lag bei Proben über dem von der Internationalen Eislaufunion (ISU) festgelegten Höchstwert. Sie bekam eine Sperre aufgebrummt. Pechstein klagt dagegen. © dpa
Jan Ullrich soll in die Doping-Affäre um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verstrickt gewesen sein. Von seinem Team wurde er suspendiert. Er bestreitet die Vorwürfe. © dpa
Bei der erfolgreichen Sprinterin Katrin Krabbe-Zimmermann wurde im Juli 1992 das Mittel Clenbuterol nachgewiesen. © dpa
Im Oktober 1999 wurde Dieter Baumann positiv auf Nandrolon getestet. Der Wirkstoff stammte angeblich aus einer Zahnpasta. © dpa
Bei der WM 1994 wurde Fußballstar Diego Maradona des Dopings überführt. © dpa
Die französische Sporttageszeitung L’Équipe schrieb im August 2005, dass in Urinproben von Lance Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO (Erythropoetin) nachgewiesen worden sei. © dpa
Nach seiner Goldmedaille bei Olympia 1988 in Seoul wurde der Sprinter Ben Johnson positiv getestet. © dpa
2007 gestand Erik Zabel im Rahmen einer Pressekonferenz, bei der Tour de France 1996 eine Woche lang Doping mit EPO betrieben zu haben. © dpa
1992 wurde die Läuferin Grit Breuer überführt. © dpa
John McEnroe hat zugegeben, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein. © dpa
Radfahrer Marco Pantani wurde beim Giro d’Italia 1999 wegen überhöhter Hämatokritwerte disqualifiziert. © dpa
1988 hatte Sprinter Carl Lewis bei den US-Ausscheidungskämpfen drei verbotene Doping-Substanzen (Ephedrin, Pseudoephedrin und Phenylpropanolamin) im Blut. © dpa
Negative Schlagzeilen lieferte Ludger Beerbaum 2004, als der deutschen Mannschaft bei Olympia in Athen aufgrund eines positiven Dopingtests von Beerbaums Pferd Goldfever die Mannschafts-Goldmedaille nachträglich aberkannt wurde. © dpa
Bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City gewann der für Spanien startende Langläufer Johann Mühlegg mehrere Medaillen. Kurz darauf musste er alle wegen nachgewiesenen Dopingmissbrauchs wieder abgeben. © dpa
Im Jahre 2004 geriet der Fußballer Marco Rehmer in die Schlagzeilen, als er ohne Absprache mit seinem Verein Hertha BSC ein Medikament nahm, das auf der Dopingliste stand. © dpa
Der Radrennfahrer Tom Simpson kam bei der Tour de France 1967 völlig überraschend ums Leben. Kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux bäumt er sich ein letztes Mal auf. Dann sackt er zusammen. Er flüstert: "Setzt mich wieder auf mein Rad". Dann stirbt er. Höchstwahrscheinlich war Doping im Spiel. © dpa
Nemanja Vučićević wurde 2005 positiv auf die verbotene Substanz Finasterid getestet. Er gab an, ein Haarwuchmittel genommen zu haben. © dpa
1999 wurde Linford Christie positiv auf das verbotene Dopingmittel Nandrolon getestet. © dpa
Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ gestand Jörg Jaksche 2007, jahrelang gedopt zu haben. © dpa
Der Sprinter Konstantinos Kenteris und die Sprinterin Ekaterini Thanou entzogen sich 2004 bei Olympia in Athen einem Doping-Test. Die verweigerte Probe wurde als positiv gewertet. © dpa
Dem Fußballspieler Adrian Mutu konnte Kokainkonsum nachgewiesen werden. Das gilt als Doping, und er wurde für sieben Monate gesperrt. © dpa
Am 29. Juli 2006 gab Justin Gatlin selbst eine positive A-Probe auf Testosteron bekannt. © dpa
Im November 2008 wurde der österreichische Radstar Bernhard Kohl für 2 Jahre wegen Dopings gesperrt. Seine Ergebnisse der Tour de France 2008 wurden annulliert. Er hatte Gesamtplatz 3 belegt. © dpa
Sprinterin Marion Jones gestand im Oktober 2007 die Verwendung des Dopingmittels Tetrahydrogestrinon (THG). © dpa
Floyd Landis gewann 2006 die Tour de France. Im Nachhinein wurde ihm der Titel jedoch wieder aberkannt. © dpa
Ex-Eishockey-Spieler Uwe Krupp (M.) war 1990 bei einer WM positiv getestet worden – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt.  © dpa
Bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt 2005 wurde der Radfahrer Stefan Schumacher positiv auf Doping getestet. Im Oktober 2008 berichtete die französische Zeitung L’Équipe, dass Schum acher bei der Tour de France 2008 positiv auf das Blutdopingmittel CERA (EPO) getestet wurde. © dpa
Der Deutsche Leichtathletikverband eröffnete im November gegen Nils Schumann ein sportrechtliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. © dpa
Der Radprofi Frank Vandenbroucke ist im Alter von 34 Jahren gestorben. Immer wieder hatte er unter Dopingverdacht gestanden © dpa
Am 18. Juli 2007 gab der Bund Deutscher Radfahrer bekannt, dass bei Patrick Sinkewitz in der A-Probe einer unangemeldeten Trainingskontrolle in den Pyrenäen am 8. Juni 2007 ein deutlich erhöhter Testosteron-Epitestosteron-Quotient festgestellt worden sei. © dpa
Das Pferd von Isabell Werth wurde im Jahr 2009 positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet. © dpa
Am 24. Juli 2007 wurde bekannt, dass Alexander Winokurow beim Sieg im Einzelzeitfahren der 13. Etappe sowie drei Tage später auf der 15. Etappe der Tour de France positiv auf Blutdoping getestet wurde. © dpa

“Das Gericht ist der Auffassung, dass der Unfall nie stattgefunden hat“, sagte Richter Dimitris Lefkos. Weder Kenteris noch Thanou waren beim Urteilsspruch anwesend. Der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees, Mark Adams, begrüßte die Entscheidung. Der Richter habe das bestätigt, “was wir seit langem wussten: Dass es diesen Unfall nie gegeben hat“, sagte Adams.

Der Rechtsanwalt von Kenteris, Michalis Dimitrakopoulos meinte, die Entscheidung sei ein “Schandfleck für das System (der Justiz)“. Dieser werde in höherer Instanz ausgewischt. Zuvor hatte er das Gericht kritisiert, weil es seinem Mandanten keine mildernden Umstände anerkannt habe. Dimitrakopoulos meinte es sei einfach “unglaublich“ Kenteris nicht das anzuerkennen, was man sogar Drogen-Dealern anerkenne (mildernde Umstände).

“Und jetzt haben wir die Entscheidung für die beiden Athleten, als ob sie nichts für dieses Land getan hätten“, sagte er. Auch die Rechtsanwältin von Thanou kritisierte in ungewöhnlich scharfer Form das Urteil: “Die Justiz war heute leider blind gegenüber der Wahrheit“, sagte Maria Kevga.

Interessanter Aspekt: Wie Juristen der Nachrichtenagentur dpa sagten, sei der Fall im August 2012 so oder so verjährt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Verteidigung der Angeklagten auf diesen Zeitaspekt setzt.

Trainer Christos Tzekos erhielt sogar eine Bewährungsstrafe von 33 Monaten. Sechs Ärzte, die Thanou und Kenteris angeblich nach dem Unfall in einem Krankenhaus behandelt haben wollen, wurden zu Bewährungsstrafen von sechs bis acht Monaten verurteilt. Zwei vermeintliche Zeugen des Unfalls erhielten Bewährungsstrafen von sieben und 15 Monaten.

Der Fall Kenteris/Thanou ist einer größten Skandale in der olympischen Geschichte. Kenteris hatte bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney über 200 Meter Gold gewonnen, Thanou über 100 Meter Silber.

Unmittelbar nachdem die beiden Leichtathleten am 12. August 2004 ins olympische Dorf von Athen eingezogen waren, erhielten sie die Nachricht von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), binnen zwei Stunden zu einer Dopingkontrolle erscheinen zu müssen. Um sich diesem und möglichen weiteren Tests zu entziehen, sollen Kenteris und Thanou den Motorradunfall vorgetäuscht haben. Sechs Tage später entzog das Internationale Olympische Komitee (IOC) den beiden ihre Akkreditierung.

Die griechischen Sprinter wurden nie des Dopings überführt. Der Leichtathletik-Verband ihres Landes (SEGAS) hatte sie im März 2005 sogar von diesem Vorwurf freigesprochen. Obwohl Thanou die Olympia-Norm über 100 Meter für Olympia 2008 erfüllt hatte, verweigerte ihr das IOC die Teilnahme in Peking, weil sie mit ihrem Verhalten die olympische Bewegung “in Misskredit“ gebracht habe.

dpa

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